Darum gehts
Smalltalk ist für manche ein Grund, die Flucht zu ergreifen. Anderen wiederum bereitet das plätschernde Gespräch richtig Freude. Tatsächlich besteht kein Grund, zu flüchten, und auch seinen schlechten Ruf hat der Smalltalk nicht verdient. Er muss nicht einmal zwingend oberflächlich und langweilig sein, denn er dient als Schmiermittel im menschlichen Miteinander. Es geht dabei darum, Gespräche locker zu beginnen und sich zu beschnuppern. Zudem verringert «das kleine Gespräch» den Abstand zwischen den Menschen. Es erweitert das eigene Netzwerk und öffnet im besten Fall Türen und baut Brücken.
Doch worüber lässt es sich denn überhaupt reden? Früher verbat der Knigge, sich mit fremden Leuten über Themen wie Politik oder Religion auszutauschen. Auch nicht über Klatsch und Tratsch, Finanzen, Sex, Krankheiten, Tod sowie persönliche Themen wie etwa Ehekrisen. Privates an einem Geschäftstermin? Ein No-Go. Aber bleibt da überhaupt noch etwas Spannendes übrig – etwa über das Wetter reden?
Dieser Artikel wurde erstmals im Angebot von handelszeitung.ch veröffentlicht. Weitere spannende Artikel findest du unter www.handelszeitung.ch.
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Lieber übers Wetter plaudern als über Politik oder Persönliches
Ja genau, bestätigen tatsächlich verschiedene Experten: Das Wetter eignet sich sogar vorzüglich als Einstiegsthema. Es betrifft alle, es beschäftigt, und jeder hat eine Meinung zur aktuellen Wetterlage. Zudem birgt es keine Fettnäpfchen wie die oben genannten Themenbereiche. Potenziell peinliche oder persönliche Themen hingegen könnten die Gesprächspartner in Verlegenheit bringen. Einerseits kennen sich die Smalltalker zumeist erst seit wenigen Minuten, andererseits fühlen sich nicht alle wohl, von familiärem oder persönlichem zu erzählen. Eine andere sichere und neutrale Variante für ein unverbindliches Gespräch ist auch die Nachfrage zur Anreise – die wiederum die Tür öffnen könnte zur Diskussion um das Wetter – oder wie das Gegenüber auf den aktuellen Anlass aufmerksam geworden ist.
Das klingt einfach. Doch es gibt Situationen, in denen man einen Anlass besucht und rein gar niemanden kennt. Das Weinglas fest in der Hand, beobachtet man, wie sich alle anderen bestens unterhalten – ausser man selbst. Besonders für zurückhaltende Menschen ist diese Situation eine Herausforderung.
Namensschild als Eisbrecher
Die gute Nachricht: In der Regel gibt es an Apéros auch andere Personen, die gerade keine Gesprächspartner haben. Das ist keine persönliche Niederlage, sondern die Chance für Schüchterne. Wenn jemand einem sympathisch dünkt, sollte man über den eigenen Schatten springen, mit einem Lächeln auf die Person zugehen und sie ansprechen. Die deutsche Kommunikationswissenschafterin Silke Nuthmann schlägt vor, den Anlass oder den Raum als Einstieg zu nutzen. Zum Beispiel mit der Bemerkung «Sie schleichen genauso umher wie ich.»
Ist diese Hürde überwunden, bietet es sich an, sich selbst vorzustellen und anschliessend beispielsweise zu fragen, wie das Gegenüber das eben gehörte Referat einschätzt oder ob es den Anlass aus beruflichen Gründen besucht. «Es darf ruhig ein Geplänkel sein, immer mit der Funktion, Gemeinsamkeiten herzustellen», sagt Silke Nuthmann. Die Kommunikationsexpertin führt Seminare durch und hat das Buch «Smalltalk für Introvertierte» geschrieben.
- Gesprächsbereitschaft beim anderen abchecken – es reicht der Blickkontakt.
- Den Einstieg finden mit Fragen wie: Wie gefällt Ihnen die Veranstaltung? Woher kennen Sie den Gastgeber?
- Aufmerksam zuhören, um an Themen anzuknüpfen.
- Zurückmelden, und zwar verbal und nonverbal: Die Körpersprache spricht neben der Mimik Bände. Deshalb: guter Händedruck, Blickkontakt, nicht vom Gesprächspartner wegdrehen.
- Aber: Das Gegenüber nicht erdrücken. Lassen Sie körperlich genug Abstand und halten Sie keinen Monolog, nur weil jemand zuhört.
- Lassen Sie Pausen zu: Es ist erlaubt, zu schweigen. Zum Studieren. Zum Luft holen. Zum Rückfragen.
- Stellen Sie offene Fragen und geben keine einsilbigen Antworten.
- Wählen Sie neutrale und ergiebige Themen: Die Veranstaltung selbst, die Anreise, Kultur oder das Essen.
