Darum gehts
Im Sommer 1969 schrieb die Apollo-11-Mission Weltraumgeschichte – und die Firma Frisco aus Rorschach SG ein Stück Schweizer Konsumgeschichte. Inspiriert von der Mondmission lancierte Frisco die dreifarbige Raketenglace. Das war ein kleiner Schritt für die Confiseure der Ostschweizer Firma, aber ein grosser Schleck für die Schweizer Glacewelt.
Laut dem Verband Glacesuisse ist die Rakete auch heute noch die beliebteste Glace der Schweiz. Pro Jahr essen Schweizerinnen und Schweizer neun Millionen Stück. «Die Rakete ist nicht nur ein Produkt, sondern ein Stück Sommerkultur», sagt Reto Lüchinger, Länderchef des internationalen Glaceproduzenten Froneri. «Die Mischung aus emotionaler Aufladung, ikonischem Design, einfacher Genusslogik und konsequenter Markenführung hat dafür gesorgt, dass sie über so viele Jahre an der Spitze blieb – und weiterhin sein wird.» Froneri Switzerland produziert die Raketenglace heute unter der Marke Frisco in Goldach SG.
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Von Frisco zu Froneri
Mehr als ein halbes Jahrhundert nach der Markteinführung gehört die Kultwasserglace zum Nestlé-Konzern.
Davor waren die Aktionäre der Konservenfabrik Roco in Rorschach die Besitzer des Herstellers Frisco. Kurz nach der Einführung der Raketenglace fusionierte Roco ihre Tiefkühlsparte Frisco mit Findus. Damit gingen 50 Prozent der Aktienanteile an Nestlé. Neun Jahre später übernahm der Lebensmittelriese aus Vevey das Unternehmen komplett. Seit 2016 gehört Frisco zum Joint Venture Froneri, das Nestlé gemeinsam mit dem britischen Lebensmittelkonzern R&R betreibt.
Eiszeit in Goldach SG
Froneri hat im Jahr 2025 einen Umsatz von rund 5,5 Millionen Euro erwirtschaftet. Der Speiseeisproduzent gibt keine Zahlen zu einzelnen Märkten heraus, gemäss dem Jahresbericht gehört die Schweiz aber zu den acht wichtigsten Märkten, die für rund 73 Prozent des Jahresumsatzes verantwortlich sind.
Zu Froneri gehören neben Frisco auch die Marken Mövenpick, Nuii und Extrême. Trotz Internationalisierung wird die Rakete immer noch in der Schweiz produziert. Die Maschine «Polo» am Produktionsstandort in Goldach fertigt im Winter 350'000 Stück Raketenglace pro Tag für den nächsten Sommer. Über die Förderbänder in Goldach laufen auch andere beliebte Schweizer Glaceklassiker wie Winnetou, Extrême und Pralinato.
Die Schweiz im Schleckfieber
Rund 59 Millionen Liter Glace schleckt die Schweiz nach Angaben des Verbands Glacesuisse pro Jahr, was pro Kopf einer Menge von 6,5 Litern entspricht. Besonders an heissen Sommertagen steigt die Nachfrage, dann wird bis zu dreimal mehr Glace verkauft als an einem regnerischen Frühlingstag.
Die kulinarische Komfortzone verlassen die Konsumentinnen und Konsumenten dabei nur ungern: Am beliebtesten ist die klassische Vanilleglace, gefolgt von Erdbeer und Schokolade. Insgesamt gehen 80 Prozent des Absatzvolumens auf Rahmglace zurück.
Glücklichmacher Glace
Glace macht glücklich. Das zumindest sagt der Neurologe Gregor Hasler im Podcast «Durchblick». Der Grund: Die Kombination aus Zucker und Fett aktiviert unser Belohnungssystem, beflügelt dadurch unsere Stimmung und verleiht uns Glücksgefühle.
Doch das Seelenfutter Glace macht uns nur kurzfristig glücklich. Langfristig gesehen verpufft der Effekt schnell. Daher sollte der berühmte Griff zum Glacekübel bei einer emotionalen Krise nicht auf Dauer zur Bewältigungsstrategie werden.
Wasserglace mit Kultstatus
Mit ihrer prägnanten Form schaffte es die Rakete auch über den Poolrand der Schweizer Badis hinaus ins Museum. Seit 2009 ist die Raketenglace – respektive ihre Verpackung – in der schweizweit grössten Designsammlung des Museums für Gestaltung in Zürich zu finden. Dort reiht sie sich neben Aromat-Dosen, Swatch-Uhren und Victorinox-Sackmessern in die Sammlung von über 580'000 ikonischen Objekten ein, die die Schweizer Identität prägten. Das Raketendesign findet sich auch bei Artikeln wie Kerzen, Schals, Luftmatratzen und Fackeln.
Das Kultprodukt hat 2021 sogar als Kunstobjekt im öffentlichen Raum Einzug gehalten. Das Tessiner Künstlerduo Nevercrew verewigte eine schmelzende Raketenglace als Wandgemälde in der Luzerner Neustadt. Die Künstler wollen mit ihrem Street-Art-Projekt auf den Klimawandel aufmerksam machen.