Ende Oktober müssen alle draussen sein
Dauercamper in Goms VS verlieren die besten Plätze direkt am Fluss

Der Campingplatz Rhodania im Wallis darf nach monatelangem Hin und Her wieder Gäste empfangen. Doch die Wiedereröffnung hat einen bitteren Beigeschmack: Fünf Dauercamper verlieren ihr Ferienhäuschen – ihre Chalets müssen sie bis Ende Oktober geräumt haben.
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Jedes Jahr ziehen der Camping Rhodania und der angrenzende Waldabstellplatz in Reckingen ob Goms VS zahlreiche Camper an.
Foto: zVg

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Camping Rhodania in Reckingen ob Goms VS darf nach angeordneter Schliessung wieder öffnen
  • Fünf Dauercamper verlieren aber ihre Chalets wegen Nähe zur Rhone
  • Bis Ende Oktober müssen betroffene Parzellen geräumt sein
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Nathalie BennRedaktorin Wirtschaft

Eigentlich sollte William Jerjen (64) in Euphorie schwelgen. Nachdem die Baukommission des Kantons Wallis im März 2026 seinen geliebten Campingplatz Rhodania in einem Wäldchen in Reckingen ob Goms VS per sofort dichtgemacht hatte, schien die Sommersaison gelaufen. «Ich war völlig perplex und fassungslos», sagte Jerjen damals zu Blick. Und: «Das Verbot bedroht meine Existenz.»

Doch er durfte aufatmen: Kurz nach der Schocknachricht versah die Gemeinde einen kleinen Fluss beim Camping-Gelände, der direkt in die Rhone mündet, mit Abflussrinnen. Weil diese zuverlässig vor Hochwasser schützen, lag Jerjens Platz offiziell nicht mehr in einer kritischen Zone für Naturgefahren – der Grund für die rasch angeordnete Schliessung. Seit Mai tummeln sich deshalb wieder Feriengäste von nah und fern auf dem idyllischen Camping.

Platz kann wieder öffnen – aber nicht alle dürfen bleiben

Die Freude teilen nicht alle. Die Walliser Behörden nahmen auch die Dauercamper auf dem Platz ins Visier. Mit dem Ergebnis: 5 der insgesamt 16 Mietparteien müssen für immer weichen. Darüber berichtete der «Walliser Bote» zuerst. Dabei handelt es sich um fünf kleine Chalets direkt am Rhone-Ufer. Die Parzellen liegen gemäss Baukommission «im Gewässerraum der Rhone». Dort würden «mobile Bauten und Anlagen» zwar «toleriert», jedoch keine im Boden verankerten Gebäude. Mit der Erlaubnis zur Wiedereröffnung erhielt Jerjen also gleichzeitig die Aufforderung, die fünf Stellplätze zu räumen.

«Deshalb habe ich den Betroffenen gestern offiziell das Kündigungsschreiben zugestellt», sagt der Betreiber mit trauriger Stimme zu Blick. Zwischen den Dauercampern und ihm habe sich über die Jahre ein enges Verhältnis gebildet. In der gemeinsamen Whatsapp-Gruppe tauschen sie sich regelmässig aus, für einige sind die kleinen Häuschen am Fluss bereits seit Jahrzehnten ein sicherer Zufluchtsort.

Bis Ende Oktober müssen nun alle ihr Feriendomizil geräumt haben. Jemand sei bereits ausgezogen, sagt Jerjen. Und die Bagger sind kurz darauf angerollt. Für die nächste Saison will er die Stellplätze wieder herrichten, damit sich dort wenigstens mobile Camper an der Natur erfreuen können.

Immer mehr Dauercamper verlieren ihr Zuhause

Dauercamper sorgen in der Schweiz immer wieder für Gesprächsstoff. Weil sie manchen Betreibern ein Dorn im Auge sind, heisst es für sie zunehmend: Abschied nehmen. Einige Betreiber setzen lieber auf lukrativeres Luxuscamping – auch «Glamping» genannt – oder mehr Platz für Touristen. Saisonmieter geraten dadurch unter Druck.

Umso mehr Hoffnung macht deshalb die Geschichte des Campings am Schützenweiher in Winterthur ZH: Dort ist es den Dauercampern gelungen, das Winterthurer Stimmvolk gegen die städtischen Pläne eines 4-Sterne-Campings – mit Glamping-Plätzen und ohne Dauermieter – zu mobilisieren. Der geplante Neubau für 6,9 Millionen Franken wurde an der Urne abgelehnt. «Ich hatte Tränen der Dankbarkeit in den Augen», freute sich Betreiber Basil Tulinski (34) über das Abstimmungsergebnis.

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