Darum gehts
- Schweizer sitzen nach Flugstreichungen in Nahost weltweit fest
- Rückflüge teils ausgebucht oder kosten bis zu 5000 Franken pro Person
- Rund 4000 Schweizerinnen und Schweizer derzeit in der Region Iran
Der Iran-Krieg sorgt weltweit für Chaos. Das zeigt ein Hilferuf, den Blick am Sonntag erhielt: «Wir sind eine Schweizer Familie mit drei Personen und befinden uns derzeit in Phuket in den Ferien. Unser Rückflug in die Schweiz mit Air India hätte bereits vor sechs Tagen stattfinden sollen, wurde jedoch kurzfristig gestrichen.»
Sohn Dominic K. (23), Mutter Laima (41) und Vater Stefan (51) wissen nicht, wohin sie sich sonst noch wenden sollen. «Die Airline und der Reiseanbieter vertrösten uns nur. Wir fühlen uns ausgenutzt. Ich habe schon über 400 Franken vertelefoniert», sagt Laima K. Geld, dass sie eigentlich lieber behalten hätte.
Die Familie sollte schnellstmöglich nach Hause, sagt die Mutter: «Wir können nicht arbeiten, haben keine Überstunden und keine Ferien mehr. Das bekommen wir alles nicht zurück.»
Astronomische Flugbilletpreise
Vater Stefan K. kritisiert die teuren Rückflüge. «Die meisten Flüge, die bezahlbar wären, sollen über Doha oder Katar fliegen. Das macht gar keinen Sinn! Die anderen sind teuer und sofort ausgebucht. Flüge kosten 5000 Franken – pro Person!» Der Plan von Familie K.: Abwarten. Und es irgendwie und irgendwann wieder zurück in die Heimat schaffen.
Tatsächlich sind die Preise für Flüge von Asien nach Europa aktuell astronomisch hoch. Ein Ein-Weg-Flugticket von Bangkok nach Zürich am 12. März kriegt man momentan für satte 5300 Franken. Auch Preise für Flüge von Singapur nach Zürich übersteigen teilweise die 5000er-Marke – und fast sämtliche Flüge von der indischen Mega-Metropole Mumbai nach Kloten kosten aktuell 5000 Franken und mehr. Schnell daheim ist man damit aber auch nicht. Teilweise dauern die Flüge mit mehreren Stopps zwischen 30 und 50 Stunden!
«Ausharren im Drohnen- und Raketenhagel»
Er hat es rausgeschafft – nach 14 Tagen in den Vereinigten Arabischen Emiraten. Dabei wollte Daniel Kauz nur eine Woche Ferien in Dubai verbringen. Blick kann vor Kauz’ Rückreise kurz mit ihm schriftlich in Kontakt treten, als er am Gate steht – und zurück in die Heimat kann. Seine Zeit beschreibt Kauz so: «Ausharren im Drohnen- und Raketenhagel.»
Nach vielen Tagen der Ungewissheit wurde ihm geholfen. Nicht aber vom Eidgenössischen Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA) oder von der Swiss, sondern von Tui. Der deutsche Reiseanbieter holt seine Reisenden aus dem Nahen Osten – und nutzt dafür den Provinzflughafen Al-Ain im Osten der Emirate. Die vierstündige Busfahrt von Dubai zum Flughafen sei «eine Odyssee» gewesen.
Seine nächsten Reiseziele verdeutlichen, wieso: «Nach Kreta zum Auftanken und weiter nach Hannover.» Dann mit dem Flugzeug nach Zürich und «mit dem Auto nach Bern.» Kauz ist mit dem EDA ganz und gar nicht zufrieden. «Das EDA ist eine grosse Katastrophe. Auf meine E-Mail kam eine KI-Antwort! Dann lieber gar keine Antwort als so ein Quatsch.»
Geschichten wie die von Kauz gibt es aktuell zuhauf. Gemäss Angaben des EDA halten sich aktuell ungefähr 5000 Schweizerinnen und Schweizer in der Region rund um den Iran auf. Eine weitere Rückholaktion soll es nicht geben.
EDA: «Eigenverantwortung der Reisenden»
Auf Anfrage von Blick gibt man sich beim Auswärtigen Amt verständnisvoll: «Das EDA ist sich bewusst, dass die Situation für die blockierten Reisenden belastend und sehr herausfordernd ist, und unterstützt die betroffenen Personen im Rahmen der bestehenden Möglichkeiten.»
Und: «Jedes Land unterstützt seine Staatsangehörigen im Rahmen der eigenen nationalen Gesetzgebung. Die gesetzliche Basis in der Schweiz ist das Auslandschweizergesetz, welches auf die Eigenverantwortung von Reisenden setzt.»
Zu gestrandeten Schweizerinnen und Schweizern rundum die Welt hat das EDA keine genauen Zahlen. Der Sprecher schreibt: «Betroffene Personen sollen sich bei den Fluggesellschaften und Reiseveranstaltern über Reisemöglichkeiten informieren.»
«Spurabbau auf der Autobahn»
Für viele Reisende von Europa nach Asien bildet der Nahe Osten ein zentrales Drehkreuz. Der Hamad International Airport in Doha in Katar und der Dubai International Airport in den vereinigten Arabischen Emiraten fertigen zusammen pro Jahr an die 150 Millionen Reisende ab.
Die Situation sei aktuell zu vergleichen mit einem «Spurabbau auf der Autobahn», sagte der CEO der Fluggesellschaft Swiss, Jens Fehlinger (44), am Freitag zu Blick. Für Flüge in den Nahen Osten und auch nach Asien blieben derzeit nur noch zwei schmale Luftkorridore.
Am Hamad Flughafen in Katar heben Stand Samstagmittag nur «limitierte Repatriierungsflüge» ab. Zwar hat der internationale Flughafen in Dubai den Betrieb am Wochenende teilweise wieder aufgenommen, allerdings kommt es immer wieder zu Angriffen. Wann sich der Verkehr wieder normalisiert, ist unklar. Die Zeichen deuten derzeit eher in die andere Richtung.