Schon länger in finanzieller Schieflage
80 Jobs weg – hippe Thurgauer Bürobude ist pleite

Beim Büroausstatter «Witzig The Office Company» aus Frauenfeld TG gehen die Lichter aus. Die Angestellten wurden drei Tage zuvor informiert. Die Thurgauer Traditionsfirma hätte dieses Jahr ihr 80-jähriges Bestehen gefeiert.
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Dieses Bürogebäude in Frauenfeld TG mussten Angestellte des Büroausstatters Witzig The Office Company innert drei Tagen räumen.
Foto: Google Streeet View

Darum gehts

  • Der Büroausstatter Witzig The Office Company ist zahlungsunfähig
  • Die Frauenfelder Traditionsfirma meldete im Dezember 2025 Insolvenz an
  • 80 Angestellte verlieren ihre Jobs
Die künstliche Intelligenz von Blick lernt noch und macht vielleicht Fehler.
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Nathalie BennRedaktorin Wirtschaft

Immer mehr Schweizer Konzerne kehren dem Homeoffice den Rücken und setzen verstärkt auf Büro-Präsenz. Gleichzeitig versuchen sie, qualifizierte Angestellte mit verbesserten Arbeitsbedingungen anzulocken, um dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken. Dazu gehört auch eine hübsche Arbeitsumgebung – mit kleinen Zückerli wie einer modernen Betriebsküche oder Lounge-Zonen.

Diese Kombination wird für Firmen, die Unternehmen mit hippen Bürokonzepten ausstatten, zu einer echten Goldgrube. Nicht aber für die Thurgauer Traditionsfirma «Witzig The Office Company». Das Unternehmen, das sich als «führender Anbieter von umfassenden Bürokonzepten» in der Deutschschweiz bezeichnet, ist zahlungsunfähig. Darüber berichtete das Lokalmedium «Frauenfeld aktuell». 

Mitarbeiter wurden kurzfristig informiert

Demnach hat CEO und Verwaltungsratspräsident Kevin Willy im Dezember den Insolvenzantrag gestellt, wie er gegenüber der Wochenzeitung sagt. Die insgesamt 80 Angestellten wurden am 19. Dezember ins Bild gesetzt, drei Tage später mussten sie jegliche Firmengeräte und -fahrzeuge abgeben und ihre Arbeitsplätze räumen. Dies geschah auf Empfehlung des Konkursamtes, wie der Witzig-Chef zu Blick sagt. Das Wohl des Personals sei stets im Fokus gestanden.

Im Dezember gab es laut Willy zwei Lohnüberweisungen. Zuerst zahlte das Unternehmen am 19. Dezember die Hälfte des Monatslohns aus. Drei Tage später sei dann der volle 13. Monatslohn sowie der Rest des Dezember-Gehalts überwiesen worden, anteilig bis zum 22. Dezember, führt er gegenüber Blick aus. Heisst: Ein kleiner Teil des Lohns für den letzten Monat im Jahr wurde auf Anraten des Konkursamtes nicht abgegolten. 

Das 1946 gegründete Unternehmen befand sich schon länger in finanzieller Schieflage, so Willy zu «Frauenfeld aktuell». Bereits 2019 rutschte man in die roten Zahlen und konnte das Ruder nicht wieder herumreissen. 2023 verliess das letzte Mitglied der Gründerfamilie Witzig den Betrieb. Schliesslich sei man «schweren Herzens zum Schluss gekommen, dass die Insolvenz die einzige Möglichkeit ist», so der Witzig-Chef. 

Entwarfen Büros für Baloise, SIX und Hirslanden

Trotzdem: Der Büroausstatter konnte stets mit namhaften Kunden im Unternehmensportfolio auffahren. So entwarf die Firma Büros für die Baloise Versicherung, die Schweizer Börse SIX, die Hirslanden Klinik und auch für den Medienpark von Ringier Medien Schweiz in Altstetten ZH. 

Über die Insolvenz ist auf der Unternehmenswebsite nichts zu finden. Vielmehr macht alles nach wie vor den Anschein eines Normalbetriebs: So feierte die Firma vor zwei Monaten in einem Linkedin-Beitrag noch die fertige Umgestaltung ihres eigenen Büros in Zürich. Und Anfang Dezember wurde noch das Werbeversprechen gegeben: «Wir liefern dir neues Mobiliar rechtzeitig vor den Feiertagen». Bis zum 21.12. sollten die Bestellungen bei den Kunden eintreffen. Jetzt ist klar: Einen Tag später gingen die Lichter aus. 

Bei Forster mussten Angestellte Monate auf den Lohn warten

Ein weiterer Fall, der in puncto Löhne in der Ostschweiz jüngst für Aufregung sorgte, ist der Küchenbauer Forster: Dort warteten die 135 betroffenen Angestellten des zahlungsunfähigen Betriebs bis Ende Mai 2025 auf die April- und Mai-Gehälter.

Nach langem Hin und Her sollte schliesslich die Arbeitslosenkasse des Kantons Thurgau die ausstehenden Löhne bezahlen. Weil diese dafür aber bis zu acht Wochen brauchte und es für einige Betroffene finanziell extrem eng wurde, eilte schliesslich Unternehmer Giovanni Cerfeda (70) zur Rettung: Der Winterthurer Immo-König, der den Küchenbauer übernehmen will, zahlte die Lohnkosten aus dem eigenen Portemonnaie. 

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