Darum gehts
- Ricola lanciert neue Drink Cubes in der ganzen Schweiz
- US-Zölle verursachten Millionenverluste, es wurden Millionen-Rückforderungen gestellt
- Ricola-Stores sind ein Testballon
Ein schwebender Alpenbrunnen, eine bekannte Influencerin, 80'000 Gratismüsterli für Zug-Pendler: So rührte Ricola-CEO Thomas P. Meier diese Woche persönlich im Zürcher Hauptbahnhof die Werbetrommel für die neuen Drink Cubes, die nun breit in Schweizer Supermärkten lanciert werden. Eine gute Ablenkung für den 54-Jährigen, denn die Schweizer Traditionsfirma und ihre Kräuterbonbonfabrik in Laufen BL haben immer noch mit dem US-Zoll-Schock und den Turbulenzen im wichtigsten Markt zu kämpfen.
BLICK: Herr Meier, Ricola steht für Kräuterbonbons und -tees. Jetzt setzen Sie auf Käuter-Brausewürfel. Ist das nicht eine Schnapsidee?
Thomas P. Meier: Überhaupt nicht. Wir haben lange analysiert, wie wir am besten in den stark umkämpften Getränkemarkt einsteigen können. Mit der österreichischen Jungfirma Waterdrop haben wir den idealen Partner dafür gefunden, um unsere Drink Cubes in unserem Heimatmarkt gross rauszubringen.
Diese Cubes gibts im Blister, die Verpackung sieht aus wie bei einem Medikament.
Das hat jetzt noch niemand gesagt, aber es stimmt, die Verpackung kommt bewusst anders daher. Was die Einzelverpackung der zuckerfreien Getränkewürfel mit Alpenkräutern und Vitaminen anbelangt, so müssen diese luftdicht verschlossen sein, damit sie den Geschmack behalten. Und noch einen Vorteil gibt es: Es braucht so keine logistisch aufwendigen PET-Flaschen.
Wie gross ist das Risiko, dass Ihr neuer Wurf floppt?
In der Konsumgüterindustrie spricht man von zwei Dritteln aller Neuheiten, die nach einem Jahr bereits gefloppt haben. Wir sind uns der Risiken bewusst, aber wir wissen auch: Alle lieben Ricola. Der grosse Launch in der Schweiz ist für mich ein Testlauf in einem globalen Milliardenmarkt. Im zweiten Halbjahr 2027 ziehen wir eine erste Bilanz und entscheiden, wie und in welchen Ländern wir damit weiterfahren.
Fast zehn Franken pro Packung! Mit solchen Apothekenpreisen schaffen Sie kaum eine Verjüngung der Käuferschaft, auf die Sie abzielen.
Der Preis relativiert sich, wenn man auf den Inhalt einer Verpackung schaut. Ein Würfel für 400 bis 600 ml Wasser kostet weniger als 80 Rappen. Für ein PET-Vitaminwasser zahlen Sie deutlich mehr im Laden. Aber ja, für ein sogenanntes Mitnahmeprodukt ist der Preis im Konkurrenzvergleich am oberen Ende angesetzt. Gut möglich, dass wir auch mal kleinere Packungen anbieten.
Im Gegensatz zur Schweiz gilt Ricola in Asien als junge Marke für ein junges Publikum. Der K-Pop-Star Cha Eun-woo löste einen Hype aus ...
Da ist uns wahrlich ein Coup gelungen. Leider ist der südkoreanische Starsänger jetzt für zwei Jahre im Militär und kann nichts mehr für uns tun. Wir haben aber schon wieder einen neuen südkoreanischen Star engagiert. Die Künstlerin Iu hat 34 Millionen Instagram-Follower und hat, salopp gesagt, sehr viel Zug drauf. In der Schweiz arbeiten wir unter anderem mit der bekannten Influencerin Emma W. alias Wemmse zusammen, zum Beispiel diese Woche im HB Zürich.
Auch junge Asiaten zahlen jeden Preis?
Wir verkaufen Ricola in Asien deutlich teurer als dortige Konkurrenzprodukte. Wir spielen dort voll auf die Themen Schweiz, Alpen, Natur ... diese Themen ziehen dort ungemein. Und wir profitieren auch dort von der internationalen Bekanntheit und Glaubwürdigkeit unserer Marke.
Kein anderes Land steuert mehr zum Ricola-Umsatz bei als die USA. Sie haben letztes Jahr dort die Preise um rund zehn Prozent erhöht, obwohl viele Amerikaner sparen müssen. Wie stark ist Ihr Geschäft eingebrochen?
