Darum gehts
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Schweizer Firmen sollten ihre Mitarbeitenden fit machen für die Zukunft. Denn Künstliche Intelligenz und geopolitische Krisen verändern unsere Arbeitswelt. Unternehmen sparen, der sogenannte Workload am Arbeitsplatz wächst. Experten warnen, die «Beschäftigungsfähigkeit vieler Arbeitskräfte» sei unter Druck – sprich: Ihre Jobchancen schwinden.
Besonders gefährdet seien ältere Menschen, Hochschulabsolventen beim Berufseinstieg, psychisch Belastete und Expats.
Doch ausgerechnet diese Personen kommen in Unternehmen oft zu kurz. Das zeigt eine Umfrage des Personaldienstleisters Alixio und der Fachzeitschrift «HR Today» bei über 1200 HR-Managern, Führungskräften und Unternehmern.
Viele sehen Bedarf, wenige handeln
Über drei Viertel der Befragten befürworten zwar eine Stärkung der Zukunftskompetenzen der Angestellten. Aber nur ein Viertel sagt, dass im eigenen Betrieb diese Skills tatsächlich gefördert werden.
«Besonders erstaunt hat mich, dass Unternehmen nicht stärker auf interne Mobilität setzen», sagt Studienautor Edgar Spieler (59) von Alixio zu Blick. Nur ein Fünftel gab an, ihr Unternehmen fördere interne Wechsel. Dabei hält Spieler interne Mobilität und Karriereplanung für essenziell, um die Beschäftigungsfähigkeit der Angestellten zu sichern. Am ehesten setzen die Firmen entsprechende Massnahmen noch für ihre Leistungsträgerinnen und Leistungsträger um.
Ältere könnten den Anschluss verlieren
«Ältere Mitarbeitende werden bei Fördermassnahmen generell eher vernachlässigt», sagt Spieler. In der Umfrage befürwortet zwar eine Mehrheit, dass Ältere bis zur Pensionierung beschäftigungsfähig bleiben. Doch bei konkreten Schritten hapert es. Weniger als ein Drittel schult Ü50-Angestellte im Umgang mit KI und digitalen Tools, nicht einmal ein Fünftel bietet ihnen Talententwicklung an. «50-Jährige haben noch 15 Jahre im Erwerbsleben vor sich. Es ist fatal, sie abzuhängen», sagt Spieler.
Daniella Lützelschwab (59), Leiterin Arbeitsmarkt und Arbeitsrecht des Arbeitgeberverbands, hält dagegen: «Die Unternehmen schätzen Erfahrung und Know-how älterer Mitarbeitender und leisten bereits einiges.» Das zeige eine andere aktuelle Studie, sagt sie. Diese Studie zeigt aber auch: Die Arbeitgeber müssen die Beschäftigungsfähigkeit der Älteren aktiver fördern und ihre Ü60-Angestellten stärker an sich binden.
Massnahmen kosten Zeit und Geld
Nicht besser sieht es an der Basis der Alterspyramide aus. KI erschwert den Berufseinstieg nach der Hochschule. Unterstützung vom Arbeitgeber gibts trotzdem selten. Nur gut ein Viertel der Befragten sagt, ihr Unternehmen biete entsprechende Talententwicklung und Lernmöglichkeiten – obwohl 41 Prozent das wichtig fänden.
Wie kommt es zu dieser Lücke zwischen Anspruch und Realität? Lützelschwab erklärt: «Kompetenzentwicklung braucht Zeit, kostet Geld und muss sich an den konkreten Aufgaben orientieren.» Zudem veränderten sich gewisse Jobs rasant. «Unternehmen müssen laufend beurteilen, welche Kompetenzen künftig benötigt werden und welche Investitionen sinnvoll sind.»
Im Eigeninteresse der Firmen
Noch ist die Arbeitslosigkeit vergleichsweise hoch, der Fachkräftemangel überschaubar. Das könnte sich bald ändern. «25’000 bis 30’000 Angestellte mehr gehen pro Jahr in Rente, als Junge in den Arbeitsmarkt kommen», sagt Spieler. «KI und ausländische Fachleute können die Erfahrung, die wegfällt, nur teilweise kompensieren.»
Wer jetzt nicht alle Mitarbeiter fördert, schadet sich selbst. Denn die Schwächsten unter ihnen sind keine Randgruppe. Spieler schätzt, dass rund die Hälfte aller Angestellten zu einer der vier Risikogruppen gehört, Tendenz steigend. Laut der Umfrage nimmt der Stress am Arbeitsplatz nämlich zu – und damit die psychische Belastung und das Burnout-Risiko.
Lützelschwab bestätigt das Eigeninteresse der Arbeitgeber: «Sie wollen für jede Funktion möglichst geeignete Mitarbeitende. Besteht eine Lücke zwischen erforderlichen und vorhandenen Fähigkeiten, ist es in ihrem Interesse, diese zu schliessen.» Oft sei es einfacher, eigene Mitarbeitende weiterzuentwickeln als neue zu rekrutieren. «Die Aussage, Arbeitgeber täten generell zu wenig, greift deshalb zu kurz», findet sie.