Darum gehts
- Dominic Stricker kämpft sich nach Verletzungen zurück und fühlt sich fit
- Er beendete die Zusammenarbeit mit Henri Laaksonen, trainiert nun in Biel
- Ranking auf Platz 343, braucht dringend Punkte vor Saisonende im Herbst
Dominic Stricker (23) hat schwierige Monate hinter sich. Verletzungen werfen den Berner immer wieder zurück, im Ranking stürzt er bis auf Platz 343 der Weltrangliste ab.
Nun startet der US-Open-Achtelfinalist von 2023 den nächsten Anlauf – mit neuem Trainerteam und vor allem mit einem Gefühl, das ihm lange gefehlt hat. «Ich fühle mich körperlich wirklich sehr gut», sagt Stricker im Gespräch mit Blick. «Zum ersten Mal seit langer Zeit kann ich mich komplett aufs Tennis konzentrieren.»
Genau das sei in den vergangenen Jahren oft nicht möglich gewesen. Immer wieder bremsten ihn körperliche Probleme aus. «Wenn du ständig überlegen musst, ob dein Körper hält, ist das schwierig. Jetzt weiss ich endlich wieder: Er macht das, was ich will.»
Trainer weg – zurück zu den Wurzeln
Vor wenigen Wochen beendet Stricker die Zusammenarbeit mit Henri Laaksonen (34). Die Trennung erfolgt ohne Streit. Das Problem liegt vielmehr in der Organisation. Weil Laaksonen in Dubai lebt, verbringt Stricker viele Trainingswochen alleine. «Ich bin jetzt zurück bei Swiss Tennis in Biel. Dort kennen sie mich seit eh und je», sagt er. «Das hilft mir, wieder zu meinem Spiel zurückzufinden.»
In Gstaad begleitet ihn Davis-Cup-Teamkollege Michael Lammer (44): «Im Moment ist es eine Übergangslösung. Danach schaue ich weiter.» Die Suche nach dem richtigen Coach läuft also weiter. Gleichzeitig versucht Stricker, sportlich wieder Tritt zu fassen.
«Mir fehlen die Automatismen»
Physisch fühlt sich der Linkshänder wieder bei 100 Prozent. Was ihm noch fehlt, sind Wettkampfrhythmus und Konstanz. «Die ganzen Matches, jede Woche wieder auf diesem Niveau zu performen – das merke ich im Moment am meisten», erklärt er. «Diese Automatismen kommen nur über Spiele.»
Trotzdem spürt er, dass die Richtung stimmt. Rücktrittsgedanken, die ihn während der Verletzungszeit kurz beschäftigen, sind längst verschwunden. «Ich habe extrem viel Spass, wieder kompetitiv zu sein», sagt Stricker dem «Tages-Anzeiger». «Es macht mir Freude, jede Woche gegen die besten Spieler anzutreten.»
Die Motivation kommt zurück
Dass ehemalige Weggefährten inzwischen auf der ATP-Tour durchstarten, motiviert ihn zusätzlich. Flavio Cobolli (24, ATP 9), mit dem Stricker früher Doppel spielte, gehört inzwischen zur Weltspitze. «Es ist cool zu sehen, was möglich ist», sagt er. «Viele Spieler, mit denen ich gross geworden bin oder die ich schon geschlagen habe, sind heute ganz vorne. Das motiviert mich.»
Neid verspüre er deshalb keinen. «Nein. Dafür muss einfach sehr vieles zusammenpassen.» Klar ist aber auch: Die kommenden Monate werden entscheidend. Stricker braucht dringend Ranglistenpunkte, um sich wieder nach vorne zu arbeiten. Nach dem Sommer folgt zudem die Sportler-RS in Magglingen, weshalb seine Saison bereits im Herbst endet.
Der Druck ist entsprechend gross. Stricker wirkt dennoch gelassen. Denn erstmals seit langer Zeit hat er wieder das Gefühl, dass nicht mehr der Körper sein grösster Gegner ist. «Ich geniesse es einfach wieder, Tennis zu spielen», sagt er. «Und das ist wahrscheinlich das Wichtigste überhaupt.»
Zunächst richtet sich der Fokus aber auf Gstaad. Dort trifft Stricker am Montag (17.30 Uhr) in der Startrunde auf den Spanier Jaume Munar (29, ATP 44).