Unser US-Geschäft ist erstaunlich wenig eingebrochen, seitdem wir die Preise erhöht haben. Amerika ist generell sehr teuer geworden, wie ich auf Geschäftsreisen feststelle. Darum habe ich schon ein Auge darauf, dass wir uns preislich nicht aus dem Markt katapultieren.
Trumps Zollhammer hat Sie Notfallpläne wälzen lassen?
Natürlich mussten wir einen Plan haben, was wir im Notfall machen würden. Wir haben aber klar die Absicht, in der Schweiz zu bleiben. Mehr als ein Drittel der Wertschöpfung passiert aber bereits in den USA. Wir schicken die bei uns in der Schweiz produzierten Halbfabrikate über den Atlantik und verpacken sie dort in kleinere Einheiten für den Handel.
Thomas P. Meier (54) ist seit 2019 CEO von Ricola. Er bringt langjährige Erfahrung in Marketing, Vertrieb und General Management in der Konsumgüterindustrie mit. Vor seinem Wechsel zu Ricola war er CEO von Franke Coffee Systems, einer global tätigen Division der Franke Gruppe, und Mitglied der Konzernleitung. Davor sammelte er während rund zwei Jahrzehnten breite Erfahrung im In- und Ausland in der Markenartikelindustrie, unter anderem bei Lindt&Sprüngli und Unilever, wo er verschiedene Schlüsselpositionen innehatte. Thomas P. Meier hat an der Universität St. Gallen Betriebswirtschaft mit Schwerpunkt Marketing studiert. Er stammt aus Bülach ZH, ist verheiratet und Vater von drei Töchtern.
Thomas P. Meier (54) ist seit 2019 CEO von Ricola. Er bringt langjährige Erfahrung in Marketing, Vertrieb und General Management in der Konsumgüterindustrie mit. Vor seinem Wechsel zu Ricola war er CEO von Franke Coffee Systems, einer global tätigen Division der Franke Gruppe, und Mitglied der Konzernleitung. Davor sammelte er während rund zwei Jahrzehnten breite Erfahrung im In- und Ausland in der Markenartikelindustrie, unter anderem bei Lindt&Sprüngli und Unilever, wo er verschiedene Schlüsselpositionen innehatte. Thomas P. Meier hat an der Universität St. Gallen Betriebswirtschaft mit Schwerpunkt Marketing studiert. Er stammt aus Bülach ZH, ist verheiratet und Vater von drei Töchtern.
Glücklicherweise sind die Strafzölle für illegal erklärt worden. Wie hoch sind Ihre Rückforderungen in den USA?
Die Zölle waren ein Schock, die haben uns richtig Geld gekostet, ein Millionenschaden! Wir reichen keine Klage ein wie andere, haben nun aber Rückforderungen an die US-Zollbehörden gestellt. Dabei handelt es sich um einen Riesenstapel an Papierkram. Wir rechnen demnächst mit ersten Rückzahlungen. Diese bewegen sich im Bereich von mehreren Millionen Franken. Mit derzeit rund zehn Prozent US-Zöllen können wir leben, aber bei Präsident Trump weiss man ja nie, was noch kommt.
Der zweitwichtigste Markt ist Deutschland ...
... hier spüren wir viel mehr als in den USA, dass die Leute aufs Portemonnaie schauen müssen und die Preise sehr genau vergleichen. Zudem sind die deutschen Händler bei Preisverhandlungen aggressiv unterwegs, was es uns als Premiumprodukt-Hersteller schwieriger macht als in anderen Jahren.
Dann treten Sie bei der Expansion mit Ricola-Läden auf die Bremse?
Die Shops sind noch nicht Teil unserer Expansionsstrategie. Wir haben zwei Läden, einen in Laufen und einen in Paris an bester Lage. Für uns ist das ein Testballon. Ich bekomme auch immer wieder Fotos zugeschickt von Schweizerinnen und Schweizern, zuletzt aus Costa Rica, die stolz sind, dass sie dort Ricola-Produkte entdeckt haben. Wir prüfen die Expansion mit eigenen Bonbon-Läden in der Schweiz und in anderen Ländern. Ein Entscheid wurde noch nicht gefällt.
Hauptstandort für Ricola ist Laufen im Baselbiet. Sie hatten grosse Pläne in Lenzburg AG mit dem von Hero übernommenen Produktionswerk. Wie geht es hier weiter?
Gebäude, Gelände und Standort sind sensationell. Für die USA können wir dort hocheffizient herstellen, weil unser Port für den Containerverlad in Aarau ist. Wir haben mittlerweile die Baubewilligung, die Pläne sind fertig, alle sind Gewehr bei Fuss. Aufgrund der Turbulenzen im letzten Jahr haben wir das Projekt abgebremst. Wahrscheinlich in diesem Jahr, vielleicht erst nächstes Jahr nehmen wir dann den Fuss von der Bremse.