Darum gehts
Die beste Curlerin der Schweiz hat eine neue Aufgabe. Wenige Monate nach ihrem Rücktritt vom Spitzensport ist Silvana Tirinzoni (47) seit Anfang September Cheftrainerin der südkoreanischen Curling-Nationalteams. Sie betreut künftig sämtliche Nationalteam-Kategorien – von den Frauen und Männern bis zum Mixed-Doppel.
Nun könnte man einwenden: Warum arbeitet Tirinzoni nach ihrer Karriere nicht für den eigenen Verband, sondern für die Konkurrenz aus Asien? Für Swiss Curling ist der Wechsel nach Korea aber kein Grund zur Wehmut. «Wir finden es schön, wenn solche Topathleten mit grossen internationalen Erfolgen dem Curlingsport erhalten bleiben», sagt Patrick Reber zu Blick, er ist Head of Operations beim Curling-Verband. «Wir haben ihren neuen Job sehr wohlwollend zur Kenntnis genommen.»
Tirinzoni ist die erfolgreichste Schweizer Curlerin der Geschichte. Mit ihrem Team gewann sie zwischen 2019 und 2023 vier WM-Titel in Serie, blieb dabei in 42 WM-Spielen ungeschlagen und holte bei den Olympischen Spielen 2026 Silber. Insgesamt nahm sie dreimal an Winterspielen teil.
Jobs von Swiss Curling abgelehnt
Hat Swiss Curling seine langjährige Topspielerin nun also an Südkorea verloren? Reber widerspricht. «Verloren? Nein, das dürfen wir nicht sagen. Ich habe nicht das Gefühl, dass wir Silvana verloren haben. Es ist einfach eine neue Herausforderung für sie.» Und: «Die Türen stehen offen für Silvana, wenn sich bei Swiss Curling der richtige Job anbietet.» Reber fügt an: «Wir können davon ausgehen, dass sie irgendwann wieder in die Schweiz zurückkehrt.»
Tatsächlich hatte der Verband mit Tirinzoni nach ihrem Rücktritt Kontakt. Sowohl über die aktuell offene Position als Head of Sports als auch über jene als Leistungssportchefin wurde gesprochen. «Es war für sie nicht der richtige Zeitpunkt, diese Aufgaben bei Swiss Curling zu übernehmen», erklärt Reber.
Der Verband bedauert ihre Entscheidung nicht, sondern hofft auf ein Wiedersehen. Tirinzoni sei «eine grosse Persönlichkeit für den Curlingsport, international und in der Schweiz» gewesen und habe diesen «mega geprägt». «Vielleicht wurden ihre Erfolge gar zu wenig honoriert», meint Reber ehrlich.
Spannend ist in diesem Zusammenhang auch: In ihrem ausführlichen Rücktrittsschreiben im Frühling erwähnte die abtretende Zürcherin den Verband mit keinem Wort. Tirinzoni selbst wollte sich gegenüber Blick zu ihrer neuen Aufgabe nicht äussern.