Darum gehts
- 1600 Schweizer in Golfregion wegen Kriegsausbruch gestrandet, Flüge unsicher und teuer
- Privatjet-Ausreise kostet 22'600 Franken pro Person, Tiere erlaubt
- Flugkosten: 7000 Franken/Stunde, 100 Personen auf Warteliste
Gut 1600 Schweizerinnen und Schweizer sitzen auch zwei Wochen nach Kriegsausbruch noch immer in der Golfregion fest. Die meisten von ihnen in den Vereinigten Arabischen Emiraten, also etwa in Abu Dhabi oder Dubai. Ein Ticket für einen Linienflug kann schnell ein paar Tausend Franken kosten, sofern der Flug durchgeführt wird und man einen Sitz ergattern kann. Die Flughäfen sind meist nur für ein paar wenige Stunden geöffnet, wenn überhaupt. Denn ständig drohen iranische Angriffe mit Drohnen oder Raketen.
Wer ganz tief in die Tasche greifen kann, versucht die Ausreise mit einem gecharterten Privatjet. Preis für einen Sitzplatz: 25'000 Euro, umgerechnet rund 22'600 Franken – dafür dürfen auch Hund oder Katze mitfliegen. Allerdings ist auch die Durchführung solcher Flüge alles andere als garantiert, wie John Rageth (75) weiss: «Wir wollen am Samstag einen weiteren Flug durchführen, doch bis jetzt sind die Versicherungen nicht bereit, das Risiko zu decken.»
Kenner der Branche und Region
Rageth ist Gründer und Präsident von Swiss Global Jet, einer Firma mit Sitz am Flughafen in Kloten ZH, die seit 2002 Flüge mit Privatjets anbietet. Trotz der widrigen Umstände konnte Rageth Anfang Woche drei Flüge von Dubai nach Rom organisieren und durchführen. So konnten 36 Gutbetuchte samt einem guten Dutzend Hunde und Katzen aus der Krisenregion flüchten.
«Wenn Not am Mann ist, muss man einfach da sein», sagt Rageth. Er sitzt gemäss eigenen Angaben Tag und Nacht am Telefon, um zusammen mit seiner Tochter all die notwendigen Bewilligungen wie Lande- und Überflugsrechte oder den Versicherungsschutz zu organisieren. Er musste schmunzeln, als er vergangenen Samstag Swiss-CEO Jens Fehlinger (45) am Radio gehört hat: «Ich weiss nicht, warum die Swiss 40 Leute und eine Woche braucht, um einen Flug in den Oman zu organisieren. Das geht auch schneller.»
Dabei hilft dem ehemaligen Piloten Rageth mit 48 Jahren Berufserfahrung sein dichtes Beziehungsnetz in der Region. Fliegen gelernt hat der Bündner noch bei der Swissair, er ging dann aber bald nach Saudi-Arabien, um als Privatpilot für einen saudischen Prinzen zu arbeiten. Zwischen 2004 und 2014 hat er weltweit Piloten für die Energiekonzerne ausgebildet.
Doch selbst die hervorragenden Beziehungen helfen nicht immer, wenn der Krieg dazwischenfunkt. Einen Flug musste Rageth kurzfristig absagen, obwohl die Passagiere bereits in der Maschine sassen. «Der Flughafen in Dubai wurde für rund zwei Stunden geschlossen. In dieser Zeit ist unser Slot für die Kriegsrisikoversicherung des Flugzeugs verfallen.»
Grosser Umweg
Allein die zwei Stunden Aufenthalt in Dubai kosten rund 25'000 Franken für die Versicherung. Um die Standzeit in Dubai so kurz wie möglich zu halten, fliegt die Maschine vom Typ Bombardier Global Express am Vorabend leer von Rom nach Medina, wird dort voll aufgetankt und fliegt erst am Folgetag nach Dubai weiter, um die Passagiere abzuholen.
Der Flug von Dubai nach Rom dauert rund acht Stunden, auch weil das Flugzeug einen grossen Bogen um das Kriegsgebiet machen muss. Die Route führt über Saudi-Arabien, Ägypten und das Mittelmeer nach Italien. Eine Flugstunde kostet rund 7000 Franken, dazu kommen all die Gebühren und Versicherungen. «Wir verrechnen für unseren Aufwand eine Gebühr von 900 Franken pro Person. Mit diesen Flügen verdienen wir kein Geld», wehrt sich Rageth zu Abzockervorwürfen. Beim letzten Flug musste er wegen der gestiegenen Flugkosten sogar Geld drauflegen.
Ob weitere Flüge stattfinden werden, ist sehr ungewiss und hängt auch vom weiteren Kriegsverlauf ab. Die Nachfrage sei trotz des Preises vorhanden: «Wir haben eine Warteliste mit über 100 Anfragen», erklärt Rageth, ehe er sich wieder hinters Telefon klemmt, damit es mit dem Versicherungsschutz für den Flug am Samstag vielleicht doch noch klappt.