«Federer ist der Schweizer-GOAT»
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Shelton im Interview:«Federer ist der Schweizer-GOAT»

US-Tennisstar in Zürich
Shelton holt sich Tipps von Federer – und einen Döner

Ben Shelton jagt auf der Tennis-Tour die Giganten Sinner und Alcaraz – daneben hat er mittlerweile viel Bezug zur Schweiz. Ein Gespräch über kulinarische Ausflüge, Fachsimpeln mit Federer und Sprücheklopfen mit Wawrinka.
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Ben Shelton im Zürcher Kreis 5 – er denkt gerne an kulinarische Erlebnisse in der Stadt zurück.
Foto: Sven Thomann

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Ben Shelton besucht Zürich – und spricht über seine Schweizer Erfahrungen
  • Er trainierte mit Talent Henry Bernet und erzählt eine Wawrinka-Anekdote
  • Worin seine berühmte Freundin besser ist als er

Er hat in diesem Jahr schon zwei ATP-Titel in der Tasche (Dallas und München) und ist die Weltnummer sechs: Ben Shelton (23) ist einer der heissesten Kandidaten, die versuchen, den Männertennis-Dominatoren Jannik Sinner (24) und Carlos Alcaraz (22) den Rang abzulaufen. Und er kennt die Schweiz nicht nur, weil er einst bei Roger Federers (44) Agentur unter Vertrag stand, sondern, weil er auch mit der Schweizer Sportbekleidungsmarke On zusammenarbeitet. Blick traf Shelton zwischen den Turnieren im Rahmen einer Zürcher Stippvisite im On-Tower zum Interview. 

Blick: Ben Shelton, Sie haben Zürich nun schon einige Male besucht. Was tun Sie, wenn Sie in der Stadt sind?
Ben Shelton: Es ist jeweils ein kurzer Stopp. Aber wir probieren immer wieder mal ein anderes Restaurant aus. Und ein Besuch von «Mit & ohne Kebab» gehört mittlerweile auch dazu. Ich liebe dieses Döner-Lokal. Und …

Ja?
Wir waren einst in der «Kronenhalle» für ein Abendessen. Und dabei habe ich Panaché für mich entdeckt. Fondue und Raclette sind allerdings nicht so meins – ich bin nicht der grösste Käsefan.

Dafür kennen Sie sich mit Schweizer Tennisspielern aus. Mit dem damals erst 17-jährigen Talent Henry Bernet absolvierten Sie vor zwei Jahren in Horgen sogar ein Training.
Genau. Und ehrlich gesagt war ich ziemlich überrascht, wie gut er war. Er war wirklich noch jung, doch ich fand es beeindruckend, wie er schon damals den Ball schlug, wie er sich auf dem Platz bewegte, welche Intensität er in seinem Spiel hatte und wie er auf meine Bälle reagierte.

Er versucht gerade, auf Profistufe Fuss zu fassen, hatte aber noch gesundheitliche Rückschläge. Welche Perspektive sehen Sie für ihn?
In erster Linie ist er einfach ein guter Junge, mit einer tollen Familie und sehr viel Potenzial, was das Tennis anbelangt. Ich glaube wirklich, dass er die Fähigkeiten besitzt, um ein grossartiger Spieler zu werden. Er ist für sein Alter schon sehr weit und er ist gross (1,91 m, d. Red.), hat eine wunderbare, einhändige Rückhand. Ich glaube, er wird in den kommenden Jahren wichtig fürs Schweizer Tennis werden.

Sie selbst haben einst bei einem anderen Schweizer Tipps abgeholt. Bei Roger Federer. Was riet er Ihnen?
Es ging um den Service.

Dabei sind Sie einer der Topspieler auf der Tour, dessen Aufschlag eine echte Granate ist, mit regelmässig 230 km/h.
Ja, das ist für mich mittlerweile normal. Aber ich sehe eben auch, dass es heutzutage viele junge Spieler gibt, die richtig stark servieren können. Deshalb musst du schauen, wo du bleibst.

Und was riet Ihnen Federer nun?
Es ging um die Präzision. Und auch um den Volley auf der Sandunterlage. Und dann auch noch ein bisschen darum, in langen Ballwechseln geduldig zu sein und auch mal zu verlangsamen, selbst wenn ich offensiv eingestellt bin.

