Die beste Post der Welt wackelt
Jetzt drohen höhere Preise und weniger Service

Die Einnahmen aus der Grundversorgung deckten der Post 2025 erstmals nicht mehr die Kosten. Der Post-Regulator Postcom prognostiziert deshalb spürbare Folgen für die Bevölkerung. Bereits im Verlauf des Sommers dürften höhere Preise bekannt werden, wie Blick weiss.
Kommentieren
1/5
Es werden immer weniger Briefe verschickt. Trotzdem habe die Bevölkerung bisher nur wenig mitbekommen von den Umwälzungen am Postmarkt, sagt die Post-Behörde Postcom.
Foto: PIUS KOLLER

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Post-Regulator warnt vor spürbaren Veränderungen am Schweizer Postmarkt
  • Post muss auf Defizit in Grundversorgung reagieren und Leistungen abbauen oder Preise erhöhen
  • Preisverhandlungen zwischen Post und Preisüberwacher – Ergebnisse voraussichtlich noch diesen Sommer
Mischa_Stünzi_Redaktor Wirtschaft _Blick_3-Bearbeitet.jpg
Mischa StünziRedaktor Wirtschaft

Noch wiegt sich die Schweizer Bevölkerung in trügerischer Sicherheit: Briefe und Pakete kommen pünktlich an, das Filialnetz der Post ist zwar dünner, aber im internationalen Vergleich immer noch fast wasserdicht. Und sowieso: Der gelbe Riese wurde vom Weltpostverein wiederholt zur besten Post der Welt gekürt. In der Schweiz herrscht im internationalen Vergleich postalische Glückseligkeit.

Klar gibt es hie und da Misstöne, etwa wenn die Post mal wieder eine Filiale schliesst. Doch das ist nur das Vorspiel, wenn man dem Post-Regulator glaubt. «Bislang hat die Schweizer Bevölkerung von den tiefgreifenden Veränderungen auf dem Postmarkt relativ wenig gespürt», heisst es im aktuellen Bericht der Postkommission (Postcom). Dann die Warnung: Diese Schweizer Besonderheit könnte bald der Vergangenheit angehören. Mit einschneidenden Folgen für die Kundschaft.

Historischer Wendepunkt bei den Finanzen

Mit nackten Zahlen untermauert die Behörde ihr düsteres Szenario: Letztes Jahr reichten die Einnahmen aus der Grundversorgung nicht mehr, um die damit verbundenen Kosten zu decken. Das gab es vorher noch nie.

Die Ursache ist schnell gefunden: Die Welt wird immer digitaler. Das Briefgeschäft ist längst nicht mehr das lukrative Standbein von einst. In den letzten zehn Jahren ist die Menge der verschickten Briefe um ein Drittel eingebrochen. Bis 2030 rechnet die Post mit einem weiteren Minus um rund 30 Prozent.

Zwar boomt der Paketmarkt. Aber dort ist die Konkurrenz gross, die Margen bescheiden. Zudem ist der Paketmarkt in der Schweiz gemäss Postcom-Bericht gesättigt. Das grosse Wachstum, das das wegbrechende Briefgeschäft kompensieren könnte, ist nicht zu erwarten. Kurz gesagt: Der Service public wird immer unrentabler.

Der Leistungsabbau hat begonnen

  • Post und Politik haben auf den Negativtrend reagiert:
  • Allein im Jahr 2025 machten 47 Poststellen dicht. Bis 2028 soll das Netz auf rund 600 Poststellen zusammenschrumpfen – vor zehn Jahren waren es noch mehr als doppelt so viele.
  • Per 1. April hat der Bundesrat die Qualitätsvorgaben für die Post nach unten geschraubt. Mussten früher 97 Prozent der Briefe und 95 Prozent der Pakete rechtzeitig am Ziel sein, liegt die gesetzliche Hürde neu bei 90 Prozent.
  • Auch bei den Briefkästen wurde gespart. Nicht nur, dass die Zahl der Briefkästen langsam, aber kontinuierlich schrumpft; die verbliebenen Einwürfe werden auch immer früher geleert.
  • Das neue Postgesetz, das der Bundesrat am Mittwoch in die Vernehmlassung geschickt hat, hält zwar vorerst an Umfang und Qualität der Grundversorgung fest. Aber die Regierung will Notbremsen einbauen: Das Gesetz definiert Schwellenwerte, ab denen die Post eine Anpassung der Grundversorgung beantragen kann. Sobald die Nachfrage nach Briefen, Paketen, Zeitungen und Zeitschriften oder Bareinzahlungen diesen Wert unterschreitet, darf abgebaut werden.

«Anpassung nicht automatisch eine Qualitätseinbusse»

Die Post begrüsst das vorgeschlagene System mit den Schwellenwerten. Damit beeinflusse das Verhalten der Kundinnen und Kunden massgeblich, wie die Grundversorgung in Zukunft aussehe. Gleichzeitig betont die Post: «Eine Anpassung der Grundversorgung ist nicht automatisch mit einer Qualitätseinbusse für Kundinnen und Kunden gleichzusetzen.» Schliesslich schaffe man neue Dienstleistungen – auch ausserhalb des gesetzlichen Auftrags.

Die Post verhehlt die Herausforderungen nicht: «Die Grundversorgung steht vor einer Herausforderung, die die Post offen anspricht», so ein Sprecher. Trotz weniger Briefe bleibe der Aufwand hoch, weil trotzdem eine flächendeckende Versorgung sichergestellt werden müsse. Mit einem Dreizack an Massnahmen will die Post die Zukunft meistern: effizienter werden, Angebote anpassen und Preise erhöhen.

Post verhandelt höhere Preise

In den vergangenen Jahren hat die Post schon mehrfach an der Preisschraube gedreht und unter anderem das Porto für Pakete und Briefe verteuert. So kostet etwa das Economy-Paket seit Anfang Jahr 50 Rappen oder bis zu 6 Prozent mehr.

Doch damit nicht genug: Aktuell laufen Gespräche zwischen der Post und dem Preisüberwacher, wie beide Seiten auf Blick-Anfrage bestätigen. Mehr wollen die Verhandlungspartner nicht verraten.

Welche Produkte betroffen und wie hoch die Preisanpassungen sein werden, bleibt damit im Dunkeln. Das Geheimnis dürfte noch im Verlauf des Sommers gelüftet werden.

Was sagst du dazu?
Heiss diskutiert
    Meistgelesen