«Ein schwerer Schicksalsschlag»
Wirt einer 165-jährigen Traditionsbeiz muss schliessen

Nach über zehn Jahren muss Wirt Jérôme Kölliker im Traditionsrestaurant Frohsinn in Frauenfeld die Türen schliessen. Er spricht von einem schweren Schicksalsschlag. «Ich habe immer von so einem Betrieb geträumt.»
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Das Restaurant Frohsinn in Frauenfeld blickt auf eine beinahe 165-jährige Geschichte zurück.
Foto: Facebook

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Das Traditionsrestaurant Frohsinn in Frauenfeld schliesst am 26. September
  • Schliessung nach Konflikt mit Vermieter, Kündigung erfolgte fristgerecht im April
  • Sieben Mitarbeitende betroffen, zwei kündigten selbst, fünf verlieren ihre Jobs
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Martin SchmidtRedaktor Wirtschaft

«Mit schwerem Herzen muss ich euch mitteilen, dass das Restaurant Frohsinn nach über zehn Jahren am 26. September seine Türen schliessen wird», informiert Jérôme Kölliker (41) auf Facebook. Mit dem fast 165-jährigen Traditionsrestaurant Frohsinn im Kurzdorf verliert Frauenfeld eine der letzten Quartierbeizen, wie die «Thurgauer Zeitung» berichtet. 

«Ich habe immer davon geträumt, einen Betrieb mit gutbürgerlicher Küche zu übernehmen, in dem die Gäste mehr kriegen, als sie erwarten würden. Die Schliessung ist ein schwerer Schicksalsschlag», sagt Kölliker zu Blick. Google-Bewertungen und Rückmeldungen in den sozialen Medien zeigen: Köllikers Traum ist im Frohsinn Wirklichkeit geworden. Die Küche erhält jede Menge Lob und das Personal erhält zahlreiche Komplimente für den herzlichen Service.

Der Frohsinn hat sich als Treffpunkt für einen Querschnitt aus der Bevölkerung etabliert. Auch der berühmteste Bewohner der Stadt, der bekannte Musiker Pepe Lienhard (80), geht hier ein und aus, erzählt Kölliker. 

«Habe zehn Jahre lang alles gegeben»

Der Schliessung geht ein Konflikt mit dem Vermieter voraus. Kölliker musste im Frühjahr nach einer Kontrolle für zwei Wochen schliessen. «In der Elektroinstallation im Gebäude hätten Teile ersetzt werden müssen», erzählt er. Kölliker teilt dem Vermieter daraufhin mit, für den Monat nur die Hälfte der Miete zu bezahlen. Kurz darauf habe er überraschend, aber fristgerecht die Kündigung erhalten. Das war im April. Nachtreten wolle er aber auf keinen Fall. «Ich will keinen Streit.»

Mit dem Vermieter habe es einige Male Schwierigkeiten gegeben, als es um Investitionen in den Betrieb ging. Auf eine Anfrage habe der Vermieter nicht reagiert, wie die «Thurgauer Zeitung» schreibt.

Kölliker hat die Kündigung in den ersten Monaten für sich behalten – schliesslich müsse der Betrieb bis Ende September noch in geordneten Bahnen weiterlaufen. So richtig verarbeitet hat er die Schliessung noch nicht. «Ich habe im Frohsinn zehn Jahre lang alles gegeben», sagt er geknickt.

Von den sieben Angestellten haben zwei von sich aus gekündigt, weil sie auf Weltreise gehen. «Die Übrigen verlieren leider ihren Job», bedauert Kölliker. 

«Muss erst wieder auf den Boden kommen»

Seit er seinen Gästen, Freunden und Lieferanten die Schliessung vor ein paar Tagen mitgeteilt hat, wird er mit Rückmeldungen überhäuft. «Die letzten Tage waren sehr emotional. Extrem viele Menschen haben ihr Bedauern ausgedrückt», sagt er. 

Wie es bei ihm ab Ende September weitergeht? «Ich habe noch keine Ahnung und werde mir eine Auszeit nehmen und überlegen, was ich nachher mache. Dafür fehlt mir im Moment die Energie. Ich muss erst wieder auf den Boden kommen.»

Bis dahin muss er auch noch eine Lösung finden, was er mit seinem Chalet in der Gartenwirtschaft macht, das er zum Teil selbst gebaut hat. Am 26. September wird er von seinen Gästen mit einer Austrinkete Abschied nehmen und die Tür ein letztes Mal schliessen. 

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