Europas Autobauer in der Krise
Schluss mit dem Gejammer: Eure Autos sind besser als ihr Ruf!

Die VW-Krise ist in aller Munde. Doch: Autokauf aus Mitleid? Sicher nicht. Hier ein Tipp an alle Auto-Manager in der Krise: Löst eure Probleme in aller Stille. Denn die europäischen Autos sind derzeit viel besser als das desolate Image der Industrie.
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Europas Autoindustrie, einstiger Wohlstandsmotor, liefert nur noch Hiobsbotschaften.
Foto: Zvg

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Europas Autoindustrie am Abgrund: Hohe Kosten, Konflikte, falsche Strategien
  • Positive Trends: E-Autos legen zu, Hersteller besinnen sich auf alte Stärken
  • BMW, Mercedes, Stellantis und Renault trotzen geopolitischen Unsicherheiten
Arthur Konrad

Wer heute ein neues Auto kaufen will, sieht nur noch schwarz. Miese Bilanzen, dichtgemachte Werke, Entlassungen: Europas Autoindustrie, einstiger Wohlstandsmotor, liefert nur noch Hiobsbotschaften.

Ganz vorne dabei, wie so oft, der VW-Konzern. Das liegt an der weltweit einzigartigen Eigentümerstruktur. Das deutsche Bundesland Niedersachsen und die Gewerkschaften haben bei Werkschliessungen eine Sperrminorität. Der Vorstand ist blockiert. Nur das erklärt das aktuelle Schmierentheater der letzten Wochen und Monate. Und wie bei einer Laienvorstellung eines Theater-Dorfvereins konnte man schon vorher ahnen, dass sich am Ende alle wieder versöhnen werden. Allerdings nicht aus purer Liebe, sondern weil sie müssen.

Tatsache ist, dass es für die Misere nicht einen Schuldigen gibt. Die Politik hat hohe Lohnnebenkosten, horrende Energiepreise und teils absurde gesetzliche Regularien zu verantworten. Das Management der Hersteller ist in den zahllosen guten Jahren fett und träge geworden und hat aus heutiger Sicht bei der Elektrotransformation haarsträubende Fehler gemacht. Die einfachen Arbeitnehmer sind mit einem weltweit einzigartigen Mix aus hohen Löhnen, kurzen Arbeitszeiten und Beschäftigungsgarantien auf der Butterseite des Lebens gelandet. All das zusammen hat das Modellangebot nicht unbedingt attraktiver, den Autokauf aber empfindlich teurer gemacht. Doch statt das Problem bei sich selbst zu suchen, spielten Politik, Chefs und Gewerkschaften lieber Schuld-Pingpong. Dabei tragen alle ihren Teil bei: Die Standortkosten sind zu hoch, die Bosse haben gepennt, die Angestellten klammern sich an Privilegien. Jetzt sind – hoffentlich – alle Beteiligten zur Einsicht gekommen, dass die fetten Jahre vorbei sind. Endgültig.

Schlechte Wirkung auf uns Autokäufer

Bei diesem Laientheater mit lähmend langem drittem Akt haben die Akteure das Wichtigste völlig ausser Acht gelassen: die Wirkung auf uns Autokäufer. Das Dauerfeuer an miesen News zerstört den Ruf der Branche komplett. Das macht absolut keine Lust auf einen Autokauf. Wo sind die spannenden Visionen, die verheissungsvollen Technologieversprechen? Stattdessen will der VW-Konzern in naher Zukunft Modelle und Ausstattungen streichen, um so Arbeitsplätze zu sichern. Das klingt irgendwie nach Harakiri mit Anlauf. Zusätzlich steht als unsichtbarer Elefant der Verdacht im Raum, dass vielleicht bei der Verarbeitungsqualität wieder einmal der eine oder andere Euro-Cent respektive Rappen gespart wird. So läuft das fast immer, wenn ein Hersteller in der Krise steckt.

Das Absurde an der Situation ist, dass in der Flut der schlechten Nachrichten die positiven Signale der europäischen Autoindustrie völlig untergehen. Die geopolitischen Unsicherheiten und schwankenden Spritpreise bringen den E-Autos einen unverhofften Schub. Die Europäer können die Gunst der Stunde nutzen, weil sie gerade noch rechtzeitig bei preisgünstigen Modellen enorm aufgeholt haben. Zusätzlich liefern sie eine Servicequalität, an der einige chinesische Marken noch hart arbeiten müssen. Langsam löst sich auch die Blockade auf dem Markt der gebrauchten Stromer auf, was wiederum den Neuwagenmarkt ankurbeln wird. Denn der interessierte Neuwagenkäufer erwartet finanzielle Sicherheit beim Wiederverkauf.

Die Geschäftsmodelle funktionieren weiterhin

Die Bilanzen von BMW und Mercedes zeigen, dass das Geschäftsmodell weiterhin funktioniert. Selbst wenn es in China und in den USA kriselt. Man fährt noch immer Milliardengewinne ein und ist clever genug, die allgemeine Stimmungslage zum Abbau von personellen Fettpolstern zu nutzen. Sicher lässt sich über einzelne Modelle streiten. Aber im Grunde haben beide Premiummarken zu einem klar differenzierten Markenkern gefunden. Auch Renault hat mit Dacia und der Retro-Schiene (R4, R5, Twingo) einen grossartigen, kreativen Lauf. Stellantis feiert die Wiederentdeckung des Verbrenners und arbeitet hart an den Qualitätsproblemen der Vergangenheit. Und Ford hat endlich erkannt, dass es nicht so klug war, den Kern der Stammkunden (die zufriedenen Fiesta- und Focus-Käufer) abzusprengen. Apropos Stammkunden: Die allzu sehr gewollte Hipness der bisherigen ID-Modelle hat nie wirklich zum Markenkern von VW gepasst. Mit ID. Polo und ID. Golf kommen jetzt aber Modelle, mit denen sich auch langjährige VW-Kunden identifizieren können.

Und jetzt mal ganz ehrlich: Mögliche Autokäufer interessieren die Management- und Strukturprobleme der Hersteller fast gar nicht. Niemand wählt ein deutsches Auto, weil damit eventuell ein deutscher Arbeitsplatz gerettet wird. Jeder sucht den besten Deal für sich. Wir wollen für unser hart erarbeitetes Geld einfach gute Autos. Die öffentlichen Streitereien sind pures Gift für jeden Autohändler. Verzieht euch für eure Machtkämpfe gefälligst wieder ins Hinterzimmer!

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