Was ist bloss bei Aldi los?
Discounter schliesst zweistöckige Vorzeige-Filiale in Zürich und drosselt Expansion

Über zwanzig Jahre nach Markteintritt in die Schweiz verringert Aldi das Expansionstempo. Viele Filalen des Discounters schliessen – etwa jene nahe der Zürcher Bahnhofstrasse. Blick hat die Hintergründe.
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Der Discounter Aldi Suisse geht beim Filialnetz über die Bücher.
Foto: Sven Thomann

Darum gehts

  • Aldi Suisse schliesst bis Frühling mehrere Filialen schweizweit, inklusive zweistöckiger Prestige-Filiale in Zürich
  • Medienstelle bestätigt Fokus auf Effizienz statt Expansion, Filialnetz wird optimiert
  • Per Februar 2026 betreibt Aldi 244 Filialen, Ziel bleibt bei 260 Standorten
Die künstliche Intelligenz von Blick lernt noch und macht vielleicht Fehler.
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Ulrich RotzingerWirtschaftschef

Hat die Konzernzentrale im deutschen Mülheim auch Aldi Suisse einen Spar-Ordner erteilt? Bei Aldi Süd – verantwortlich für den Schweizer Markt – läuft derzeit ein Stellenabbau. Damit verbunden arbeiten die Verantwortlichen an möglichst einheitlichen Standards und Prozessen über alle Länder hinweg, weiss die deutsche «Lebensmittelzeitung». Kosten sparen dank mehr Effizienz: Ist nun die Schweiz an der Reihe? 

Hierzulande stehen Schliessungen an: Den Lebensmittel-Onlineshop hat Aldi bereits Ende 2025 dauerhaft geschlossen. Per 31. Januar schliesst der Discounter hierzulande mehrere Filialen. Eine in der Zytglogge-Passage in Bern, eine an der Bahnhofstrasse in Baden AG und den Laden im Walliseller Einkaufszentrum Glatt – ersatzlos, wie Regionalmedien zuerst berichteten. Im Frühling geht auch am Standort in Wabern BE der Aldi-Laden für immer runter, bestätigt die Medienstelle auf Anfrage.

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Gerüchteküche brodelt, Vorzeigefiliale schliesst

Von Quellen aus dem Umfeld des Discounters hört Blick unabhängig voneinander, dass das Aldi-Management auch die zweistöckige Zürcher Vorzeigefiliale in der Nähe der Bahnhofstrasse aufgeben wolle. Auf Nachfrage bestätigt die Medienstelle von Aldi Suisse auch hier: «Wir schliessen im Frühling die Filiale an der Sihlstrasse in Zürich». Damit gibt Aldi nach gut fünf Jahren die Top-Lage in der City auf. Zum «Warum» schweigt der Discounter. Fünf Jahre – so lange schliesst Aldi meist Mietverträge ab, heisst es in der Immobilienbranche.

Sparmassnahmen bei Aldi Süd betreffen das Schweizer Geschäft nicht, heisst es. Aber was ist dann bloss los mit Aldi in der Schweiz? Fragen wie diese erreichen dieser Tage auch die Blick-Redaktion. Kundinnen und Kunden, die schon beim Markteintritt vor über 20 Jahren beim Discounter einkaufen, sorgen sich um dessen Zukunft. «Wir machen das, was wir als Discounter seit jeher machen: Wir fokussieren uns auf effiziente Prozesse und Kostenstrukturen», so die Medienstelle. Auf Einfachheit setze man auch beim Filialnetz, um Kosten einzusparen und die Vorteile gemäss eigenen Angaben an die Kundschaft weitergeben zu können. 

Aldi bestätigt mittelfristiges Filialziel

Der Discounter will sich auf bestehende und künftige Standorte konzentrieren, die zum Unternehmen passen. «Wir ziehen dort Konsequenzen, wo dies nicht mehr der Fall ist», heisst es weiter. Prestigefilialen wie die in der Zürcher City gehören demnach nicht mehr dazu.

Per Anfang Februar betreibt Aldi 244 Filialen in der Schweiz. Auf dem Jobportal von Aldi Suisse ist ein Expansionsstopp vorderhand nicht auszumachen: 93 Stellen schweizweit sind im Internet ausgeschrieben. Bei genauerem Hinsehen entfallen 52 Ausschreibungen allerdings auf Lehrstellen, die übrigen Jobs betreffen meist Filialen in der Romandie oder im Tessin. Zahlreiche Eröffnungen im deutschsprachigen Schweiz wie bei Konkurrent Lidl sind offenbar keine mehr geplant. An dem mittelfristigen Ziel von 260 Filialen ändert sich nichts, hält die Medienstelle auf Nachfrage fest. 

Optimieren, statt ungebremst expandieren: Die UBS-Ökonomin Meret Mügeli ist eine Kennerin des Schweizer Detailhandels. Sie bestätigt mit Blick auf die forsche Expansion von Billigketten wie Action und Rossmann, die noch recht neu im Schweizer Markt sind: «Der Preis- und Konkurrenzdruck auf die Detailhändler ist in der Schweiz gestiegen.» Entsprechend legen diese ihren Fokus auf Effektivität und Effizienz. «Auch die Optimierung des Filialnetzes stellt für viele Detailhändler eine Priorität dar», sagt Mügeli. Sie sei eine Massnahme, um die Wettbewerbsfähigkeit zu erhalten.

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