Darum gehts
- Ab November 2026 sollen Fahrzeuge über 3,05 Meter nicht mehr per Autozug durch Furka-Tunnel dürfen
- Transportfirmen drohen massive Verluste durch längere Strecken und hohe Mehrkosten
- Beda Steiner AG rechnet mit 300 bis 500 Franken Mehrkosten pro Tag
Die Schweizer Transportbranche kocht. Der Grund: Die Matterhorn-Gotthard-Bahn will sogenannte Grossraumfahrzeuge nicht mehr durch den Furka-Tunnel transportieren. Betroffen sind sämtliche Fahrzeuge ab einer Höhe von 3,05 Metern. Das Bahnunternehmen hat dafür einen Antrag beim Bundesamt für Verkehr eingereicht. Gibt dieses grünes Licht, gilt die neue Regelung ab 1. November 2026.
Die Bahn begründet den Schritt vor allem mit Sicherheitsbedenken: Wegen ihrer Höhe müssen Grossraumfahrzeuge auf offenen Waggons am Zuganfang oder -ende stehen. In der Vergangenheit kam es dabei mehrfach zu Zwischenfällen – zuletzt im März, als ein Camion verrutschte und sechsstellige Schäden verursachte.
«Unsere Flotte wäre nicht mehr zugelassen»
Für Logistikfirmen, die regelmässig durch den Furka fahren, wäre das Verbot ein Albtraum. Im Winter ist der Furkapass bekanntlich gesperrt. Als direkte Verbindung zwischen Uri und dem Oberwallis bleibt dann nur der Autozug. «Unsere gesamte Flotte, die wir für diese Transporte einsetzen, wäre nicht mehr zugelassen», sagt René Steiner (41). Er ist Geschäftsführer der Transportfirma Beda Steiner AG mit Sitz in Tuggen SZ. Das Familienunternehmen mit 85 Angestellten beliefert im Oberwallis vor allem Baufirmen und Metallverarbeiter in Visp, Brig und Zermatt.
Pro Winter fahren rund 30 Fahrzeuge des Unternehmens durch den Furka-Tunnel. Im Sommer gehts über die Passstrasse – auch weil der Autoverlad für Grossraumfahrzeuge 230 Franken pro Fahrt kostet. «Beim Furka arbeiten wir stets mit Lieferwagen oder Fahrzeugen mit Anhänger», erklärt Steiner. Also nicht einmal mit grossen Lastwagen. Aber selbst diese würden eine Höhe von 3,05 Metern überschreiten.
Für Steiners Fahrer und Fahrerinnen wäre die rund 20-minütige Fahrt durch den Tunnel also nicht mehr möglich. Stattdessen müssten sie mühsam via Gotthard und Lötschberg oder Gotthard und Simplon ins Oberwallis fahren. «Die Strecke verlängert sich damit um 200 bis 300 Kilometer», sagt Steiner. Den Zeitverlust beziffert er auf drei bis fünf Stunden.
Umweg kostet Hunderte Franken – pro Tag
Das hat Folgen. Je nach Ausgangspunkt sei die Tour wegen der vorgeschriebenen Ruhezeiten für Chauffeure nicht mehr an einem Tag zu schaffen. Und die Umwege gehen ins Geld: «Bei einem Verbot rechne ich mit Mehrkosten von 300 bis 500 Franken pro Tag», sagt der Geschäftsführer frustriert. Für sein KMU eine happige Rechnung: «Unsere Gewinnmarge wird in diesem Fall verschwinden.»
Andere Firmen könnte es laut Steiner aber noch härter treffen: «Es gibt Transportunternehmen, die sich eigens für den Furka-Verlad spezielle, tiefere Lastwagen angeschafft haben.» Doch auch diese seien teilweise höher als 3,05 Meter. Kommt die neue Obergrenze zustande, werden die Spezialfahrzeuge für die Firmen unbrauchbar. «Der finanzielle Verlust wäre enorm», warnt Steiner.
Besonders sauer stösst dem Unternehmer die kurze Vorlaufzeit auf, mit der die Bahn den Antrag bekanntgegeben hat. Die neue Regel soll bereits in wenigen Wochen greifen – just dann, wenn der Furkapass normalerweise in die Wintersperre geht. Für die Firmen bleibe kaum Zeit, ihre Logistik umzukrempeln. Steiner: «Mit einem einzigen Entscheid bodigt man Geschäftsmodelle und Investitionen innert kürzester Zeit.»