«Schweiz wäre ohne USA nichts»
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Trumps wetterte am WEF:«Schweiz wäre ohne USA nichts»

Ein Jahr Zollchaos mit den USA – und kein Ende
So geht es den Gesichtern des Zollschocks heute

Von 39 auf 12,5 Prozent: Innerhalb eines Jahres hat US-Präsident Donald Trump mehrfach an den Zöllen geschraubt. Diese Achterbahnfahrt an der US-Front traf Schweizer Firmen. Blick hat bei mehreren KMU nachgefragt, die die Redaktion bereits vor einem Jahr getroffen hat.
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Am 1. August 2025 schockte US-Präsident Donald Trump Schweizer Firmen.
Foto: Keystone

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Die US-Strafzölle auf Schweizer Produkte betragen seit dem 24. Juli 12,5 Prozent
  • Ricola, Victorinox und Co. fordern mehrere Millionen von den USA zurück
  • Ökonom Richard Baldwin geht davon aus, dass die Zölle bleiben werden
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Milena KälinRedaktorin Wirtschaft

Ausgerechnet am Schweizer Nationalfeiertag letzten Jahres liess US-Präsident Donald Trump (80) den Zollhammer auf die Schweiz niedersausen. Firmen hierzulande sahen sich plötzlich mit Zöllen von 39 Prozent konfrontiert – ein Schock am 1. August 2025!

Seither ist viel passiert: Die Zölle wurden vom US-Gericht für illegal erklärt, doch der US-Präsident liess nicht locker. «Trump will Zölle von rund 10 Prozent. Dafür lässt er sich immer wieder neue Gründe einfallen», sagt Richard Baldwin (67), Professor für internationale Wirtschaft am IMD in Lausanne. Schweizer Firmen müssten sich mit dieser «neuen Realität» abfinden. «Zölle sind immer politisch, doch bei Trump gibt es keinerlei ökonomische Gründe dafür», so der Experte weiter. Mit den Zöllen veranstalte Trump letztendlich nichts anderes als «ein grosses politisches Theater».

Seit dem 24. Juli gilt nun ein Zoll von 12,5 Prozent. Erneut zahlen Schweizer Firmen 2,5 Prozent mehr als ihre Nachbarn aus der EU. Blick hat bei mehreren KMU nachgefragt, die die Redaktion bereits vor einem Jahr besucht hatte. Wie geht es ihnen nach 12 Monaten Zollchaos mit den USA?

Ricola-Chef Thomas Meier

  • Firma: Ricola Schweiz AG aus Laufen BL
  • Hauptprodukte: Kräuterbonbons
  • Anzahl Angestellte: über 450
  • Anteil US-Export vor den Zöllen: 40 %
Thomas P. Meier ist seit 2019 Chef von Ricola.
Foto: STEFAN BOHRER

Nirgendwo verkauft Ricola so viele Kräuterbonbons wie in den USA. CEO Thomas P. Meier (54) spricht gegenüber Blick von einem Millionenschaden. Deshalb fordert der Kräuterbonbon-Hersteller auch mehrere Millionen von den US-Zollbehörden zurück. «Wir rechnen demnächst mit ersten Rückzahlungen», sagte Meier Ende Mai im Interview mit Blick. Trotz Preiserhöhungen von rund 10 Prozent sei das Geschäft «erstaunlich wenig» eingebrochen. Mehr als ein Drittel der Wertschöpfung passiert in den USA. «Wir schicken die bei uns in der Schweiz produzierten Halbfabrikate über den Atlantik und verpacken sie dort in kleinere Einheiten für den Handel», so Meier. Ob die Rückzahlungen nun eingetroffen sind, wollte Ricola auf Anfrage nicht sagen.  

