Darum gehts
- Cortina d'Ampezzo verhängt Bussen von bis zu 500 Euro gegen respektlose Touristen
- Schlafen auf Bänken, Essen vor Kirchen und Biwakieren strikt verboten
- Grödner Joch: Ab 1. September 2026 Testlauf für Fahrverbot
Die Dolomiten locken jährlich Millionen von Besuchern mit majestätischen Gipfeln und malerischen Dörfern. Doch der Hype hat seine Schattenseiten: Immer mehr «Instagram-Wanderer» und Tagestouristen überrollen die norditalienische Bergwelt, hinterlassen Müll und verwechseln historische Ortskerne mit Campingplätzen. Der Frust der Einheimischen über den anhaltenden Übertourismus sitzt tief.
Jetzt zieht ein Ort die Notbremse: Cortina d'Ampezzo will bis zu 500 Euro Busse verlangen, wenn sich Touristen auf den Stufen von Denkmälern, auf Parkplätzen, auf der Strasse oder auf Hauseingängen hinlegen. Auch Schlafsäcke auf Bänken sind untersagt. Essen und trinken darf man auf öffentlichen Strassen und unter Arkaden nicht mehr, sich auf der Strasse waschen auch nicht. Besucher werden zudem gebeten, auf angemessene Kleidung zu achten. Wer also versucht, oben ohne durch die Gassen von Cortina zu laufen, könnte heftig zahlen.
Kein Biwakieren vor dem Friedhof
Für die Einwohner des Dorfes seien die Touristen eine Plage, wie der Bürgermeister des Ortes in einem Interview mit der italienischen Zeitung «Il Gazzettino» sagt. Die Verordnung, die er am Donnerstag unterschrieb, sei nötig, um «das Campen in der Innenstadt, das Biwakieren vor dem Friedhof oder das Essen auf den Stufen der Kirche zu verhindern».
Die Behörden in Cortina haben schon längst ihre Geduld mit den Instagram-Wanderern verloren, die sich im Ortskern auffällig verhalten und die Bewohner in Verlegenheit bringen. Schon im Juli kündigte die Gemeinde an, dass Beamte der Provinzpolizei an besonders stark besuchten Orten die Gemeindepolizei unterstützen sollten.
Südtirol kämpft an vielen Fronten
Auch im nahe gelegenen Südtirol herrscht im Sommer Hochbetrieb. Viele Schweizer zieht es ebenfalls in die beliebten Berge der italienischen Region. Die Region verdient gutes Geld mit den Touristen. In den letzten Jahren sei aber die Anzahl von vermeintlichen Bergsteigern mit fehlender Ausrüstung, die ihren Müll hinterlassen und sich gegenüber den Bewohnern respektlos verhalten, stark gestiegen, wie Carlo Zanella, Präsident des Südtiroler Alpenvereins, letzten Sommer bemängelte.
Auch mit der Sperre einer viel befahrenen Alpenstrasse will die Region den Übertourismus bekämpfen: Ab 1. September 2026 gilt ein Fahrverbot für das Grödner Joch. Für zwei Monate soll die berühmte Passstrasse zwischen dem Grödnertal (Val Gardena) und dem Gadertal (Val Badia) gesperrt bleiben. Der Grund: Es fahren an Sommertagen bis zu 11'000 Fahrzeuge über den Pass. Bei der Sperre handelt es sich um einen Testlauf: Wenn dieser gut verläuft, soll der Pass ab 2027 von Mai bis Oktober dauerhaft für den Verkehr gesperrt werden.