«Fühlen uns nicht gehört»
Tennis-Star Bencic fordert bei den French Open mehr Geld

Die Stars machen an den French Open ihre Boykott-Drohung wahr – und kritisieren im Preisgeld-Streit wiederholt die Veranstalter. Auch Belinda Bencic hat eine starke Meinung dazu.
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Belinda Bencic beteiligt sich an den French Open am Protest.
Foto: Claude Diderich/freshfocus

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Aryna Sabalenka und Tennis-Stars boykottieren Medientage bei Roland Garros
  • Sie fordern höhere Preisgelder: aktuell nur 15 % der Einnahmen
  • Roland Garros erhöhte Prämien um 9,5 %, Stars wollen jedoch mindestens 22%
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Marco PescioReporter Sport

Es ist ein kurioses Ende einer bewusst zügig abgehaltenen Medienkonferenz. Nach rund acht Minuten erklärt Aryna Sabalenka (28), die Weltnummer eins bei den Frauen, ihre Sprechzeit für die internationale Presse sei nun vorüber. Es folge nun ein kurzer Abschnitt für die russischsprachigen Medien und dann noch fünf Minuten für das TV-Weltsignal – dann sei Schluss. Sabalenka macht ernst mit dem angekündigten 15-Minuten-Boykott für die Medientage vor Roland Garros.

Dienst nach Vorschrift. Für mehr sind die Tennis-Stars beim zweiten Grand-Slam-Turnier des Jahres nicht bereit. Es ist ihre Antwort auf den Preisgeld-Streit mit den Veranstaltern. Auch Belinda Bencic (29) beteiligt sich. Sie sagt: «Wir möchten nicht die Medien bestrafen, wir möchten damit nur zeigen, dass wir uns nicht gehört fühlen.»

Die Profis sind frustriert

Die 15 Minuten sind eine Andeutung an die 15 Prozent der Einnahmen, die bislang an die Spielerinnen und Spieler gehen. Zwar hat Roland Garros das Prämientotal in diesem Jahr um 9,5 Prozent erhöht, doch das ist aus Sicht der Protagonisten immer noch zu wenig. In einem offenen Brief Anfang Mai beklagten diverse Top-Stars wie Jannik Sinner (24), Carlos Alcaraz (23) oder eben Sabalenka, dass die besagten Einnahmen der French Open im letzten Jahr um etwa 14 Prozent gestiegen seien und der neue Betrag ihrer Meinung nach deshalb nicht gerecht sei.

Was die Stars wollen, sind mindestens 22 Prozent, was eine «faire» Forderung darstelle, wie Sabalenka betont. Damit möchten die Profis auf das Niveau der ATP- und WTA-Turniere kommen. «Und vor allem geht es hier um die tiefer klassierten Spielerinnen und Spieler», so Sabalenka, «es ist nicht einfach für sie, so auf dieser Tour zu leben».

Im Vergleich zu anderen Sportarten kassieren die Tennis-Asse tatsächlich deutlich weniger ab. Zum Basketball ist der Unterschied beispielsweise krass – in der NBA gehen 50 Prozent der Liga-Einnahmen an die Spieler. Sinner und Co. fordern deshalb schlicht und einfach «mehr Respekt». Und Bencic sagt: «Wir möchten in erster Linie eine fairere Verteilung. Es geht hier auch um andere Leistungen.»

Etwa die Einrichtung eines Wohlfahrtsfonds für Verletzungsversicherungen und Renten, einen Mutterschaftsfonds sowie formelle Mitspracherechte bei künftigen Entscheidungen. «Wir finden, wir müssen besser zusammenarbeiten – doch wir können bislang einfach nicht mit ihnen zusammensitzen», so die Ostschweizerin, die derzeit die Weltnummer elf ist.

Djokovic macht nicht mit, aber…

Der französische Tennisverband (FFT) reagierte mit «Bedauern» auf die Protestaktion und erklärte, er sei sich «der Bedeutung des Beitrags der Spieler zum Erfolg des Turniers bewusst und möchte weiterhin enge Beziehungen zu ihnen pflegen». Eine Reaktion, mit der sich die Profis ganz sicher nicht zufriedengeben. Schon jetzt ist klar, dass das letzte Wort in diesem Preisgeld-Streit noch lange nicht gesprochen ist.

Grand-Slam-Rekordmann Novak Djokovic (39) hat sich übrigens nicht am Boykott beteiligt, er schlägt sich aber dennoch auf die Seite seiner Kollegen: «Jetzt ist die richtige Zeit für diese Diskussion. Ich hoffe, wir können das mit so wenig Turbulenzen wie möglich durchsetzen.» Er findet, die Preisgeld-Thematik sollte sich ausweiten auf die gesamte Tour – insbesondere auf die kleineren Turniere, um dort bessere Bedingungen zu schaffen.

Bislang ist es so, dass nur die Besten im Zirkus richtig gutes Geld verdienen – schon ab den Top 50 aufwärts müssen sich die Profis teilweise arg strecken, um die wegen Reisen und Personal sehr hohen Fixkosten decken zu können.

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