Maestrani-Chef Christoph Birchler

  • Firma: Maestrani AG aus Flawil SG
  • Hauptprodukte: Lebensmittel, Schokolade
  • Anzahl Angestellte: 160
  • Anteil US-Export vor den Zöllen: weniger als 10 %
Christoph Birchler ist CEO von Maestrani.
Foto: Maestrani

«Das Jahr war intensiv. Die grösste Herausforderung war die Unsicherheit, die unsere Planung extrem anspruchsvoll machte», sagt Christoph Birchler (50), Chef von Maestrani. Die 39-Prozent-Zölle hätten die Wettbewerbsfähigkeit des Herstellers von Minor und Munz in den USA praktisch aufgehoben. Gut gefüllte Lager halfen, die Lage zu überbrücken. Trotzdem belasteten die zusätzlichen Zölle das Geschäft. Auch Maestrani hat Rückforderungsanträge gestellt und hat das Geld bereits zum Teil zurückerhalten. Jetzt bereitet Birchler vor allem der Wettbewerbsnachteil gegenüber der EU Sorgen: «Wir appellieren an die Politik, sich weiterhin mit aller Kraft für die Schweiz zu engagieren.»

Weleda-Chefin Tina Müller

  • Firma: Weleda aus Arlesheim BL
  • Hauptprodukte: Naturkosmetik und Gesundheitsprodukte
  • Anzahl Angestellte: weltweit 2200
  • Anteil US-Export vor den Zöllen: k. A.
Tina Müller ist seit Oktober 2023 Chefin von Weleda.
Foto: Getty Images for Weleda

«Die Zölle schmälern die Profitabilität, schaffen Unsicherheit und erschweren die Planung», sagt Weleda-Chefin Tina Müller (56) zu Blick. Dabei hat es den Naturkosmetik-Hersteller nicht ganz so hart getroffen, da die Mehrheit der Exporte aus Deutschland stammt. Damals sowie heute profitiert das Land von einem tieferen Zollsatz als die Schweiz. «Trotzdem haben wir in den USA 2025 zum ersten Mal seit sieben Jahren die Preise erhöht», so Müller. Die Skinfood-Produkte hätten in den USA aber mittlerweile «Kultstatus» und werden trotzdem munter gekauft. Wo sinnvoll, lässt Weleda die Produkte von einem Lohnhersteller in den USA fertigen. 

Victorinox-Chef Carl Elsener

  • Firma: Victorinox aus Ibach SZ
  • Hauptprodukte: Taschen- und Küchenmesser, Uhren und Reisegepäck
  • Anzahl Angestellte: weltweit 2250, in der Schweiz 1250
  • Anteil US-Export vor den Zöllen: mehr als 20 %
Carl Elsener übernahm die Leitung bei Victorinox 2007.
Foto: Philippe Rossier

Für Victorinox-Chef Carl Elsener (67) bleiben die Herausforderungen gross. Wegen der hohen Zölle sank der Exportanteil letztes Jahr von zuvor 20 auf 13 Prozent. Eine Verlagerung der Produktion kam für Elsener aber nicht infrage – schliesslich sind seine Sackmesser bekannt für ihre Schweizer Qualität. Der Hersteller aus Ibach fordert von den USA insgesamt 4,5 Millionen Dollar zurück. «Mehr als 4 Millionen Dollar wurden uns bereits ausbezahlt», so Elsener auf Anfrage. Wegen der Zölle auf Stahl und Aluminium zahlt Victorinox nach wie vor rund 30 Prozent obendrauf für Exporte in die USA. 

Thermoplan-Chef Adrian Steiner

  • Firma: Thermoplan aus Weggis LU
  • Hauptprodukte: Kaffeevollautomaten
  • Anzahl Angestellte: mehr als 500
  • Anteil US-Export vor den Zöllen: mehr als 30 %
Adrian Steiner ist Geschäftsführer von Thermoplan aus Weggis LU.
Foto: Thermoplan

Für Geschäftsführer Adrian Steiner (49) waren die Zölle ein Schock. «Mit einem Schlag waren wir schlichtweg nicht mehr konkurrenzfähig», so der Thermoplan-Chef. Die Firma erleidet wegen der hohen Zölle einen finanziellen Schaden. «Wir haben unseren Kunden jedoch Hand geboten und die Hälfte der zusätzlichen Kosten übernommen», so Steiner. Die Kunden hätten die Zölle nun zurückgefordert. «Einen grossen Teil davon konnten sie uns schon zurückerstatten», so der CEO weiter. Das US-Geschäft laufe aber nach wie vor eher zögerlich, obwohl die Zölle gesunken sind. Wenn Steiner in diesem Jahr etwas gelernt hat, dann dass «die Grossmächte unberechenbar agieren». 

