Chef hält trotz Kritik an Produkt fest
Österreichischer Traditionsbeck sorgt mit N****-Brot für Eklat

Eine rassistische Bezeichnung für ein Schoggi-Produkt löst in Österreich heftige Debatten aus. Trotz Protestaktionen denken die Geschäftsführer nicht ans Umbenennen. Auch in der Schweiz sorgten ähnliche Fälle schon mehrfach für Aufsehen.
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Die Bäckerei-Konditorei Zehrer in Klagenfurt gibt es schon seit 1763.
Foto: Bäckerei Zehrer

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Bäckerei in Klagenfurt (A) verkauft Schokolade mit rassistischem Namen
  • Trotz Protesten und beschmierten Schaufenstern bleibt der Name unverändert
  • 2020 entfernte Migros den «Zigeuner-Cervelat», Knorr benannte eine Sauce in «Paprikasauce» um, der Steiner-Beck bleibt aber beim «Zigeuner-Salat»
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Nathalie BennRedaktorin Wirtschaft

Die Sprache wandelt sich. Was früher ganz normal war, gilt heute als rassistisch oder diskriminierend. Man denke etwa an die Mohrenkopf-Debatte, die schon seit Jahren tobt. Darf man das süsse Schaumdessert noch so nennen, oder sollten besser alle schlicht Schokokuss sagen? Darüber erhitzen sich die Gemüter in der Schweiz.

Der neuste Fall spielt sich ennet der Grenze ab: In der Bäckerei-Konditorei Zehrer in der südösterreichischen Stadt Klagenfurt trägt eine Bruch-Schoggi den Namen «N****-Brot». Bei der Gründung vor genau 260 Jahren mag dabei noch niemand mit der Wimper gezuckt haben – heute sind sich aber die meisten einig: Das geht nicht. 

Darauf aufmerksam wurde die breite Öffentlichkeit, als der Beck die Schoggi vergangenen Dezember in seinen Onlineshop nahm. Breiter Widerstand regte sich. Ein Blick auf die Website zeigt: Bis heute ist die Schokolade unter dem Namen erhältlich, laut Angaben des Betriebs ist sie sogar ein Kassenschlager. Das zeigt der gelbe «Bestseller»-Banner über den Produkten. Im Dezember erklärte der Beck gegenüber der «Kleinen Zeitung»: Mit dem Namen bezeichne man «keine Menschen, sondern eine traditionelle Süsswarenspezialität». Der Begriff sei «nicht abwertend gemeint», gerade bei älteren Kunden würde er Kindheitserinnerungen wecken. 

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Beschmierte Schaufenster bewegen Chef nicht zum Umdenken

Als der Betrieb im Juni den Artikel vom Onlineshop ins physische Ladensortiment holte, eskalierte das Ganze: Ende Juni beschmierte eine Gruppe Aktivisten die Schaufenster in der Klagenfurter Altstadt mit pinker Kreide und brachte Protestplakate an. Philipp Nimmervoll, der den Beck zusammen mit seinem Vater Peter Nimmervoll führt, sagte im Anschluss zur «Kronen Zeitung»: Die Schokolade habe schon immer so geheissen und werde das auch weiterhin tun. Aus dem Sortiment werde er sie sicher nicht nehmen: «Wir lassen uns doch nicht erpressen», so Nimmervoll. 

Solche Rassismusdebatten um die Bezeichnung von Lebensmitteln sind auch in der Schweiz nicht neu. Vergangenes Jahr sorgte deshalb die Zürcher Oberländer Beck-Kette Steiner für Aufsehen: Ihre Bezeichnung «Zigeuner-Salat» für die Speise mit Wurst und Käse kam nicht bei allen gut an. Die Juso warf dem Unternehmen vor, einen rassistischen Begriff zu verwenden. Das Wort – oft in herabwürdigendem Zusammenhang für die Bezeichnung von Sinti, Roma und Jenischen verwendet – habe heute an keiner Verkaufstheke mehr etwas verloren, so die Jungpartei. Sie forderte den Beck mit Sitz in Wetzikon ZH deshalb dazu auf, auf den Namen zu verzichten.

Begriff «Zigeuner» auch bei Migros und Knorr

Doch der Steiner-Beck hält daran fest. Als Gründe nennt er die langjährige Tradition des Produkts und die Bekanntheit des «Zigeuner-Salats» bei der Kundschaft. Zudem hätten Recherchen ergeben, dass sich gewisse Gruppen selbst als «Zigeuner» bezeichnen würden. 

Das Wort findet sich im Namen vieler Speisen im deutschsprachigen Raum. Die Migros traf diesbezüglich einen anderen Entscheid: 2020 nahm der orange Riese den «Zigeuner-Cervelat», den es bis dahin zu kaufen gab, aus dem Sortiment. Auch Lebensmittelmulti Knorr verlieh seiner «Zigeuner-Sauce» im selben Jahr den neuen Namen «Paprikasauce ungarische Art».

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