Darum gehts
- Hacker verschafften sich Zugriff auf sensible Kundendaten des Schweizer Onlinehändlers Offerz
- Rund 115'000 Kunden sind betroffen
- Der Angriff blieb über einen Tag unbemerkt
In der Schweiz treiben gerade Cyberkriminelle ihr Unwesen: Ende September wurde der IT-Dienstleister PK Softtech AG gehackt. Dabei wurden unter anderem sensible Daten von Versicherten der Bundespensionskasse Publica gestohlen. Kurz darauf vermeldete auch der Online-Marktplatz Ricardo einen Cyberangriff, wobei Daten von rund 890'000 Nutzerkonten entwendet wurden.
Nun traf es einen weiteren Onlinehändler, wie Blick von mehreren Kundinnen und Kunden erfährt. Die Rede ist von der Schweizer Plattform Offerz.ch, einem Webshop, der sich auf den Verkauf von digitalen Gutscheinen und Geschenkkarten spezialisiert hat. In einer E-Mail informiert das Unternehmen darüber, «Ziel massiver Hackversuche» geworden zu sein. Dabei konnten sich Unbekannte Zugang zu einer Testumgebung mit echten Kundendaten verschaffen. «Ob die Daten tatsächlich abgeflossen sind, können wir nicht gesichert nachweisen», schreibt Offerz. «Da der Zugriff möglich war, gehen wir vorsorglich davon aus.» Betroffen sind Namen, Wohn- und E-Mail-Adressen, Telefonnummern, IP-Adressen und Angaben zum Zahlungsmittel. Passwörter und Zahlungsdaten seien nicht betroffen.
Datenleck blieb über einen Tag unbemerkt
Der Zugriff erfolgte laut Offerz in der Nacht vom 7. Oktober. Pikant: Entdeckt wurde er erst am Morgen des 9. Oktober. Der Grund: «Die Testumgebung war nicht im gleichen Mass überwacht wie die Produktivsysteme», erklärt die Plattform gegenüber Blick. Rund 115'000 Kundinnen und Kunden sind betroffen.
Einer von ihnen ist Blick-Leser Mario Z.*. «Die Ungewissheit, ob wirklich Daten abgeflossen sind, bereitet mir am meisten Sorgen», sagt er. Besonders stört ihn allerdings ein anderer Umstand: Die sensiblen Informationen befanden sich nicht etwa in einer regulären Datenbank, sondern eben in besagter Testumgebung. «Warum werden dort überhaupt echte Kundendaten mit vollständigen persönlichen Informationen gespeichert?», fragt er sich.
Dazu erklärt Offerz: Bei technischen Arbeiten am Onlineshop sei eine Kopie der Bestelldaten erstellt und in einem Cloud-Speicher abgelegt worden, auf den auch die Testumgebung Zugriff hatte. Die Datei hätte nach Abschluss der Arbeiten gelöscht werden müssen. Dass dies nicht geschah, sei ein Fehler gewesen. Brisant: Für den Betrieb der Server und die Programmierung ist ein externer IT-Dienstleister zuständig. Die fehlerhafte Zugänglichkeit sei im Rahmen dieser technischen Betreuung entstanden.
Kunden müssen ihre Passwörter ändern
Inzwischen hat Offerz die betroffene Testumgebung deaktiviert, Zugänge gesperrt und die übrigen Systeme überprüft. Ausserdem hat das Unternehmen eine Passwort-Reset-Pflicht eingeführt. Beim nächsten Login müssen Kunden ihr Passwort vorsorglich zurücksetzen.
Die Plattform warnt dennoch ausdrücklich vor möglichen Betrugsversuchen. Kriminelle könnten die erbeuteten Kontaktdaten nutzen, um sich per E-Mail, SMS, Whatsapp oder Brief als vertrauenswürdige Absender auszugeben. Offerz hat Strafanzeige erstattet und den Eidgenössischen Datenschutz- und Öffentlichkeitsbeauftragten (Edöb) sowie das Bundesamt für Cybersicherheit (Bacs) informiert.
* Name bekannt