Grosse Blick-Umfrage: Homeoffice bald Geschichte?
Mehr Büro-Präsenz gefordert – aber noch längst nicht grossflächig

Schweizer Unternehmen setzen dieses Jahr auf flexible Homeoffice-Regelungen. Die meisten Firmen erlauben zwei Tage pro Woche, Ausreisser wie ABB sogar vier. Eine Bank verlangt dagegen wieder mehr Präsenz im Büro.
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Homeoffice verliert bei grossen US-Unternehmen an Bedeutung: Präsenz soll Teams stärken und effizienter machen. Kommt dieser Trend auch in die Schweiz?
Foto: Keystone

Darum gehts

  • Schweizer Firmen setzen zunehmend auf hybrides Arbeiten mit Homeoffice-Möglichkeiten
  • Raiffeisen Schweiz begrenzt Homeoffice auf zwei Tage pro Woche
  • Post-Mitarbeitende können Homeoffice flexibel mit Teams abstimmen
Die künstliche Intelligenz von Blick lernt noch und macht vielleicht Fehler.

Zahlreiche US-Unternehmen wie Amazon und die Grossbank JP Morgan haben in den vergangenen Monaten ihre Mitarbeitenden wieder zurück ins Büro geholt. Homeoffice? Für sie erledigt. Die Konzerne setzen auf Präsenz – aus Überzeugung: Sie argumentieren, dass das Team dadurch stärker wird, neue Leute schneller ankommen und die Effizienz steigt. Zudem führt Microsoft Teams im Februar eine Funktion ein, mit der der Chef den Standort des Angestellten überwachen kann. Kehrt die klassische Bürokultur mit der vollen Anwesenheitspflicht auch in die Schweiz zurück?

Ende Sommer beendete Raiffeisen Schweiz ihre grosszügige Haltung. Statt vier Tage Heimarbeit bei einem Vollzeitpensum, sind es für die 2300 Bank-Angestellten nun nur noch zwei Tage. «Wir wollen die persönliche Interaktion und die Zusammenarbeit innerhalb der Organisation stärken», sagt ein Raiffeisen-Sprecher. Insgesamt zeige sich, dass 40 Prozent Homeoffice pro Woche eine gängige und akzeptierte Regelung sei. Die selbständigen Raiffeisenbanken können dagegen individuell entscheiden. Seit Oktober ist zudem Schluss mit Homeoffice für die Mitarbeitenden, die in der Verwaltung und im Marketing der XXXLutz-Gruppe arbeiten. Zum österreichischen Möbelriesen gehören in der Schweiz auch die Marken Conforama, Lipo, Pfister und Mömax.

Eine komplette Abkehr vom Homeoffice ist beim Grossteil der Schweizer Firmen aber nicht auszumachen, wie eine Umfrage von Blick zeigt. Die meisten erlauben, zwei Tage Homeoffice pro Woche bei Vollzeitarbeit. Beispiele dafür sind die grössten Schweizer Krankenkassen Helsana und CSS sowie der Industriekonzern Georg Fischer. Sie alle halten am sogenannten hybriden Arbeiten fest: «Das Arbeiten im Homeoffice entspricht einem Bedürfnis in unserer heutigen Gesellschaft», heisst es bei der Helsana stellvertretend für viele anderen Befragten. 

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Grosse Ausnahme: Beim Technologiekonzern ABB dürfen Mitarbeitende bis zu vier Tage pro Woche von zu Hause aus arbeiten. «Bis zu 80 Prozent Homeoffice wird von den Mitarbeitenden sehr geschätzt – gar erwartet», sagt ein ABB-Sprecher zu Blick. Bewerberinnen und Bewerber fragen im Vorstellungsgespräch häufig danach, heisst es weiter. Auch der Internet-Gigant Google fördere die Attraktivität als Arbeitgeber durch Remote-Work: Mitarbeitende können bis zu vier Wochen pro Jahr von einem frei gewählten Ort aus arbeiten.

Firmen setzen auf Eigenverantwortung

Statt auf zwei Tage Homeoffice, setzen manche Firmen auf individuelle Regeln. So auch die Post. Von den rund 45'000 Mitarbeitenden können etwa 12'000 grundsätzlich im Homeoffice arbeiten. Die Teams entscheiden selbst, wie sie Präsenz- und Remote-Arbeit kombinieren. Doch die Post hält fest an der klassischen Bürokultur: «Die gemeinsame Zeit im Büro bleibt bei der Post auch in Zukunft die dominierende Arbeitsform.» Homeoffice ergänze diese als fester Bestandteil. 

Auch bei der Finanztochter Postfinance gibt es keine festgelegte Obergrenze für die Arbeit im Homeoffice. «Statt die Arbeit im Homeoffice oder die Anwesenheitspflicht im Büro fix zu regeln, setzen wir auf Vertrauen und Eigenverantwortung», erklärt eine Sprecherin auf Anfrage. Dabei bestimmt die Art der Aufgaben den Arbeitsort. Diese Entscheidung werde in Absprache mit der jeweiligen Führungsperson getroffen. Auch der Marktplatzanbieter Swiss Market Place Group, der Pharmariese Novartis oder der Rückversicherer Swiss Re setzen auf Eigenverantwortung. 

Beim Grossverteiler Coop arbeiten dagegen rund 90 Prozent der Mitarbeitenden in Verkauf, Logistik oder Produktion, wo Homeoffice nicht möglich ist. Mitarbeiter der Verwaltung mit einem Pensum von bis zu 100 Prozent dürfen einen Tag pro Woche von zu Hause aus arbeiten.

Homeoffice soll einfacher werden

In der Schweiz ist von einer Abkehr vom Homeoffice bisher noch nichts zu spüren. Unter den Grossbetrieben hat lediglich der Industriekonzern Sulzer das Homeoffice komplett abgeschafft, wie Blick bereits im September 2024 bekannt machte.

Der Nationalrat will das Arbeitsgesetz nun so auflockern, dass Homeoffice in Zukunft einfacher wird. Die Neuerungen sollen insbesondere Leuten helfen, die ihre Arbeitszeit weitgehend selbst bestimmen können, damit sie Beruf, Familie und Freizeit besser vereinbaren können. Eine schriftliche Vereinbarung separat für Homeoffice hält der Nationalrat nicht für notwendig. Der Entscheid des Ständerats steht noch aus.


 

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