Darum gehts
- Susan Bandecchi erreicht erstmals ein Grand-Slam-Hauptfeld
- 79'000 Franken Preisgeld für die erste Runde sind enorm für sie
- Tessinerin verbindet schöne Erinnerungen mit Paris – wegen Roger Federer
Als Susan Bandecchi (27) in Roland Garros nach ihrem 6:1, 6:2-Quali-Erfolg über die Slowakin Viktoria Hruncakova (28) in Richtung Kabine läuft, bleibt sie plötzlich überrascht stehen. Da stehen auf einmal vier Journalisten, die sie zu ihrem allerersten Einzug in ein Grand-Slam-Hauptfeld befragen wollen. «Seid ihr alles Schweizer?», fragt sie ungläubig und versteht dann die Welt noch weniger, als das folgende Gespräch auch noch auf Italienisch stattfindet.
Die Tessinerin ist sich als Weltnummer 215 ein grosses Medieninteresse nicht gewohnt. Doch in ihrer Muttersprache sprudelt es dann nur so aus ihr heraus. Bandecchi erzählt von ihren Anfängen als tennisbegeistertes Kind aus Montagnola TI, von ihrem frühen Auszug aus dem Elternhaus mit bereits 16 Jahren, um in Mailand ihrer Profikarriere eine Chance zu geben. Von ihrer Mutter, einer aus Chile im Kindesalter eingewanderten Biologin, und ihrem Schweizer Vater, der früher Ambulanzen fuhr und auch heute noch im Notfalldienst arbeitet. Beide hätten sie für ihre Tochter «viele Opfer» bringen müssen, damit diese ihren Traum leben durfte.
Eine Riesensumme als Belohnung
Bandecchis Eltern müssen auch dieser Tage der Arbeit wegen in der Schweiz bleiben, während sie an den French Open zum ersten Mal im grossen Rampenlicht steht. In Runde eins trifft sie am Montag oder Dienstag auf die Spanierin Cristina Bucsa (WTA 31). «Das wird das grösste Spiel meines Lebens», sagt Bandecchi strahlend, «und es gibt auch so viel Geld wie noch nie».
Umgerechnet rund 79’000 Franken brutto sind alleine für die Auftaktrunde ausgeschrieben, was für eine Spielerin wie Bandecchi, deren bestes Karriere-Ranking Platz 164 ist, eine Riesensumme darstellt. Eine, die dringend benötigt wird, da die Fixausgaben aufgrund von Reisen, Unterkünften und Trainerlöhnen, sehr hoch sind.
«Meine Kosten für ein Jahr belaufen sich auf 80’000 bis 100’000 Franken», sagt Bandecchi, die lange sogar noch Extrarunden drehen musste, um gut über die Runden zu kommen: «Ich spielte extra noch Interclub in der Bundesliga für Stuttgart sowie in Italien für Mailand, damit mehr Geld hereinkam.»
Am Sonntag:
12.00 Uhr: Belinda Bencic (WTA 11) – Sinja Kraus (Ö, WTA 101)
Am Montag:
Stan Wawrinka (ATP 119) – Arthur Fils (Fr, ATP 19)
Noch nicht terminiert:
Viktorija Golubic (WTA 82) – Panna Udvardy (WTA 68)
Simona Waltert (WTA 93) – Katerina Siniakova (Tsch, WTA 36)
Jil Teichmann (WTA 207) – Ljudmila Samsonova (Rus, WTA 20)
Susan Bandecchi (WTA 215) – Cristina Bucsa (Sp, WTA 31)
Am Sonntag:
12.00 Uhr: Belinda Bencic (WTA 11) – Sinja Kraus (Ö, WTA 101)
Am Montag:
Stan Wawrinka (ATP 119) – Arthur Fils (Fr, ATP 19)
Noch nicht terminiert:
Viktorija Golubic (WTA 82) – Panna Udvardy (WTA 68)
Simona Waltert (WTA 93) – Katerina Siniakova (Tsch, WTA 36)
Jil Teichmann (WTA 207) – Ljudmila Samsonova (Rus, WTA 20)
Susan Bandecchi (WTA 215) – Cristina Bucsa (Sp, WTA 31)
Bandecchi ist ein Paradebeispiel für Hunderte von Spielerinnen, die an kleinen Turnieren versuchen, die schwierige Leiter hochzuklettern, um irgendwann mal die magische Schwelle der Top 100 zu überschreiten. Oder eben bei einem Grand Slam im Konzert der Grossen mitzuspielen.
«Sie erinnert mich an Nadal»
Jahrelang war Bandecchi in den Qualis für die vier grössten Events des Jahres hängengeblieben. 2021 stand sie in Paris schon einmal in der dritten und letzten Quali-Runde, flog dann aber raus. Allerdings verbindet sie dieses Jahr auch mit einem inspirierenden Treffen mit Roger Federer (44), wie sie sagt: «Ich sah ihn im Restaurant und sagte mir: ‹Jetzt musst du zu ihm hin.› Ich habe mich dann artig vorgestellt – mit einem ‹Hallo Roger, ich heisse Susan und bin auch aus der Schweiz›. Und er meinte nur: ‹Ich weiss, wer du bist.› Da war ich schon ein wenig geschockt.»
Auch Billie-Jean-King-Cup-Captain und Blick-Tennis-Experte Heinz Günthardt (67) hat Bandecchi schon lange auf dem Radar. Er sagt zur Spätzünderin: «Susan ist ein Vorbild dafür, wie man sich im Tennis auch langsam hochhangeln kann. Sie lässt auf dem Platz alles liegen, was sie kann. Sie erinnert mich von der Einstellung her an Rafael Nadal.» Nun darf Bandecchi ausgerechnet an jener Stätte, wo Letzterer mit 14 Triumphen Rekordchampion ist, ihr Glück versuchen.