«Könnte mir nicht mehr vorstellen, in einer Blockwohnung zu leben»
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Bewohner nach Abstimmung:«Könnte mir nicht mehr vorstellen, in einer Blockwohnung zu leben»

Winterthurer gewähren Gnadenfrist für Campingbetreiber
«Ich hatte Tränen der Dankbarkeit in den Augen»

Glücksgefühle in Winterthur. Das Stimmvolk sagt den Neubau des Campings am Schützenweiher ab. Betreiber Basil Tulinski und 40 Dauercamper jubeln. Doch der Pachtvertrag läuft im September aus. Der Kampf um ihre Idylle geht weiter.
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Seit über 18 Jahren betreibt die Familie von Basil Tulinski den Campingplatz am Schützenweiher in Winterthur.
Foto: Siggi Bucher

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Winterthurer lehnen Camping-Neubau am Schützenweiher ab
  • Bei Betreiberfamilie und Dauercamper löst der Abstimmungssieg Glückstränen und Hühnerhaut aus
  • Wie es mit dem Campingplatz ab September weitergeht, ist ungewiss
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Mischa StünziRedaktor Wirtschaft

Am Sonntag sind bei Basil Tulinski (34) die emotionalen Dämme gebrochen: «Ich hatte Tränen der Dankbarkeit in den Augen.» Soeben hat das Winterthurer Stimmvolk den Neubau des Campings am Schützenweiher abgelehnt – und damit Tulinskis Familienunternehmen vorerst gerettet. Tulinski und seine Familie betreiben den Campingplatz seit über 18 Jahren. Bei einem Ja hätte der TCS den Platz übernommen, der auf städtischem Grund steht.

«Die Abstimmung hat uns fast die Zukunft unter den Füssen weggezogen», erzählt Tulinski. «Meine Mutter hat hier vor über 18 Jahren übernommen; seitdem schreiben wir schwarze Zahlen und haben zufriedene Gäste. Ich verstehe nicht, weshalb die Stadt einen neuen Pächter möchte.» Tulinski geht es aber nicht nur ums Geld: «Wir stecken all unsere Zeit und viel Herzblut in diesen Campingplatz.»

«Seit 10 Jahren mein Zuhause»

Für die Familie geht es um ein Lebenswerk, für andere um ihre Heimat: «Der Campingplatz ist seit zehn Jahren mein Zuhause», sagt Walter Fallegger (69). Er ist einer von rund 40 Dauercampern, die das ganze Jahr über am Schützenweiher wohnen. Handwerker, Akademikerinnen, Rentner und Studentinnen leben hier Tür an Tür – einige seit 30 Jahren.

«Ich bin zwar zuversichtlich gewesen, dass wir die Abstimmung gewinnen. Aber als dann das Ergebnis reinkam, hatte ich trotzdem Hühnerhaut», sagt Fallegger. Alle seien sich in die Arme gefallen. «Wir haben zusammen grilliert und auf den Sieg angestossen.»

Pachtvertrag läuft im September aus

Spuren der kleinen Feier und des Abstimmungskampfs sind am Montag noch auszumachen: An der Hecke hängen Ballons, und in einer Ecke liegen Transparente und Sonnenschirme. Ansonsten ist wieder Normalität eingekehrt. Und Ernüchterung: Mit dem Sieg haben die Betreiberfamilie und die Dauermieter vorerst nur ein paar Monate Gnadenfrist gewonnen. «Unser Pachtvertrag läuft Ende September aus», sagt Tulinski. Was dann kommt, ist offen.

Der aktuelle Zustand steht juristisch auf wackligem Boden. Der zuständige Stadtrat Kaspar Bopp (46) sagte nach der Abstimmung, er sehe rechtlich keine Möglichkeit, das Dauercampen weiterhin zu ermöglichen. So oder so gehe er davon aus, dass der Entscheid das Ende des Campingplatzes bedeute. Jean-Pierre Wollenschläger (67) hält das für eine leere Drohung: «Will die Stadt wirklich pro Jahr auf 22’000 Logiernächte und 98’000 Franken Pacht verzichten?», fragt er, der selber mehrere Jahre auf dem Campingplatz gelebt hat und sich nun mit der IG Camping für den Erhalt des Platzes einsetzt. 

Betroffene würden gerne investieren

Ein Rückbau der Anlage, schätzt Wollenschläger, koste die Stadt um die 2 Millionen Franken. «Mit diesem Betrag könnten wir die Gebäude und die Sanitäranlagen renovieren und auf der Wiese zusätzliche Standplätze einrichten.» Am Geld sollte der Weiterbetrieb des Campings aber nicht scheitern. Je nach Lösung könnte sich die IG Camping laut Wollenschläger ein finanzielles Engagement vorstellen.

Auch die Betreiberfamilie kann sich vorstellen, eigenes Geld zu investieren. Am liebsten wäre es ihr, wenn sie das Gelände im Baurecht übernehmen und die Gebäude nach den Bedürfnissen der Gäste sanieren könnte, wie Tulinski sagt.

Sie wollen weiterkämpfen

Bei einem Ja am Sonntag wäre Schluss gewesen. Jetzt besteht immerhin die Chance, dass es weitergeht. «Ich würde gerne noch 31 Jahre weitermachen», sagt der 34-jährige Tulinski.

Seit anderthalb Jahren kämpfen die Betreiber und die Dauermieter um ihre Winterthurer Camping-Idylle – und denken nicht ans Aufgeben.

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