KMU-Mitinhaber Patrick Mollet macht es nicht aus Nächstenliebe
«Sind die Angestellten beteiligt, geben sie noch mehr für die Firma»

Immer mehr Schweizer KMU beteiligen ihre Mitarbeitenden am Unternehmen. Ein Beispiel: Bei Great Place To Work in Zürich gehört neu elf der 23 Angestellten die Firma. So profitieren sie direkt vom Erfolg.
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Bei Patrick Mollet, Mitinhaber bei Great Place To Work, ist fast die Hälfte der Angestellten am Unternehmen beteiligt.
Foto: Lukas SchnurrenbergerAVP Media-Design GmbH

Darum gehts

  • Great Place To Work verkauft Aktien an Mitarbeitende in Zürich
  • Mitinhaberschaft fördert Engagement und senkt die Fluktuation, so Patrick Mollet
  • Bei kleinen Firmen gibt es einen Trend zur Mitarbeiterbeteiligung
Die künstliche Intelligenz von Blick lernt noch und macht vielleicht Fehler.
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Martin SchmidtRedaktor Wirtschaft

Die meisten Beschäftigten in der Schweiz sind einfache Angestellte und erhalten jeden Monat ihren Lohn und je nach Branche und Beruf am Jahresende einen Bonus. Bei der Beratungsfirma Great Place To Work in Zürich ist das anders. Die Inhaber haben jüngst wieder Aktien an Angestellte verkauft. «Neu sind elf von 23 Mitarbeitenden am Unternehmen beteiligt», sagt Mitinhaber Patrick Mollet zu Blick. Die Angestellten, oder besser gesagt Mitinhaber, profitieren damit unter anderem von Dividendenausschüttungen.

Das Unternehmen setzt seit 2018 auf Selbstorganisation. Seither ist für Mollet klar, dass Great Place To Work nicht ein paar Aktionären, sondern möglichst vielen Angestellten gehören soll. Bei der Selbstorganisation liegt die Verantwortung nicht bei der Geschäftsführung. Die Mitarbeiter übernehmen eigenständig die Leitung über ihren Aufgabenbereich und treffen Entscheidungen, haben also deutlich mehr Freiheiten. «Da war die Möglichkeit zur Mitinhaberschaft eine logische Folge», so Mollet. Jahr für Jahr beteiligen sich ein oder zwei Beschäftigte neu am Unternehmen.

«Mache das nicht aus Nächstenliebe»

Aus Selbstlosigkeit mache er das nicht, betont Mollet. «Ich mache das nicht aus Nächstenliebe. Am Ende des Tages sind wir Unternehmer.» Das Kalkül dahinter: «Sind die Angestellten beteiligt, geben sie noch mehr für die Firma, auch die Fluktuation sinkt und sie denken eher fürs ganze Unternehmen und nicht nur für ihren Bereich. Ich sehe darin nur Vorteile», führt er aus. Eine Beteiligung sei natürlich völlig freiwillig. Wer als Mitinhaber einsteigen will, zahlt für die Anteile den aktuellen Aktienwert.

Great Place to Work folgt damit einem Trend: Konkrete Zahlen gibt es zwar keine. Doch die Zahl der Mitarbeiter, die an Unternehmen beteiligt sind, steigt bei Schweizer KMU, schreibt das Beratungsunternehmen Core Partner. Die Beteiligungen sind für die Firmen auch eine Möglichkeit, im Wettbewerb mit grossen Konzernen zu bestehen, die unter anderem höhere Löhne zahlen können. Beliebt ist das Modell auch bei Startups, die häufig nur tiefe Löhne ausbezahlen können und in der Startphase auf besonders motivierte Mitarbeiter angewiesen sind. Diese erhalten häufig Firmenanteile als Lohnbestandteil.

Modell in ganz unterschiedlichen Branchen

Auch die Dienstleistungsfirma Waldner Partner mit Standorten in Zürich und Basel setzt auf das Modell. Das Unternehmen ist auf komplexe Projekte im Bereich Architektur und Städtebau spezialisiert. Rund die Hälfte der 30 Angestellten ist an der Genossenschaft beteiligt. Die Zürcher IT-Firma Nine hat vor rund fünf Jahren das Aktionariat für Angestellte geöffnet.

Die Coop-Tochter Bell Food Group bietet Mitarbeitern die Option, zu Vorzugskonditionen Anteile zu kaufen. Bei der auf Pflegeprodukte wie Zahnbürsten spezialisierten Trisa AG mit Sitz in Triengen LU sind die Beschäftigten bereits seit den 1970er Jahren Aktionäre und stellen zudem die Hälfte des Verwaltungsrats.

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