Vontobel ordnet ein
Wozu wir die Einwanderer wirklich brauchen

Ohne Einwanderer kein Wohlstand, sagen die Gegner der Nachhaltigkeits-Initivative. Da ist weniger dran, als man meinen könnte. Es gäbe bessere Lösungen.
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Werner Vontobel relativiert Argumente, die für Einwanderung sprechen.
Foto: Paul Seewer

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Einwanderung senkt AHV-Verlust um bis zu 2200 Franken jährlich
  • 10 Aktive finanzieren statt 4,1 nur noch 3,3 Rentner
  • Ein Expat mit 250'000 Franken Einkommen schafft vier Jobs mit 50'000 Franken
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Werner Vontobel

Es sind im wesentlichen zwei Argumente, die für Einwanderung sprechen: Erstens werde die AHV sinken. Daniel Lampart (58), der Chefökonom des Schweizerischen Gewerkschaftsbunds, hat den Verlust mit «bis zu 2200 Franken pro Jahr» beziffert. Zweitens, heisst es, machten die Eingewanderten – etwa die Ärztin aus Deutschland – die Arbeit, die sonst niemand mache.

Lampart hat recht. Die Einwanderer verbilligen die Rente. Müssten wir die Zahl der Einwohner mit eigenen Kindern stabil halten, also mit einer Geburtenrate von 2,1 Kindern pro Frau, würde die Schweiz aus 4,9 Millionen Aktiven, 2,2 Millionen Jungen und 2 Millionen Rentnern bestehen. 10 Aktive müssten 4,1 Rentner durchfüttern.

Nicht nur die Alten kosten Geld

Dank der (bisherigen) Einwanderung, und wegen der tiefen Geburtenrate haben wir aber effektiv statt 4,9 rund 5,5 Millionen Aktive und nur 1,8 Millionen Rentner. Statt 4,1 müssen 10 Aktive nur für je 3,3 Rentner aufkommen. Lamparts 2200 Franken weniger Rente pro Jahr sind also durchaus plausibel.

Aber dieser Effekt beruht letztlich bloss darauf, dass die Eingewanderten noch keine Rente beziehen. So gesehen leben die heutigen Rentner auf Pump. Dazu kommt, dass die Aktiven finanziell auch davon profitieren, dass sie statt 2,1 nur noch 1,3 Kinder grossziehen müssen. Da ein Kind die Eltern und den Staat rund eine Million Franken kostet, reden wir von einer Ersparnis von rund 0,8 Millionen Franken. Damit könnte man die von Lampart errechnete Renteneinbusse kompensieren.

Statt auf Pump zu leben, können wir auch zwei Jahre länger arbeiten und entsprechend zwei Jahre weniger Rente beziehen. Dann entfielen wiederum nur 3,3 Rentner auf 10 Aktive. Wir können das Problem also auch aus eigener Kraft lösen.

Reiche verursachen Arbeit

Nun zur deutschen Ärztin. Dieses Argument verkennt, dass die Eingewanderten hier nicht nur arbeiten, sondern auch leben. Leben heisst, die Arbeit anderer in Anspruch zu nehmen. Die deutsche Ärztin braucht ihrerseits auch Ärzte, Lehrer, Verkäuferinnen, Beamte usw. Allgemein gilt: Je höher das Einkommen und das Vermögen, desto mehr Arbeit beansprucht man.

Die Schweiz ist gut darin, mit ihrer Steuer- und Standortpolitik reiche und gut verdienende Leute anzuziehen. Für sie müssen erst einmal standesgemässe Wohnungen und Villen gebaut werden. Sie brauchen auch Nannys, Pizzakuriere, Kellner etc., die alle deutlich weniger verdienen als sie. Ein Expat mit 250'000 Franken Einkommen beschäftigt dann – nur so als Grössenordnung – vier «Dienstboten» mit je etwa 50'000 Einkommen. Steuerflüchtlinge sind noch arbeitsintensiver.

Unter dem Strich heisst das: Die Eingewanderten machen nicht nur unsere Arbeit nicht, sondern sie holen noch zusätzliche Arbeit ins Land. So werden letztlich ganze Bevölkerungswanderungen ausgelöst: Die Randgebiete Europas entvölkern sich, jenseits des Rheins fehlen die Pflegekräfte, und bei uns vertreibt die Gentrifizierung die einheimischen Normalverdiener aus ihren Quartieren und beschert den Bodenbesitzern und Immo-Spekulanten dreistellige Milliardenprofite.

Die Personenfreizügigkeit mag zwar für die EU-Bürokraten eine heilige Kuh sein, sie dient aber nicht den Interessen der Durchschnittsbürger – weder hier noch dort. Das klingt nicht nach Win-win. Wo sind die Diplomaten mit Durchblick?

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