Darum gehts
- VW verkauft Werk in Osnabrück an Niedersachsen und Aurelius Capital
- Ab 2027 werden dort Rüstungsgüter für Iron Dome produziert
- 2000 Arbeitsplätze betroffen, VW will Standort langfristig sichern
Erste Gerüchte gab es bereits im Frühling dieses Jahres. Jetzt ist es fix. Volkswagen verkauft sein Werk am Standort Osnabrück an das Bundesland Niedersachsen und den israelischen Finanzinvestor Aurelius Capital, wie der deutsche Autobauer am Montag verkündet. Das Brisante daran: Nach 125 Jahren als Standort für VW-Cabriolets könnten dort bereits ab nächstem Jahr Rüstungsgüter vom Band laufen.
Bereits seit 2024 ist klar, dass VW die Autoproduktion in Osnabrück bis 2027 einstellen wird. Mit dem Schritt sollen nun der Standort und seine rund 2000 Arbeitsplätze gerettet werden. «Volkswagen steht zu seiner Verantwortung für Osnabrück. Mit der heutigen Vereinbarung gehen wir einen wichtigen Schritt, um dem Standort eine neue industrielle Zukunft zu eröffnen», erklärt VW-Chef Oliver Blume (58) den jetzigen Verkauf.
Rüstungsgüter statt Autos
Ab nächstem Jahr produzieren die Werksarbeiter in Osnabrück also nicht mehr für Volkswagen – sondern für den israelischen Rüstungskonzern Rafael. Denn das Bundesland Niedersachsen und Aurelius planen mit der Waffenschmiede «ein Ankerprojekt im Bereich Luftverteidigung», wie es in der VW-Mitteilung heisst. Rafael stellt massgebliche Komponenten für das Luftverteidigungssystem Iron Dome her.
Dem Bundesland Niedersachsen kommt eine wichtige Rolle zu. Zuletzt gab es Gerüchte, wonach Rafael das Osnabrücker Werk gleich direkt kauft. Laut Medienberichten scheiterte ein Deal aber an einer Blockade durch Katar. Der Staat aus dem Nahen Osten ist ein grosser VW-Aktionär – und nicht unbedingt gut auf Israel zu sprechen. Indem nun Niedersachsen als Besitzer übernimmt, liegt die Kontrolle über den Standort weiter teilweise in deutscher Hand.
Die Nachricht kommt wenige Tage nach harten Sparmassnahmen beim kriselnden VW-Konzern. Der grösste Autokonzern Europas kommt nicht aus den Schlagzeilen. Hohe Kosten, niedrige Profitabilität und die Konkurrenz der chinesischen Autobauer setzen den Konzern unter Druck. Mehrere VW-Werke müssen um ihre Zukunft bangen, bis zu 100'000 Jobs sind gefährdet. Und auch einige Marken, die zum Konzern gehören, stehen auf der Kippe. Letzte Woche sickerte durch, dass VW die Traditionsmarke Seat in den nächsten drei Jahren komplett einstellen wird.