Darum gehts
- Lidl erhöht Mindestlohn in der Schweiz auf 4650 Franken brutto
- Lidl verzichtet auf Koordinationsabzug, Teilzeitangestellte profitieren besonders
- Migros zahlt seit 2022 nur 4200 Franken Mindestlohn monatlich
Schlappe 3 Franken pro Monat! So knapp liegen die Discounter Aldi und Lidl beim Mindestlohn nun auseinander (auf Basis 41 Wochenstunden). Mindestens 4650 Franken Bruttolohn für alle Angestellten in der Schweiz – 50 Franken pro Monat mehr als im Vorjahr. Mal 13 und im Vollzeitpensum. Das verspricht Lidl mit Sitz in Weinfelden TG in einer aktuellen Mitteilung. Darin rühmt sich der Discounter mit dem «höchsten GAV-abgesicherten Mindestlohn im Schweizer Detailhandel».
Lidl versichert: «Von der Lohnerhöhung profitiert die grosse Mehrheit der Belegschaft.» Insgesamt beschäftigt der Discounter 5000 Angestellte in der Schweiz. Kader sollen individuell vom Anstieg der Lohnsumme um 1,5 Prozent profitieren. Allerdings: Stehen bei den Discountern nicht nur Teilzeitangestellte auf der Lohnliste? Rund die Hälfte aller Angestellten arbeitet gemäss Angaben von Lidl in einem Pensum von 80 bis 100 Prozent. Gut 40 Prozent in einem «eigentlichen» Teilzeitpensum von 40 bis 70 Prozent. Ohne Teilzeitarbeit läuft im Detailhandel nichts, betonen die Unternehmen, es sei ein Bedürfnis der Angestellten.
Kein Koordinationsabzug, Lob der Gewerkschaft
Interessant auch: Als einziger Detailhändler verzichtet Lidl weiterhin komplett auf den Koordinationsabzug in der Pensionskasse. Lidl versichert seine Mitarbeitenden ab dem ersten verdienten Franken in der zweiten Säule (BVG), loben Sozialpartner wie die Gewerkschaft Syna und der Kaufmännische Verband. Das heisst: Insbesondere Teilzeitangestellte profitieren, da der gesamte Lohn ohne Abzüge für die Pensionskasse angerechnet wird.
Die Mitbewerber Denner, Migros und Coop hinken bezüglich Mindestlohn hinter den beiden, ursprünglich deutschen Discountern her. Beispielsweise beträgt der Mindestlohn für Mitarbeitende der Migros seit 2022 monatlich 4200 Franken. Die beiden Grossverteiler haben schon bei früheren Lohnvergleichen immer wieder betont: Nicht nur der Mindestlohn zähle, sondern auch Sozialleistungen, Erfolgsbeteiligungen, Sonderkonditionen und weitere Mitarbeitervorteile. Der Wettlauf um den höchsten Mindestlohn dürfte weitergehen, denn Personal bleibt gefragt und wird für die angekündigten Filialexpansionen dringend benötigt.