Balkan-Boom bei Schweizer Ferienreisenden
Darum sind Albanien, Serbien und Bosnien im Sommer immer beliebter

Als Reisedestination ist der Balkan beliebt wie nie. Immer mehr Schweizerinnen und Schweizer verbringen ihre Sommerferien in der Region. Albanien und Kroatien rechnen mit einem Anstieg von 50 Prozent. Am grössten ist der Zuwachs aber in zwei anderen Ländern.
Kommentieren
1/6
Balkanferien werden immer beliebter. Angezogen werden die Touristenscharen beispielsweise vom Ohridsee, ...
Foto: imago/blickwinkel

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Immer mehr Schweizer buchen Ferien auf dem Balkan, besonders 2026 beliebt
  • Fluggesellschaften wie Chair und Wizzair erweitern Angebote ab Zürich und Basel
  • Wizzair stellt 945'000 Sitzplätze bereit, 13 Prozent mehr als 2025
Sven_Schumann_Praktikant Wirtschaftsressort_Blick, Ringier_2-Bearbeitet.jpg
Sven SchumannRedaktor Wirtschaft

Europas unterschätzte Ferienregion hebt ab: Statt in Italien, Frankreich oder Spanien verbringen immer mehr Schweizerinnen und Schweizer ihre Sommerferien in Albanien, Montenegro oder Bulgarien. Reiseveranstalter sprechen von einem «Balkan-Boom». Zahlen von Dertour, grösster Reiseanbieter in der Schweiz, belegen den Trend: In Albanien und Kroatien steigt die Zahl der Reisenden um 50 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Besonders gross ist der Zuwachs aber in Montenegro und Bulgarien. Hier verdopple sich die Zahl der Reisenden im Vergleich zum letzten Jahr. Eine Dertour-Sprecherin: «Der Balkan zählt zu den dynamischsten Ferienregionen Europas.»

Laut dem Reiseanbieter gibt es mehrere Gründe für die steigende Beliebtheit: Die Region sei eine günstigere Alternative zu den oftmals überlaufenen klassischen Mittelmeerzielen. Die Rede ist von einem «sehr guten Preis-Leistungs-Verhältnis». Konkurrent Tui hat ein konkretes Preisbeispiel: Eine einwöchige Pauschalreise nach Tirana mit Flug ab Basel und Aufenthalt im Hotel Mercure gibt es ab 680 Franken pro Person. 

Die Balkan-Ziele überzeugen durch ihre grosse Vielfalt. «Adriaküste, Naturparks, Berge, historische Städte und authentische Küche lassen sich innerhalb einer Woche kombinieren», erklärt die Dertour-Sprecherin. Laut Tui werde die Tourismusinfrastruktur in den Balkan-Ländern immer besser und kontinuierlich ausgebaut.

Ein Hauch von Abenteuer

Den Balkan-Boom bestätigt Sabine Müller (52), Tourismusexpertin und Dozentin an der Hochschule Luzern. Neben den niedrigen Preisen führt sie die Entdeckungslust der Reisenden als Grund an. «Der Balkan ist für viele noch unbekannt und verspricht mehr Abenteuer als die altbekannten Reiseziele.» Gleichzeitig sei die Region nahe und komfortabel erreichbar. Das zeige sich nicht zuletzt an den Flugverbindungen, die sich laut Müller in den vergangenen Jahren vervielfacht haben.

Ein Beispiel dafür ist die aus Zürich fliegende Fluggesellschaft Chair. Zu den bestehenden Destinationen Pristina (Kosovo), Ohrid und Skopje (beide Nordmazedonien) fliegt die Airline ab diesem Sommer neu auch in die albanische Hauptstadt Tirana und ins bosnische Tuzla. Eine weitere für diesen Sommer geplante Verbindung in die albanische Küstenstadt Vlora kommt nicht zustande, weil der Flughafen nicht rechtzeitig fertiggebaut wird.

Der Boom hält an

Auch aus Basel gibt es zahlreiche Flüge in die Balkanregion. Die ungarische Airline Wizzair fliegt in neun verschiedene Städte in Albanien, Serbien, Bosnien und Herzegowina, Nordmazedonien, Bulgarien und Montenegro. Insgesamt bietet sie 2026 somit 945'000 Sitzplätze an – 13 Prozent mehr als im Vorjahr.

Neben den klassischen Ferienreisenden kommt auch ein bedeutender Teil der Nachfrage von Schweizern mit Wurzeln im Balkan. Diese nutzen ihre Ferien, um Freunde und Familie zu besuchen. Das zeigt sich auch im Strassenverkehr: Im Sommer sind auf den Strassen viele Personen mit Schweizer Kennzeichen unterwegs, die auf dem Landweg oder mit der Autofähre in ihre zweite Heimat gefahren sind.

Wie nachhaltig der Balkan-Trend ist, kann im Moment nicht gesagt werden. Momentan gibt es auf alle Fälle keine Anzeichen dafür, dass der Höhepunkt schon erreicht ist. Und zumindest ein Land wird auch nächstes Jahr einen Touristensturm erwarten: Bulgarien hat am Samstag zum ersten Mal den Eurovision Song Contest gewonnen. Es werden also im nächsten Mai Tausende ESC-Fans ins Land an der Schwarzmeerküste fliegen.

Was sagst du dazu?
Meistgelesen