Geburtenraten sinken schneller – neue Studie zeigt
Smartphone ist schuld an der immer grösseren Babyflaute

Die Geburtenrate in der Schweiz und in anderen Ländern sinkt immer schneller. Nun macht eine Studie neue Schuldige aus: das Smartphone und die sozialen Medien.
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Das Smartphone und die sozialen Medien haben zur Folge, dass sich die Leute immer seltener physisch treffen.
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Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Geburtenrate in der Schweiz in den letzten Jahren schneller gesunken
  • Smartphones und Social Media fördern Isolation, weniger persönliche Kontakte
  • 60 Prozent der Männer unter 25 leben gemäss BFS als Single
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Martin SchmidtRedaktor Wirtschaft

Schweizerinnen und Schweizer kriegen kaum noch Kinder: Die Geburtenrate liegt gerade mal bei 1,2 Kindern pro Frau. Nimmt man die ausländische Wohnbevölkerung dazu, ist die Rate nur geringfügig höher. Was dabei alarmierend ist: In den letzten Jahren hat sich der Rückgang der Geburtenraten in der Schweiz und vielen anderen Ländern nochmals merklich beschleunigt. Doch woran liegt das?

In einem aktuellen Artikel der «Financial Times» wird das Smartphone und das Aufkommen der sozialen Medien als Grund für den deutlichen Geburtenknick im letzten Jahrzehnt ins Spiel gebracht. Die Zeitung stützt sich auf eine Studie der Universität Cincinnati. Das erste iPhone kam 2007 auf den Markt und verlieh den vielen Social-Media-Plattformen in den Folgejahren einen riesigen Boost. Der persönliche Kontakt unter jungen Menschen brach in den USA von zwei Stunden auf gerade mal noch 45 Minuten pro Tag ein. Die sozialen Medien würden zu einer sozialen Isolation führen, schreibt die Zeitung. Lieber daheim sitzen und chatten als sich mit Freunden treffen.

Immer mehr junge Singles

Auch bekannte Dating-Apps wie Tinder würden dabei eine Rolle spielen, so die «Financial Times»: Die Apps suggerieren eine permanente Verfügbarkeit und quasi unbegrenzte Optionen. Schlussendlich resultiere daraus jedoch ein viel oberflächlicherer Austausch. Wenig überraschend macht sich bei der Nutzung von Dating-Apps inzwischen eine gewisse Müdigkeit breit.

Eine Trendwende ist jedoch kaum in Sicht, im Gegenteil: Die sozialen Medien hätten massgeblich zum starken Anstieg des Single-Anteils bei den U30-Jährigen beigetragen. Auch in der Schweiz lebt ein kontinuierlich wachsender Teil der jungen Menschen allein. Bei den U25-jährigen Männern sind es gemäss Bundesamt für Statistik rund 60 Prozent.

Karriere, Individualismus und Kosten

Zu dieser neuen Entwicklung kommen die altbekannten Faktoren, die die Geburtenraten drücken, hinzu: Der Wohlstand, der ausgeprägte Individualismus im Westen und das Bedürfnis nach Selbstverwirklichung, das in Konkurrenz zur Familienplanung stehen kann. Dazu der ausgeprägte Karrierefokus in der Schweiz, der die Familienplanung zurückschiebt oder ganz auf die Ersatzbank verbannt. Steigen dann noch die Lebenshaltungskosten, müssten für den Familienwunsch andere Bedürfnisse zurückgestellt werden. 

Studien zeigen, dass etwa deutliche Mietpreisanstiege weniger Nachwuchs zur Folge haben, weil sich Paare keine ausreichend grosse Wohnung mehr leisten können. Hohe Wohnkosten haben zur Folge, dass in Ländern wie Italien, Spanien, Griechenland oder Kroatien Kinder im Schnitt erst mit über 30 Jahren aus dem Elternhaus ausziehen. Ein weiterer Grund für den späten Auszug ist die deutlich erhöhte Arbeitslosigkeit bei jungen Erwachsenen in diesen Ländern. Eine Folge: Es bleibt weniger Zeit für die Familienplanung.

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