Darum gehts
- Zürcher Beck-Kette Steiner behält umstrittenen Namen «Zigeuner-Salat» trotz Kritik bei
- Die Migros entfernte 2020 hingegen den «Zigeuner-Cervelat», Knorr benannte «Zigeuner-Sauce» um
- Auch Bezeichnungen wie «Mohrenkopf» oder «Maitlibei» sorgen in der Schweiz immer wieder für Debatten
Die Zürcher Bäckerei-Kette Steiner mit Sitz in Wetzikon ZH ist bei ihrem «Zigeuner-Salat» über die Bücher gegangen. Der Grund: Die Juso Zürcher Oberland und die SP Uster hatten dem Unternehmen vorgeworfen, einen rassistischen Begriff zu verwenden. Die Bezeichnung würde Sinti, Roma und Jenische beleidigen. Sie forderten darum den Beck auf, sofort auf den Namen zu verzichten.
Nach rund einem Monat kam Steiner zum Schluss: Der Wurst-Käse-Salat bleibt ein «Zigeuner-Salat» – trotz Protesten von Links. Das Thema sorgte auch bei der Blick-Community für ordentlich Gesprächsstoff. Dabei erhält der Familienbetrieb mehrheitlich Zuspruch für den Entscheid.
Doch Steiners «Zigeuner-Salat» ist nicht die einzige Bezeichnung, die hierzulande und bei unseren Nachbarn für grosse Kontroversen sorgt. Blick hat die Übersicht:
Von Zigeuner-Schnitzel bis Zigeuner-Cervelat
«Zigeuner» findet sich in den Namen verschiedener Speisen im deutschsprachigen Raum. Aber oft wird nicht mehr daran festgehalten: So gabs bei der Migros bis 2020 «Zigeuner Cervelats» zu kaufen. Diese nahm der orange Riese aus dem Sortiment. Gleiches bei Knorr: Ebenfalls 2020 gab die Firma, die zum Lebensmittel-Multi Unilever gehört, ihrer «Zigeuner-Sauce» einen neuen Namen: «Paprikasauce Ungarische Art».
Auch das «Zigeuner-Schnitzel» – das aus der deutschen und österreichischen Küche kommt – erhitzt immer wieder die Gemüter. 2024 wurde das Paprikaschnitzel auf der Speisekarte einer Beiz in Aachen (D) als «Schnitzel nach Art eines Rotationseuropäers mit lockerem Verhältnis zu fremdem Eigentum» aufgeführt – es folgte grosse Empörung. Der Wirt erklärte, dass das Schnitzel vierzig Jahre lang «Zigeuner-Schnitzel» geheissen habe und er es als Reaktion auf die Diskussionen umbenannt habe.
Mohrenkopf oder Schokokuss?
Seit Jahren diskutiert die Schweiz darüber, ob man einen Schokokuss noch wie früher «Mohrenkopf» nennen darf. Die Bezeichnung sei nicht mehr zeitgemäss und rassistisch, argumentieren viele.
Der bekannte Aargauer Mohrenkopf-König Robert Dubler (77) sieht das bis heute anders: Er hält an der Bezeichnung fest. In Österreich gibt es ein ähnliches Dessert – ein Schoggi-Nuss-Kuchen mit Schlagrahm – das früher vielerorts als «Mohr im Hemd» bezeichnet wurde. Ein Grossteil der Betriebe hat auch diesen Namen aus ihren Speisekarten entfernt.
«Haxenspreizer» und «heisse Witwe»
In Österreich tobt derzeit eine Debatte über einige bekannte Après-Ski-Getränke wie «Haxenspreizer» (also «Beinspreizer»), «heisse Witwe» oder «heisse Oma». Die Bezeichnungen stehen zunehmend in der Kritik. Die Wirtschaftskammer Salzburg spricht sich deshalb für eine Anpassung aus. Ein Sprecher erklärt gegenüber dem Portal oe24, dass die Namen nicht mehr zeitgemäss seien. Verbieten könne man die Bezeichnungen allerdings nicht. Die Verantwortung liege letztlich bei den Betrieben.
«Meitlibei» und «Russenzopf»
Die Basler Beck-Kette Sutter Begg verkaufte ihre hufeisenförmigen Nussgipfeli lange unter dem Namen «Maitlibei». Weil sich das weibliche Personal aber vermehrt sexistische Sprüche von der Kundschaft anhören musste, benannte Geschäftsführerin Katharina Barmettler die «Maitlibei» 2019 in «Glücksbringer» um.
Auch andere Basler Bäckereien haben den traditionellen Namen mittlerweile längst abgeschafft. Nicht so die Ziegler Bäckereien: Dort heissen die Nussgipfel bis heute «Meitlibei». Der Sutter Begg machte sich zudem auch bei einem anderen Gebäck Gedanken: Nach dem russischen Angriffskrieg auf die Ukraine taufte man den «Russenzopf» letzthin zum «Friedenszopf» um.
«Kamikaze-Burger» am Flughafen Zürich
2023 tappte das Restaurant Bellevue der SV Group ordentlich ins Fettnäpfchen: So konnte man im Betrieb in der Einkaufsmeile «The Circle» des Flughafens Zürich einen Pouletburger mit scharfer japanischer Mayonnaise bestellen. Verkauft wurde er unter dem Namen «The Black Kamikaze Burger». Kamikaze ist nicht nur der Begriff für japanische Kriegspiloten, die während des Zweiten Weltkriegs Selbstmordangriffe auf feindliche Ziele ausübten.