Ferienflüge fallen aus
Schweizer Airline kann umstrittenen Balkan-Airport nicht anfliegen

Der hiesige Ferienflieger Chair wollte ab Juni als erste Airline den Flughafen in Vlora anfliegen. Doch der Airport im Süden Albaniens hat immer noch keine Bewilligung. Jetzt fallen alle geplanten Sommerferienflüge aus. Rund ums Prestigeprojekt gibts Zoff.
Kommentieren
1/6
Chair wollte als erste Airline den neuen Flughafen von Vlora in Albanien anfliegen.
Foto: Sven Thomann

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Ferien auf dem Balkan boomen
  • Chair Airlines sagt Flüge nach Vlora ab
  • Flughafen sorgt für Umwelt- und Korruptionsstreit
Patrik_Berger_Redaktor Wirtschaft Desk_Ringier Blick_1-Bearbeitet.jpg
Patrik BergerRedaktor Wirtschaft

Ferien auf dem Balkan liegen schwer im Trend! Schweizerinnen und Schweizer zeigen Sommerferienklassikern wie Mallorca, Zypern oder Sardinien vermehrt die kalte Schulter. Sie klappen ihren Sonnenschirm stattdessen weiter östlich auf. In Albanien und Kroatien steigt die Zahl der Touristen 2026 um 50 Prozent gegenüber dem Vorjahr. In Montenegro und Bulgarien verdoppelt sich die Zahl der Reisenden sogar, wie aktuelle Zahlen des Reiseanbieters Dertour zeigen.

Vom Balkanboom profitiert auch die Schweizer Airline Chair. Sie baut die Zahl der Destinationen fleissig aus – und hat auf den Sommer hin auch die albanische Stadt Vlora in den Flugplan aufgenommen. Die Hafenstadt hat 66'000 Einwohner und ist wie gemacht für günstige Ferien am Meer. Dumm nur: Der neue Flughafen wird nicht rechtzeitig fertig, wie das Reiseportal Travelnews berichtet. Das hat unliebsame Folgen für Chair und ihre Passagiere: Alle geplanten Sommerferienflüge fallen aus.

Weltpremiere abgesagt

Als erste Airline überhaupt wollte Chair den neuen Flughafen von Vlora anfliegen – auf einem Dreiecksflug ab Zürich via Patras in Griechenland. Doch aus der Weltpremiere wird nichts. «Nach aktuellem Stand konnte der Flughafen die erforderlichen Zulassungen für diesen Sommer nicht rechtzeitig erhalten. Eine Eröffnung für den Sommer ist daher nicht mehr zu erwarten», sagt Steven Eichenberger, Marketing- und PR-Manager von Chair Airlines. Wann der Airport der albanischen Küstenstadt aufgeht, weiss auch er nicht.

190 Millionen Dollar soll der Flughafen kosten. Der Immo- und Baukonzern Mabetex aus Lugano TI gehört zu den Hauptinvestoren des Prestigeprojektes. Rund um den Neubau hat es immer wieder Probleme gegeben. Der Flughafen an der boomenden albanischen Riviera war von Anfang an umstritten. Er ist eines der wichtigsten Infrastrukturprojekte des Landes, steht auf einem stillgelegten Luftwaffenstützpunkt, 20 Kilometer nördlich von Vlora.

Streit und Korruptionsvorwürfe

Die Regierung von Premier Edi Rama (61) will damit den Tourismus ausbauen. Der Flughafen soll künftig Ferienorte wie Himara, Dhërmi oder Ksamil schneller erreichbar machen. Zusammen mit dem neuen Llogara-Tunnel, der die Fahrt an die Riviera verkürzt.

Allerdings liegt der Flughafen direkt neben einer geschützten Lagune, einem bedeutenden Vogelschutzgebiet mit Flamingos und Pelikanen, wo auch Zugvögel Rast machen. Umweltorganisationen sprechen von einer ökologischen Katastrophe und warnen vor erhöhter Vogelschlaggefahr für Flugzeuge. Mehrere NGOs hatten gegen das Projekt geklagt. Zuletzt gab es Streit unter den Investoren, Diskussionen über Genehmigungen und Korruptionsvorwürfe.

Was sagst du dazu?
Heiss diskutiert
    Meistgelesen