Darum gehts
- «Schweizer Bürli» bei deutscher Kette Zeit für Brot kostet 3.40 Euro oder 3.14 Franken
- Preis ist bis zu dreimal höher als bei Schweizer Bäckereien
- Aldi Schweiz startete Brot-Preiskampf im Oktober 2025 und senkte Preise auf 99 Rappen
Das St. Galler Bürli ist Kult. Traditionell isst man es zusammen mit einer Olma-Bratwurst oder einem Olma-Schüblig. Ein wahrer Klassiker der Schweizer Backkultur.
Aber nicht nur: Offenbar lassen sich auch unsere Nachbarn im Norden gerne ab und an ein Schweizer Bürli schmecken. Das Kleingebäck findet sich nämlich auch im Sortiment der hippen deutschen Bäckerei-Kette Zeit für Brot. Das 2009 ins Leben gerufene Unternehmen hat rund 30 Filialen in ganz Deutschland. Und expandierte kürzlich ins Ausland – nach London sowie in die israelische Hauptstadt Tel Aviv. Wegen des modernen Konzepts mit grossen Glasscheiben, die den Blick in die Backstuben freigeben, und dem Fokus auf besonders urbane Stadtviertel und Bio-Zutaten wird die Kette gerne als Hipster-Bäckerei bezeichnet.
Bürli kostet bei den Deutschen deutlich mehr
Und sie verlangt ganz schön saftige Preise. Bei Zeit für Brot zahlt man für das «Schweizer Bürli» 3.40 Euro – also über 3.10 Franken. Das ist deutlich teurer als bei hiesigen Grossverteilern und Bäckereien.
Blick hat bei Schweizer Beck-Ketten den Vergleich gemacht: Bei der Bäckerei Stocker aus Zürich kostet ein Bürli 1.20 Franken. Damit ist das kleine Brötchen fast drei Mal günstiger als bei Zeit für Brot aus Deutschland. Bei John Baker – einer vergleichbar hippen Bäckerei aus Zürich – liegt der Preis bei 1.60 Franken. Also auch deutlich unter dem Preisniveau der Kette aus Frankfurt am Main.
Beim Steiner-Beck, der über Standorte in Zürich und Graubünden verfügt, gibt es zwar kein einzelnes Bürli. Aber ein «St. Galler Schild» – bestehend aus vier Bürli – kostet 5.80 Franken. Heruntergerechnet ergibt das 1.45 Franken pro Stück. Am teuersten im Blick-Vergleich schneidet die Confiserie Bachmann mit einem Preis von 1.90 Franken pro Bürli ab.
Brot-Preiskampf im Schweizer Detailhandel
Günstiger als die Bäckereien sind die grossen Schweizer Detailhändler: Bei Migros kostet ein Bürli 1 Franken. Beim Rivalen Coop zahlt man für ein «Doppel-Bürli» à 180 Gramm 1.60 Franken. Wie also kommt bei der deutschen Kette ein so hoher Preis für das Kult-Brötli zustande? Zeit für Brot hat auf eine Anfrage von Blick nicht reagiert.
Hierzulande sind die Brotpreise unter Druck: Im Detailhandel ist vergangenes Jahr ein herber Brot-Preiskampf losgebrochen. Den Anfang machte der Discounter Aldi Schweiz im Oktober 2025. Er senkte den Preis für das «tägliche Lieblingsbrot» – ein Halbweissbrot à 500 Gramm – sowie weitere Backwaren auf 99 Rappen. Fast ein Fünftel weniger als zuvor.
Nur einen Tag später zogen Lidl und Denner nach und senkten die Preise ebenfalls auf unter 1 Franken. Mehrere Schweizer Bäckereien sahen darin einen Angriff auf ihr Handwerk und äusserten sich gegenüber Blick entsprechend kritisch. Jetzt zeigt sich: Selbst bei den Becks, die auf Billigbrot aus der Maschine verzichten, ist ein Bürli preiswerter als bei der deutschen Beck-Kette.