Kuhn-Rikon-Chef Tobias Gerfin

  • Firma: Kuhn Rikon aus Rikon ZH
  • Hauptprodukte: Pfannen, Kochgeschirr, Messer und Küchenhelfer
  • Anzahl Angestellte: 270
  • Anteil US-Export: 20 %
Tobias Gerfin ist seit 2013 der Chef des Pfannenherstellers Kuhn Rikon.
Foto: Thomas Meier

Als Tobias Gerfin (60), Chef des Pfannenherstellers Kuhn Rikon, von den 39-Prozent-Zöllen hörte, traute er seinen Ohren nicht. «Als Physiker musste ich über die Herleitung schmunzeln, aber leider meinte Trump es ernst», so Gerfin. Sein Verkaufsteam in Nashville (USA) hatte deutlich mehr zu tun, gleichzeitig griffen die Konsumenten lieber zu günstigeren Alternativen. «So haben wir im Jahr 2025 markant an Umsatz und Marge verloren», so der CEO weiter. Da änderte auch eine Preiserhöhung von 20 Prozent im US-Markt nichts dran. Auch jetzt zahlt die Firma noch 15 bis 30 Prozent Zölle, unter anderem wegen der zusätzlichen Zölle auf Kochgeschirr. Die zurückgeforderten Zollkosten von mehreren 100'000 Franken hat die Firma aus Rikon bereits zum Grossteil erhalten. 

MPS-Chef Gilles Robert

  • Firma: MPS Micro Precision Systems AG aus Biel BE
  • Hauptprodukte: hochpräzise Komponenten für Halbleiterindustrie und Medizintechnik
  • Anzahl Angestellte: 560
  • Anteil US-Export vor den Zöllen: 20–25 %
Gilles Robert ist CEO der MPS AG.
Foto: SPPJ STUDIO / Sébastien Deloy

Die Ungewissheit in der Industriebranche verunsichert auch MPS-Chef Gilles Robert (51). «Glücklicherweise ist die Situation heute deutlich besser, auch wenn nicht optimal», so Robert. MPS hat selber keine Zölle gezahlt, sondern hat diese voll und ganz an die Kundschaft weitergegeben. Einen grossen Schaden hat die Firma deshalb nicht erlitten. Die einzige Konstante sei der ständige Wandel, so Robert.

Fraisa-Chef Thomas Nägelin

  • Firma: Fraisa-Gruppe aus Bellach SO
  • Hauptprodukte: Präzisionswerkzeuge
  • Anzahl Angestellte: 523
  • Anteil US-Export vor den Zöllen: 8,5 % des Auslandsumsatzes
Thomas Nägelin ist Chef der Fraisa-Gruppe.
Foto: Fraisa-Gruppe

Thomas Nägelin (64), CEO der Industriegruppe Fraisa, hat die Mehrkosten zu 100 Prozent an die Kunden in den USA überwälzt. Dennoch verlor die Fraisa-Gruppe weniger Kunden als gedacht. «Finanziellen Schaden haben wir in begrenztem Umfang durch den schwächeren US-Dollar erlitten», erklärt der CEO. Auch Nägelin stellt Rückforderungen an die US-Zollbehörde – bisher hat er aber noch kein Geld zurückerhalten. Dabei exportiert die Fraisa-Gruppe 30 Prozent der Waren direkt aus der Schweiz in die USA. 

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