Darum gehts
- Wojciech Kaczmarczyk testet seit 2019 Berufe, zeigt Vor- und Nachteile
- Pilot erschien glamourös, doch eintönige Routine enttäuschte ihn stark
- 220 Millionen Aufrufe, Zuschauer fanden dank ihm Traumjobs oder Alternativen
Pilot, Bergmann, Kassierer, Müllsortierer, sogar Reiniger von mobilen Toiletten – Wojciech Kaczmarczyk (34) hat Hunderte von Jobs ausprobiert. Er findet, dass viele Polen keine wirkliche Vorstellung davon haben, wie diese Berufe hinter den Kulissen aussehen. Und die Bezahlung? Die kann überraschend sein – nicht immer im positiven Sinne.
Der bekannte polnische Youtuber erzählte der Tageszeitung «Fakt», welche Jobs den stärksten Eindruck bei ihm hinterlassen haben. «Ich teste nun schon seit sieben Jahren Berufe», so Kaczmarczyk. Sein Projekt sei aus Frustration entstanden. «Ich besuchte eine technische Elektronikschule, studierte Automatisierung und Robotik und wusste trotzdem nicht, was ich mit meinem Leben anfangen wollte. Ich habe verschiedene Berufstests gemacht, aber die haben nicht geholfen. Ich wusste, dass es andere gab, denen es genauso ging wie mir», erinnert er sich.
Traumjob Pilot? Nicht für ihn
Also beschloss er, aktiv zu werden. «Wir haben einen Kanal auf Youtube gestartet, auf dem ich verschiedene Berufe ausprobiere. Ich zeige, wie man sie bekommt, die Vor- und Nachteile und die Gehälter. Es ist eher lehrreich als unterhaltsam», betont er. Das Ergebnis? Hunderte von Folgen, 220 Millionen Aufrufe und Hunderttausende von Zuschauern, die, wie Kaczmarczyk sagt, oft mit einer Botschaft zurückkommen: «Sie schreiben, dass sie dank mir ihren Traumjob gefunden haben. Oder erkannt haben, dass sie einen bestimmten Job definitiv nicht wollen», fügt er mit einem Lächeln hinzu.
Manche Berufe sehen nur von aussen toll aus, sagt Kaczmarczyk. «Der Beruf des Piloten hat mich überrascht. Er wirkt super spannend, aber nach dem zweiten oder dritten Flug wird es eintönig. Man starrt einfach nur durch die Windschutzscheibe auf die Wolken», erklärt er. Die aufregendsten Momente dauern nur kurz. «Starts und Landungen sind toll, aber die gibt es nur zweimal am Tag. Der Rest besteht nur aus Fliegen und Nach-vorne-Starren. Es ist nicht so aufregend, wie es scheint», lacht er.
Noch mehr überraschte ihn die Bezahlung bei einigen Jobs. «Ich habe den Feuerwehrdienst ausprobiert und war ziemlich schockiert – im negativen Sinne. Es ist ein hoch angesehener und gesellschaftlich bewunderter Beruf, aber die Einstiegsgehälter sind nicht gerade ermutigend», sagt er. «Natürlich gibt es Prämien und die Möglichkeit zu einer Frührente – aber das Grundgehalt? Dafür, dass man Leben rettet – das hat mich nicht gerade umgehauen», erinnert sich Kaczmarczyk.
Auch anstrengende Berufe hat er ausprobiert
Der körperlich anstrengendste Job? Die Antwort ist klar. «Auf jeden Fall der Bergbau. Wir sind 1000 Meter unter die Erde gegangen, ich habe einen echten Arbeitstag erlebt. Das war nicht inszeniert», betont er. Die Bedingungen waren extrem. «Eine Flasche Wasser, 6 bis 8 Stunden Arbeit, Staub, Lärm. Ich war direkt an der Kohlefront. Das will ich nicht noch einmal machen», erinnert sich der Youtuber. Und fügt hinzu: «Ich habe grossen Respekt vor Bergleuten, die die Kraft und Energie haben, das jeden Tag zu tun.»
