William Jerjen muss seinen Campingplatz schliessen – Kanton fürchtet Naturgefahren
«Ich bin völlig perplex und fassungslos»

Der Kanton Wallis hat die Schliessung von Campingplätzen wegen Naturgefahren verfügt. Die Betreiber sind hässig auf die Politik und fordern die Aufhebung des Entscheids.
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Seine Existenz steht auf dem Spiel: William Jerjen (64) hatte ein ungutes Gefühl, als er den eingeschriebenen Brief des Kantons sah.
Foto: Raphaël Dupain

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Kanton Wallis schliesst Campingplätze wegen Naturgefahren wie Lawinen und Hochwasser
  • Campingplatzbetreiber Jerjen sieht seine Existenz bedroht.
  • Kanton verweist auf Risikoanalysen, Betreiber reichen Beschwerde gegen Verbot ein
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Simone SteinerBundeshausredaktorin

Der Campingplatz Rhodania liegt, umgeben von einer beeindruckenden Bergkulisse, in einem Wäldchen in Reckingen VS. Um das idyllische Landstückchen plätschert der Rotten – so wird die Rhone im Oberwallis genannt. Noch ist das Grundstück schneebedeckt, doch schon bald beginnt die Sommersaison. Dann erfreuen sich hier üblicherweise Feriengäste von nah und fern an der Natur.

Doch damit soll Schluss nun sein. Betreiber William Jerjen (64) wurde vom Kanton verboten, das Grundstück zu benutzen – und zwar per sofort. Das Gelände sei «in äusserst besorgniserregender Weise Naturgefahren ausgesetzt», heisst es im Schreiben, das Blick vorliegt. Denn der Platz sei sowohl von Lawinen als auch von Hochwasser gefährdet. Die Behörden drohen Jerjen mit einer Geldstrafe von 10'000 Franken, sollte er das Grundstück weiter nutzen.

Campingbesitzer sind fassungslos

«Ich war völlig perplex und fassungslos, als ich den Brief sah», sagt Jerjen. Den Campingplatz gebe es seit über 60 Jahren. Bereits sein Grossvater habe die Parzelle an Gäste vermietet. Dass man das Land von einem auf den anderen Tag nicht mehr benutzen kann, sei unverständlich.

«Das Verbot bedroht meine Existenz», sagt der 64-Jährige. Er habe keine anderen Einnahmequellen. In einem halben Jahr werde er pensioniert. Allein mit dem Geld der AHV werde es eng für ihn. 

Wegen fehlender Bewilligung Hände gebunden

Neben Rhodania müssen in der Gemeinde Goms auch die Campingplätze Riverside und Briggar schliessen. Besonders bitter ist, dass die Gemeinde das Gelände schon lange vor Naturgefahren schützen will. Doch da die Bewilligung des Kantons bis heute fehlt, passierte nichts.

Gemeindepräsident Gerhard Kiechler stellt sich voll und ganz hinter die Platzbetreiber. Er sagt: «Der Kanton hat mit der sofortigen Schliessung überreagiert.» Eine Staumauer, die die Campingplätze Rhodania und Riverside vor Hochwasser schützt, könnte mit der entsprechenden Bewilligung innerhalb von zwei Wochen problemlos errichtet werden.

Auch bei Samuel Hofmann von Goms Tourismus stösst die Entscheidung auf Unverständnis. «Die Schliessung der Campingplätze hat grosse wirtschaftliche Auswirkungen für die ganze Region», sagt er. Das Ausbleiben der Logiergäste bedeute einen erheblichen Verlust für die Restaurants und Geschäfte in der Umgebung. Zudem würden auch die Einnahmen aus der Kurtaxe wegfallen.

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Valley: «Brutale Umsetzung»

Insgesamt mussten im Wallis im März sechs Campingplätze wegen Naturgefahren schliessen. Das Drama hat darum den Regionalverband der Walliser Campingplätze auf den Plan gerufen. Die Vertreter zeigten sich an der am Montag in Saillon VS einberufenen Pressekonferenz äusserst besorgt.

Christophe Valley, Präsident von Campings Valais Wallis, sagte vor den Medien: «Das derzeitige Vorgehen ist brutal in der Umsetzung.» Die Betriebe kurz vor Ostern und Saisonstart über die Schliessung zu informieren, sei unfair und zeige mangelnde Koordination zwischen kantonalen Diensten, Gemeinden und Betreibern.

Der Verband fordert, dass die betroffenen Campingplätze mit entsprechenden Sicherheits- und Evakuierungsplänen weiterhin offen haben dürfen. Parallel dazu sollen die vom Kanton geforderten Massnahmen umgesetzt werden.

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Kanton hält an Verbot fest

Die kantonale Baukommission lässt trotz des Widerstands nicht locker. Auf Anfrage schreibt die Behörde, dass neue Risikoanalysen Elemente hervorgebracht hätten, die früher entweder nicht bekannt oder nicht in gleicher Weise bewertet worden seien.

Man habe die Gemeinden und die Campingplatzbetreiber bereits im Jahr 2020, 2024 und 2025 an deren Verantwortlichkeit erinnert. Angesichts des Untätigbleibens ihrerseits könne sich der Kanton nicht mehr darauf beschränken, lediglich ein Schreiben zu versenden, das an die Verantwortung der betroffenen Akteure appelliert.

Jerjen negiert, dass er in der Vergangenheit bereits verwarnt wurde. Für den 64-Jährigen kam die Ankündigung aus heiterem Himmel. Er hat deshalb zusammen mit einem Anwalt Beschwerde beim Kanton eingereicht. Bis er eine Antwort erhält, dürfte es aber noch einige Zeit dauern.

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