Darum gehts
Andy Bleiker kennt sich mit Ruten, Patenten und Würmern aus. Von Onlinemarketing und dergleichen versteht er deutlich weniger. Und so kaufte der Besitzer eines kleinen Ladens für Fischereibedarf entsprechende Leistungen bei Localsearch ein. Mit gravierenden Folgen.
Der 59-Jährige liess sich von Aussendienstlern der Swisscom-Tochter immer wieder neue Verträge aufschwatzen. Am Stichtag 4. März 2026 liefen 20 Verträge auf seinen Zürcher Fischershop. Das zeigt die Vertragsübersicht zu seiner Kundennummer. Die Dienstleistung Digitalplus etwa, die Werbung des Kunden bestmöglich platziert, taucht gleich 16-mal auf der Liste auf.
Das ist ein Beitrag aus dem «Beobachter». Das Magazin berichtet ohne Scheuklappen – und hilft Ihnen, Zeit, Geld und Nerven zu sparen.
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Verträge über 221'000 Franken für den Einmannbetrieb
Das gesamte Auftragsvolumen – die Verträge laufen jeweils über drei Jahre – betrug zu diesem Zeitpunkt zwischen 2023 und 2028 Fr. 221'463.70. Allein 2025 bezahlte Bleiker 64'156 Franken. Der Betrag steht in einem grotesken Verhältnis zu seinem Einmannbetrieb und dem Ladenlokal mit rund 50 Quadratmetern Fläche.
«Immer wieder kamen Verkäufer von Localsearch zu mir in den Laden und erklärten mir, was ich alles für eine gute Online-Präsenz brauche», sagt Bleiker zum «Beobachter». Er habe dann jeweils unterschrieben, weil er der Firma vertraute – immerhin sei sie eine Swisscom-Tochter und damit eigentlich fast schon ein Staatsbetrieb. Heute sei ihm klar, dass er vielleicht ein wenig naiv war.
Als die Rechnungen immer höher wurden und erste Betreibungen im Raum standen, suchte der Ladenbesitzer Rat bei einem Kollegen, «der mehr von solchen Sachen versteht». Danach verlangte er von Localsearch den eingangs erwähnten Auszug seiner laufenden Verträge.
Er bittet um Vertragsanpassungen
Einige der Posten auf Bleikers Auszug waren kurz vor Ende ihrer Laufzeit. Trotzdem wurden sie nicht ersetzt, sondern es wurden überlappend neue Verträge abgeschlossen. «Die Verkäufer haben mir gesagt, der neue Vertrag würde den alten ersetzen. Und ich hatte keinen Grund, anzunehmen, dass das nicht stimmt», sagt Bleiker. In einem Fall kann Bleiker das sogar mit einer E-Mail beweisen.
Am 31. März nahm er mit Localsearch Kontakt auf. Er schrieb, dass er sich rückblickend während der Verkaufsgespräche nicht ausreichend transparent und fair beraten gefühlt habe. Dass das Auftragsvolumen nicht ansatzweise der Grösse seines Betriebs und seiner wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit entspreche. Und er bat darum, eine angemessene Anpassung der Verträge vorzunehmen.
Drei Wochen später erhielt er ein neues Angebot über 135'421 Franken für drei Jahre, plus einmalig 5889 Franken, Letzteres allerdings ohne nähere Angaben, wofür. Die Beträge verstünden sich ohne Mehrwertsteuer. Auch dieser Verkäufer behauptete, dass mit diesem neuen Vertragsbündel die alten Verträge ersetzt würden.
Localsearch weist Vorwürfe zurück
Allerdings ist das in den neuen Verträgen nicht explizit festgehalten. Die entsprechenden Kästchen sind nicht angekreuzt. Hätte Andy Bleiker diese Papiere unterzeichnet, hätten im schlimmsten Fall weitere 45'140 Franken pro Jahr dazukommen können.
Localsearch weist «die erhobenen Vorwürfe» auf Anfrage des «Beobachters» «entschieden zurück». Die Darstellung, ihre Mitarbeitenden würden Kunden täuschen, zu Abschlüssen drängen oder unzulässige Geschäfte tätigen, entbehre jeder Grundlage. Dies, obwohl die oben erwähnte E-Mail auch Localsearch vorliegt. Auf die Frage, ob die Verkäufer von Localsearch auf Provision arbeiten, erhielt der «Beobachter» keine Antwort.
Weiter schreibt die Firma: «Aufgrund der Intervention des Beobachters ergab sich, dass der Kunde unserer ersten Offerte nicht zustimmt. Darum haben wir dem Kunden aus Kulanz ein weiteres Angebot gemacht, um seiner Situation Rechnung zu tragen.» Man werde Herrn Bleiker alle bisherigen Forderungen erlassen und die Belastung auf 17'531 Franken pro Jahr reduzieren. Die Kosten für den Webshop seien allerdings nicht enthalten, da dieser Vertrag bald auslaufe. Andy Bleiker hat den Deal angenommen.