- Meckern Sie nicht am Essen oder an nicht anwesenden Personen herum.
- Wenn die Unterhaltung nicht funktioniert oder zu lange dauert: Beenden Sie das Gespräch elegant und wenden Sie sich anderen zu.
- Gesprächsbereitschaft beim anderen abchecken – es reicht der Blickkontakt.
- Den Einstieg finden mit Fragen wie: Wie gefällt Ihnen die Veranstaltung? Woher kennen Sie den Gastgeber?
- Aufmerksam zuhören, um an Themen anzuknüpfen.
- Zurückmelden, und zwar verbal und nonverbal: Die Körpersprache spricht neben der Mimik Bände. Deshalb: guter Händedruck, Blickkontakt, nicht vom Gesprächspartner wegdrehen.
- Aber: Das Gegenüber nicht erdrücken. Lassen Sie körperlich genug Abstand und halten Sie keinen Monolog, nur weil jemand zuhört.
- Lassen Sie Pausen zu: Es ist erlaubt, zu schweigen. Zum Studieren. Zum Luft holen. Zum Rückfragen.
- Stellen Sie offene Fragen und geben keine einsilbigen Antworten.
- Wählen Sie neutrale und ergiebige Themen: Die Veranstaltung selbst, die Anreise, Kultur oder das Essen.
- Meckern Sie nicht am Essen oder an nicht anwesenden Personen herum.
- Wenn die Unterhaltung nicht funktioniert oder zu lange dauert: Beenden Sie das Gespräch elegant und wenden Sie sich anderen zu.
Als Eisbrecher eignet sich an beruflichen Anlässen und Netzwerkveranstaltungen auch der Blick auf das Namensschild des Gegenübers. Im besten Fall verrät dieses nämlich den Beruf. Damit lassen sich ganz einfach Fragen im professionellen Themenbereich verbinden. Eine andere Möglichkeit zur Kontaktaufnahme, wenn Sie noch niemanden kennen: Sich bei einer kleinen Gruppe dazustellen und erst einmal zuhören. Bei passender Gesprächspause werfen Sie dann eine Bemerkung ein. Das fühlt sich im ersten Moment ungelenk an, gleichzeitig ist es ein völlig normales Vorgehen an solchen Anlässen. Dabei gilt es aber, den richtigen Moment zu erwischen.
«Introvertierte Menschen hören oft viel zu lange zu. Dabei ist eine ungeschriebene Regel beim Smalltalk, dass ich mich automatisch einbringe», betont Silke Nuthmann. Sie hat in ihrer Berufslaufbahn als Führungscoach die Erfahrung gemacht, dass die Teilnehmenden innerhalb des Smalltalks eine soziale Rangordnung aushandeln: «Wer beim Smalltalk schweigt, ist innerhalb der Gruppe nicht so richtig präsent.» Findet anschliessend ein Meeting mit Vorschlägen und Präsentationen statt, kann es sein, dass die Kolleginnen und Kollegen die ruhige Person dann überhören oder nicht richtig ernst nehmen.
Ist das Gespräch erst einmal im Fluss, hilft es, Fragen nicht wortwörtlich zu beantworten, sondern immer wieder interessante Aspekte einzuwerfen. Das Gespräch muss keiner Struktur folgen, sondern in erster Linie unterhalten. Auch die Körpersprache gehört dazu. Silke Nuthmann hat beobachtet, dass sich beim Gespräch in Gruppen mit vielen Extrovertierten die Personen thematisch immer wieder die Bälle zuwerfen und dabei auch die Körpersprache einbeziehen. Blickkontakt, mit den Armen gestikulieren, Oberkörper der Person zuwenden, von der sie am ehesten eine Antwort erwarten. Wer hingegen ganz still dasteht, läuft Gefahr, als schüchtern oder gar arrogant zu erscheinen. Ein weiterer Tipp von Nuthmann lautet daher: «Bewegen Sie sich, lächeln Sie, greifen Sie lächelnd eines der angesprochenen Themen auf.»
Sich elegant verabschieden
Insbesondere das Zweiergespräch muss nicht beim Smalltalk bleiben, sondern kann in einen längeren Dialog übergehen. Solange sich beide damit wohlfühlen, ist nichts dagegen einzuwenden. Es kann jedoch vorkommen, dass zwei Gesprächspartner aneinander festkleben. Zumeist aus dem Grund, weil die eine Seite nicht aufhört, zu erzählen. Viele trauen sich nicht, solche Gesprächsflüsse zu unterbrechen und zu beenden.
Es gibt jedoch drei kleine Helfer: Die Erwähnung, dass man sich noch etwas zu trinken holt. Oder die Aussage, dass man noch eine Runde drehen möchte am Anlass, oder einen Bekannten begrüssen möchte. So verschafft man sich Luft und kann auf Anknüpfungstour gehen. Dabei helfen die eingangs erwähnten Fragen.