Darum gehts
- Metzger Rafael Kehl schloss im Mai seine Metzgerei in Volketswil
- Grund: Frust über Personalprobleme, besonders mit junger Generation
- Arbeitsmoral der Jungen sorgt immer wieder für hitzige Diskussionen
2022 ging Rafael Kehl (36) ein berufliches Abenteuer ein: Der gebürtige Rheintaler übernahm die Metzgerei von Thomas Luchsinger (65) in Volketswil ZH. Vorher hatte Kehl viele Jahre als angestellter Metzger gearbeitet, plötzlich leitete er nun einen Betrieb. Er sei schon etwas nervös, sagte er am Tag der Eröffnung zum «Zürcher Oberländer». Gleichzeitig gab er sich optimistisch: «Die Kunden haben die Metzgerei nicht vergessen.» Nun, vier Jahre später, ist die Zuversicht weg. Sie wich purem Frust. Rafael Kehl hat seine Metzgerei Anfang Mai geschlossen – per sofort, wie das Portal Nau zuerst berichtet hat.
«Dauerhaft geschlossen», heisst es im letzten Post auf der Instagram-Seite der Metzgerei Kehl. Und weiter: «Wegen personeller Gründe habe ich mich entschieden, die Metzgerei zu schliessen und wieder als Angestellter arbeiten zu gehen.» Personelle Gründe?
Rafael Kehl ist die Freude an seinem Traum einer eigenen Metzgerei vergangen, weil ihn ein Mitarbeiter nach dem anderen frustriert hat – insbesondere das junge Personal. Immer wieder musste er neue Angestellte suchen. Das habe ihn fast in ein Burnout getrieben, sagte Kehl zu Nau. «Viele haben keinen Bock, machen immer krank, wollen nur 80 Prozent arbeiten, aber 100 Prozent verdienen.»
Debatten um die Arbeitsmoral der Jungen
Die Arbeitsmoral der Jungen bietet immer wieder Anlass für hitzige Diskussionen. Und offenbar sind auch andere Arbeitgeber der Meinung, dass die junge Generation keine Lust auf Arbeit hat. So sorgte der Spitexdienst Fit for Care im Februar mit einem Jobinserat für eine Teamleitung Pflege für Wirbel: Im Stellenbeschrieb wies das Unternehmen explizit darauf hin, dass sich eine bestimmte Bevölkerungsgruppe gar nicht erst bewerben muss: «Keine Generation Z!», hiess es ganz oben im Inserat.
Und vor gut zwei Jahren bezeichnete der Bündner Hoteliersdirektor Ernst «Aschi» Wyrsch (64) die junge Generation als «verweichlicht». «Man gibt zu schnell auf, ist rasch genervt, empfindlich und kränklich», sagte Wyrsch damals zur «Südostschweiz». Das sei nicht nur in Hotellerie und Tourismus so, sondern in sämtlichen Branchen. Die Jungen müssten wieder lernen, Konflikte auszuhalten und gegen Widerstände anzukämpfen.
Die Arbeitslosenstatistik zeigt nicht, dass die Arbeitgeber die junge Generation meiden: Pauschale Klischees dürften den Jahrgängen von 1995 bis 2010 kaum gerecht werden. Und für den renommierten Ökonomen Mathias Binswanger (63) gibt es auch einen rationalen Grund für das Phänomen «Lifestyle-Teilzeit»: «Man kann nicht erwarten, dass die Menschen ihr Leben in erster Linie nach den Bedürfnissen der Wirtschaft oder des Staates ausrichten, wenn dazu kein Anreiz besteht. Jeder tut, was für ihn oder sie persönlich am besten ist», sagte er kürzlich in einem Interview mit Blick. Früher sei bei vielen noch das Denken verbreitet gewesen, dass es den eigenen Kindern mal bessergehen soll als ihnen. «Doch das ist kein glaubhaftes Versprechen mehr.»