Darum gehts
- Melanie Hasler wechselt nach Bob-Karriere zum Weitsprung und trainiert intensiv
- Ziel: Top 3 in der Schweiz, später internationale Wettkämpfe und Olympia möglich
- Schweizer Top-3-Weiten: Annik Kälin 6,90 m, Maëva Tahou 6,56 m, Marina Zanoni 6,33 m
Es dürfte zumindest in der Neuzeit des Schweizer Sports einmalig sein. Melanie Hasler (28) wagt sich nach Beachvolleyball und ihrer Karriere zuletzt im Bob nun mit dem Weitsprung bereits an die dritte Sportart.
Nach dem Rücktritt im Eiskanal Ende letzter Saison gehts also zurück in den Sommersport. Hasler bestätigt das in der Leichtathletik-Szene seit Monaten eher schlecht gehütete Geheimnis nun im «Bremgarter Bezirks-Anzeiger».
«Ich trainiere seit Monaten im Weitsprung. Es macht mir riesigen Spass», sagt die Aargauerin. Hasler wurde letzten Januar zweifache Bob-Europameisterin, trat dann aber nach den medaillenlosen Olympischen Spielen zurück. Auch aus Frust, weil die sportlichen Perspektiven im Eiskanal angesichts der dominanten Nationen wie Deutschland und den USA eher dürftig sind.
Haslers aussergewöhnliche Sprungwerte machten sie zur Bob-Pilotin
Nun wird sie zur Weitsprung-Anfängerin. Hasler trainiert beim LC Zürich sowie am OYM in Cham ZG, wo sie bereits während der Bob-Laufbahn viel an ihrer Physis gearbeitet hat.
Die Wahl für Weitsprung ist eigentlich nicht besonders überraschend – Haslers Sprungkraft ist aussergewöhnlich und war der Grund, warum sie als Beachvolleyballerin für den Bobsport entdeckt wurde. Als der damalige Swiss-Sliding-Nachwuchschef Christoph Langen (64) bei einem Austausch unter Trainern Haslers Sprungkraftwerte zu Gesicht bekam, lud er sie zu einem Probetraining ein. Der Rest ist Geschichte. Die Aargauerin hörte mit erst 27 Jahren als erfolgreichste Schweizerin aller Zeiten auf.
Die grosse Frage: Was ist für Hasler im Weitsprung möglich? «Zuerst möchte ich in die Top 3 der Schweiz. Dann ist das Ziel, es an internationale Wettkämpfe zu schaffen. Alles andere sind grosse Träume.» Die Olympischen Sommerspiele 2028 oder auch 2032 als ultimativer Traum? «Ob Olympia realistisch ist, weiss ich nicht. Wir haben in den Trainings noch nie eine Weite gemessen», beteuert sie. Bei ihr sei ausserdem eine Rückenblessur entdeckt worden, deshalb gilt der Fokus eher schon der Saison 2027. Das Debüt in einem Wettkampf noch in diesem Sommer ist aber dennoch denkbar.
Annik Kälin unerreichbar – was ist dahinter möglich?
Klar ist: Hasler muss eine Sechs-Meter-Springerin werden. In den landesweiten Top 3 figurieren aktuell natürlich Ausnahmeathletin Annik Kälin (26), die Schweizer Rekordhalterin (6,90 Meter), die im Mai bei ihrem Siebenkampf-Triumph in Götzis mit (für die Rekordlisten) zu viel Windunterstützung 6,96 Meter schaffte.
Aktuelle Schweizer Nummer 2 ist Maëva Tahou (22), die in den USA studiert und im Juni auf 6,56 Meter flog. Nummer 3: Marina Zanoni (22), die im Mai mit zu viel Wind 6,33 Meter erzielte. Zanoni ist auch aktuelle Schweizer Meisterin. Für die SM in drei Wochen im Zürcher Letzigrund beträgt die Quali-Limite übrigens 6,00 Meter.
Ob Hasler wirklich bald in diese Regionen springen kann? Klar ist: Die Bob-Europameisterin baut sich neben dem Leichtathletik-Abenteuer weitere Standbeine auf. Sie hat die Aufnahmeprüfung an der Zürcher Hochschule der Künste bestanden, sie wird ein Kunststudium beginnen. Und auch mit dem Eiskanal bleibt sie nicht nur wegen ihres Freundes und Bob-Piloten Michael Vogt (28) verbunden: Hasler erhält beim Verband ein kleines Pensum in der Kommunikation von Swiss Sliding.