Darum gehts
- XL-Hagelkörner führen in Chur und Winterthur zu Schäden an Früchten
- Winzer im Tessin meldeten in Juni Hagelschäden an zu 50 Prozent der Trauben
- Gesamtschaden allein im Tessin: mehrere Hunderttausend Franken
Nicht nur Hitze und Trockenheit bedrohen die Ernten der Schweizer Landwirte. In gewissen Regionen haben Unwetter Früchte und Gemüse verhagelt. Um Chur GR und Winterthur ZH hagelte es diesen Monat XL-Körner, wie Leservideos zeigen.
Einer, der in der Region Chur Reben hat und vom Hagel betroffen ist, ist Johann-Baptista von Tscharner (39) von der renommierten Weinkellerei von Tscharner. «Es sind sehr grosse Hagelkörner gefallen – vor allem im Gebiet Domat/Ems und Felsberg. Zum Glück haben wir dort nur kleinere Parzellen.» In Chur, wo das Weingut grosse Parzellen hat, seien die Schäden geringer. Zudem habe der Hagelschauer nur kurz gedauert. «Unter dem Strich hatten wir wirklich sehr viel Glück und sind mit einem blauen Auge davongekommen.» Von Tscharner rechnet mit Ausfällen von rund 5 Prozent.
«Schwerwiegende Schäden» trotz Hagelschutznetzen
Davon können die Winzer im Süden des Tessins nur träumen. Im Juni traf ein heftiges Hagelgewitter das Mendrisiotto und verursachte erhebliche Schäden in den Weinbergen. Teils fielen Hagelkörner so gross wie Aprikosen. «Sogar in den Weinbergen, die mit Hagelschutznetzen ausgestattet sind, sind die Schäden schwerwiegend», schreibt der Tessiner Winzerverband Federviti auf seiner Website. Verbandspräsident Davide Cadenazzi schätzte gegenüber Radiotelevisione Svizzera (RSI), dass der Schaden für die Produzenten der Region mehrere Hunderttausend Franken beträgt.
Hart getroffen hat es Nicola Caimi. In besonders betroffenen Lagen sind bei ihm 50 Prozent aller Trauben zerstört, sagt der Landwirt aus Mezzana TI. Ähnlich klingt es bei Winzern aus der Region Winterthur. Dort hat der Hagel Mitte Juli zugeschlagen. Gleich zwei heftige Gewitter haben die Region innert Tagen heimgesucht. Mit verheerenden Folgen: Der «Landbote» berichtet, bis zu 40 Prozent der Ernte seien betroffen.
Möglich, dass der angerichtete Schaden bis zur Lese sogar noch grösser wird. Der Winzerverband Federviti warnt seine Mitglieder vor möglichen Spätfolgen: Die beschädigten Pflanzen seien besonders anfällig für Krankheiten und Schädlinge wie den Japankäfer.
Einige Ackerflächen erlitten Totalschaden
Aber nicht nur Reben wurden verhagelt: Caimis Weizenfeld im Tessin, das praktisch erntereif gewesen wäre, wurde vollständig zerfetzt. «Daraus lässt sich nur noch Stroh machen», sagt der Landwirt. In seinem Obstgarten traf es die Äpfel, viele lagen nach dem Unwetter am Boden.
Das Ausmass der schweizweiten Schäden im Blick hat die Versicherungsgesellschaft Schweizer Hagel. Sie versichert landwirtschaftliche Betriebe gegen Gefahren wie Unwetter und Hagel. «Neben Rebkulturen haben die Unwetter dieses Jahr vor allem auch zahlreiche Ackerkulturen beschädigt wie Getreide, Raps und Kartoffeln», sagt Gaylor Monnerat, Leiter Schweiz der Versicherung. Aber auch der Gemüsebau sei betroffen.
Zwar haben einige der getroffenen Flächen Totalschaden erlitten, wie Monnerat sagt. Schweizweit liege die Zahl der eingegangenen Hagel-Schadensmeldungen bisher aber leicht unter dem langjährigen Durchschnitt. «Sehr besorgniserregend ist dagegen die Situation hinsichtlich Trockenheit.»