Eine der schockierendsten Erfahrungen war die Arbeit in einer Müllsortieranlage. «Ich dachte immer, Abfall wird einfach auf die Deponie gebracht. Mir war nicht klar, dass jeder Sack von Hand aufgerissen wird», sagt Kaczmarczyk. Was er dort sah, veränderte seine Sichtweise. «Der Müllwagen kommt, kippt alles aus, und wir stehen am Förderband und reissen die Säcke auf – buchstäblich mit unseren Händen. Man holt alles heraus, was man kann», erzählt er «Fakt». «Der Geruch war unglaublich. Nach einer halben Stunde gewöhnt man sich daran, aber der Anfang ist brutal. Das bleibt einem lange im Gedächtnis», sagt der Youtuber unverblümt.
Was ihm noch mehr im Gedächtnis blieb, war das Bewusstsein dafür, was dieser Job mit sich bringt. «Man steht acht Stunden lang da und wühlt im Müll anderer Leute. Manchmal ekelt mich mein eigener Müllsack unter der Spüle an, und jemand macht das den ganzen Tag», schaudert er.
Dieser Job hat ihn schockiert
Wer glaubt, es könne nicht schlimmer kommen, irrt sich: «Das Reinigen von mobilen WCs war wahrscheinlich schlimmer. In der Sortieranlage gewöhnt man sich an den Geruch. Hier? Man öffnet 30 Mal am Tag eine neue Kabine, und jedes Mal ist es dasselbe», sagt er. Er erinnert sich an einen Moment: «Ich ging hin und dachte, so schlimm ist es gar nicht. Ich öffnete die Tür und sagte: ‹Na ja, es riecht wie eine Toilette.› Mein Kollege sagte: ‹Steck den Schlauch rein, dann wirst du sehen.› Da wurde es mir klar», erzählt Kaczmarczyk. Damals fand er es weniger lustig.
Wie viel kann man mit solchen Jobs verdienen? «Meistens nur den Mindestlohn. Von hohen Löhnen kann kaum die Rede sein. Es ist Fliessbandarbeit, nur dass man statt Schrauben Abfall verarbeitet», sagt er. Dennoch betont er eines: «Jemand muss es ja machen. Und das verdient mehr Respekt.»
Andererseits weist Kaczmarczyk darauf hin, dass manche Handwerksberufe gerade eine Blütezeit erleben. «Ein Facharbeiter verdient immer gut: Für eine Badrenovierung, die in zwei bis drei Wochen erledigt ist, kann er bis zu 20'000 Zloty verlangen», sagt er. Das entspricht gut 4300 Franken. Er glaubt, dass dies das Ergebnis von vernachlässigten Jobs in den vergangenen Jahren ist. «Berufsschulen wurden kritisiert. Die Leute sagten, wer dorthin geht, ist schwach. Die Folge? Jetzt gibt es einen Mangel an Fachkräften. Sie können nun ihre Preise selbst bestimmen», betont er.
Sein Tipp für Berufseinsteiger
Der Schlüssel zum Erfolg ist laut Kaczmarczyk einfach: «Spezialisieren. Mach nicht alles, sondern nur eine Sache – aber mach sie am besten», rät der Youtuber.
Gibt es einen Beruf, der Erfolg garantiert? «So etwas existiert nicht. Man kann durchschnittlich sein und wenig verdienen oder hervorragend sein und viel verdienen. Das gilt für jede Branche», betont er. «Wenn man etwas mit Leidenschaft und Engagement tut, wird sich das immer in Geld verwandeln», fügt er hinzu.
Abschliessend gibt er denjenigen, die gerade in den Arbeitsmarkt einsteigen, einen Rat mit auf den Weg. «Man muss seinen eigenen Weg finden. Ich weiss: Das klingt klischeehaft, aber es stimmt. Wenn einem etwas gefällt, hat man bessere Chancen, darin gut zu sein», sagt er gegenüber «Fakt». Sein Fazit: Mit allem lässt sich Geld verdienen. Die Frage ist nur, ob man es mit wenig Freude macht oder wirklich gut darin ist.
Dieser Artikel erschien zuerst auf Fakt.pl. Die polnische Newsplattform gehört wie Blick zum Ringier-Verlag.