Darum gehts
- Schweiz kämpft mit Hitzewellen, Temperaturen erreichten im Juni bis zu 39 Grad
- Kartoffelernte gefährdet, Detailhändler könnten ausländische Importe erhöhen
- Zweifel importiert jährlich 10 Prozent Kartoffeln, WM steigert Chips-Nachfrage
Die Schweiz erlebt gerade eine Hitzewelle nach der anderen: Bereits im Juni machten uns Rekordtemperaturen zu schaffen. Ende des letzten Monats kletterte das Thermometer in Basel und in Beznau AG auf 39 Grad. Die Hitze wirkt sich auch massiv auf die Landwirtschaft aus: Die Bäuerinnen und Bauern sorgen sich um ihre Ernte.
Was den Landwirten wehtut, kann auch das Portemonnaie der Bürger beim Einkaufen im Supermarkt belasten. «Hauptsächlich Freilandkulturen wie Salate, Blumenkohl, Broccoli und Fenchel leiden kurzfristig unter der grossen Hitze», warnt eine Sprecherin von Coop auf Blick-Anfrage. Und weiter: «Die Auswirkungen der diesjährigen Hitze dürften sich in den kommenden Wochen in den Preisen niederschlagen.»
«Angespannte Lage» bei Kartoffeln
Engpässe zeichnen sich auch bei den Schweizer Härdöpfeln ab. So bangen einige Bauern bereits jetzt um ihre Kartoffelernte, wie die «Basler Zeitung» berichtete. Das Problem kennt man auch bei der Migros: «Aktuell ist die Lage angespannt», teilt eine Sprecherin gegenüber Blick mit. Aber: «Bei den Kartoffeln ist eine verlässliche Einschätzung der Ernte erst im August oder September möglich.» Positiv wirke sich aus, dass bislang vergleichsweise wenig Kraut- und Blattfäule aufgetreten sei.
Die beiden Schweizer Detailhandel-Riesen legen hohen Wert darauf, dass ihre Kartoffeln möglichst aus der Schweiz kommen. Macht die Hitze nun die Ernte kaputt, müssen sie aus dem Ausland zukaufen.
Sommer ist Chips-Hochsaison
Mit dieser Situation sieht sich auch der Schweizer Chips-Hersteller Zweifel konfrontiert. «Herkunft und Regionalität unserer Rohstoffe sind für uns seit jeher von grosser Bedeutung. Wenn immer möglich verarbeiten wir in unserem Werk Schweizer Kartoffeln», schreibt das Traditionsunternehmen mit Sitz in Spreitenbach AG auf seiner Website.
Dieser Anspruch ist für Zweifel eine grosse Herausforderung – insbesondere jetzt im Sommer. In den warmen Monaten ist Chips-Hochsaison. Zweifel-Chips gehören schliesslich zu jeder Grillparty. Und aktuell treibt ein Grossevent die Absätze zusätzlich nach oben: Die Fussball-WM treibt Menschen in die Läden, um sich Snacks für die Spiele zu holen.
Zweifel kauft 10 Prozent der Kartoffeln im Ausland
Kann das urschweizerische Unternehmen seine Chips also auch aus hiesigen Härdöpfeln herstellen? Nein – zumindest nicht vollständig. Zweifel ist auch in normalen Jahren auf ausländische Importe angewiesen, wie eine Sprecherin auf Anfrage mitteilt. «Aufgrund witterungsbedingter Ernteausfälle oder Fehlmengen müssen wir im langjährigen Mittel rund 10 Prozent der benötigten Kartoffeln importieren.»
Das dürfte auch in diesem Jahr der Fall sein: «Die Nachfrage war bereits rund um die Fussball-WM sehr hoch, und auch für die zweite Jahreshälfte erwarten wir eine anhaltend starke Nachfrage», so die Zweifel-Sprecherin. «Nach heutigem Kenntnisstand besteht das Risiko, dass die verfügbaren Mengen an Schweizer Kartoffeln nicht vollständig ausreichen werden.»