Bizarrer Fall in Polen
Hat Kryptofirma Bitcoins in Millionenwert verhühnert?

Die Kryptobörse Zondacrypto kann nicht auf ein Wallet zugreifen, auf dem Bitcoins im Wert von über 300 Millionen Dollar liegen. Schuld daran soll der Kryptounternehmer Sylwester Suszek sein, der seit vier Jahren verschwunden ist. Was ist da los?
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Sieht sich mit Vorwürfen konfrontiert: Przemysław Kral, CEO der Kryptobörse Zondacrypto.
Foto: PD

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Zondacrypto kann nicht auf 4500 Bitcoins im Wert von 300 Mio. USD zugreifen
  • Unternehmer Sylwester Suszek verschwand 2022 mit privatem Schlüssel, Ermittlungen laufen
  • Vertrauenskrise löst Run auf Auszahlungen aus – 25'000 Anträge an einem Tag
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Blick Wirtschaftsdesk

Polens grösste Kryptowährungsbörse Zondacrypto verfügt über ein Krypto-Wallet mit 4500 Bitcoins im Wert von über 300 Millionen Dollar – kann jedoch nicht auf diese Gelder zugreifen. Der private Schlüssel zum Wallet befindet sich offenbar im Besitz von Sylwester Suszek (37), dem Gründer der Kryptobörse Bitbay. Er ist vor vier Jahren spurlos verschwunden.

Am Donnerstag veröffentlichte Zondacrypto-CEO Przemysław Kral (45) die Bitcoin-Wallet-Adresse auf der Social-Media-Plattform X – um Vorwürfen der Veruntreuung von Kundengeldern entgegenzuwirken. Kral behauptet, im Besitz eines entsprechenden Dokuments zu sein. Dieses soll belegen, dass Suszek seine Assets – also auch das Bitcoin-Wallet – an Zondacrypto verkauft hat.

Zondacrypto-CEO verteidigt sich

«Als Sylwester laut diesen Dokumenten die privaten Schlüssel übergeben sollte, ist er stattdessen verschwunden», schrieb Kral. Ihm wird vorgeworfen, an Suszeks Verschwinden beteiligt zu sein. Dazu teilte er mit: «Das ist der stärkste Beweis dafür, dass ich mehr als jeder andere möchte, dass er gefunden wird. Falls er zusieht, fordere ich ihn dringend auf, die Vereinbarung zu erfüllen.»

Berichte der Portale money.pl und Wirtualna Polska haben die Vertrauenskrise in die Kryptobörse ausgelöst. Unter Berufung auf Analysten von Recoveris berichteten die Medien, dass die Bitcoin-Reserven von Zondacrypto um 99 Prozent gesunken seien. Das habe zu Auszahlungsproblemen für Kunden geführt. Allein am Ostermontag gingen 25'000 Auszahlungsanträge ein – das entspricht dem üblichen Volumen von drei Monaten. «Kein Finanzinstitut könnte das überstehen», bemerkte Kral.

Ungereimtheiten zum Verschwinden von Sylwester Suszek

Suszek verschwand im März 2022 im Alter von 33 Jahren. Zuletzt wurde er bei einer Energiefirma von Marian W. in Czeladź, Polen, gesehen. An diesem Tag fielen die Überwachungskameras des Tanklagers vorübergehend aus. Marian W. ist wegen Freiheitsberaubung angeklagt.

Die Generalstaatsanwaltschaft hat Ermittlungen aufgenommen. Am 8. April gab sie auf X bekannt, dass die Staatsanwaltschaft auf Initiative von Generalstaatsanwalt Waldemar Żurek Medienberichte über Unregelmässigkeiten an der Börse im Rahmen der Ermittlungen zum Verschwinden von Suszek prüfen wird.

Dieser Skandal entfaltet sich inmitten eines politischen Streits in Polen um die Regulierung von Kryptowährungen. Ministerpräsident Donald Tusk (68) gab bekannt, dass CEO Kral laut der Agentur für Innere Sicherheit (ABW) an Stiftungen gespendet habe, die mit rechten Politikern in Verbindung stehen. Und das einen Monat bevor Polens Präsident Karol Nawrocki (43) das erste Veto gegen das Kryptogesetz einlegte. Inzwischen hat Nawrocki zweimal sein Veto eingelegt – im Dezember 2025 und im Februar 2026. Das Parlament arbeitet nun daran, das Veto zu überstimmen.

Dieser Artikel erschien zuerst auf fakt.pl. Die polnische Newsplattform gehört wie Blick zum Ringier-Verlag. 

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