Federer ist Investor bei On. Doch er war es offenbar nicht, der Sie zur Schweizer Marke lockte.
Nein. Ich hatte zunächst andere Kontakte. Ich traf mich mit einer Delegation von On in New York, sie zeigten mir ihre zehnminütige «Black Ice»-Doku (über Akwasi Frimpong, den ersten schwarzen Olympiateilnehmer im Skeleton, d. Red.). Sie überzeugten mich mit ihrem Pitch und ihrer Vision. Ich unterschrieb noch im selben Monat.

Sie sind überhaupt ein grosser Sportbegeisterter. Wie auch Carlos Alcaraz, der in einem anderen Leben wohl Golfer wäre. Oder Jannik Sinner, der ein guter Skifahrer gäbe. Bei Ihnen ist diese Frage jedoch schwieriger.
Warum?

Weil Sie in Ihrer Jugend so ziemlich alles machten. American Football, Basketball, Baseball, Schwimmen …
Aha, das stimmt. (Lacht.) Wahrscheinlich wäre ich Footballer geworden, diesen Sport mochte ich am meisten. Ich glaube, als Kind ist es wichtig, so viele Dinge wie möglich auszuprobieren. Jeder Sport hilft bei der Ausübung eines anderen. So wirst du ein guter, vielseitiger Athlet. So hast du jede Menge Spass und du brennst nicht sofort aus.

Wären Sie in Ihrer Kindheit gelangweilt gewesen nur mit Tennis?
(Überlegt.) Ja, ich glaube schon. Als ich jung war, war Tennis nicht mein Lieblingssport. Ich habe mich für diesen Sport nicht gleichermassen interessiert wie für andere. Es war auch nicht gerade das Coolste in den USA, als ich aufgewachsen bin. Doch mit der Zeit habe ich mich mit Tennis angefreundet und es lieben gelernt. Aber es war zu Beginn wirklich nicht meine erste Wahl.

Persönlich

Ben Shelton (23) ist die Weltnummer sechs und damit der aktuell bestklassierte US-Amerikaner im ATP-Ranking. Er stammt aus einer Tennis-Familie: Vater Bryan arbeitete als Chefcoach an der University of Florida, Mutter Lista Witsken war eine gute Jugendspielerin und Onkel Tode Witsken stiess in der Weltrangliste bis auf Platz 43 vor. Ben Shelton steht bei fünf Karrieretiteln und zwei Grand-Slam-Halbfinals (US Open und Australian Open). Der 1,93 m grosse Linkshänder wurde zu Beginn seiner Profilaufbahn von Roger Federers Agentur Team8 gefördert (jetzt William Morris Endeavor). Er ist liiert mit US-Fussballerin und Olympiasiegerin Trinity Rodman (23), der Tochter von Ex-Basketball-Star Dennis Rodman (64).

Ben Shelton kommt aus einem Tennis-Haushalt.
Sven Thomann

Ben Shelton (23) ist die Weltnummer sechs und damit der aktuell bestklassierte US-Amerikaner im ATP-Ranking. Er stammt aus einer Tennis-Familie: Vater Bryan arbeitete als Chefcoach an der University of Florida, Mutter Lista Witsken war eine gute Jugendspielerin und Onkel Tode Witsken stiess in der Weltrangliste bis auf Platz 43 vor. Ben Shelton steht bei fünf Karrieretiteln und zwei Grand-Slam-Halbfinals (US Open und Australian Open). Der 1,93 m grosse Linkshänder wurde zu Beginn seiner Profilaufbahn von Roger Federers Agentur Team8 gefördert (jetzt William Morris Endeavor). Er ist liiert mit US-Fussballerin und Olympiasiegerin Trinity Rodman (23), der Tochter von Ex-Basketball-Star Dennis Rodman (64).

Jetzt stehen Sie in den Top 10. Wo sehen Sie sich auf Ihrem steilen Weg nach oben?
Das weiss niemand. Ich versuche einfach, das Beste aus mir herauszuholen. Wenn ich einmal gehe, möchte ich sagen können: Ich habe alles gegeben. Und ich glaube, es liegt noch ein langer Weg vor mir.

Was unterscheidet Alcaraz und Sinner aktuell vom Rest?
Sie sind richtige Vorzeige-Bewegungskünstler, Vorzeige-Ballschläger – und sie spielen mit einem hohen Tennis-IQ. Ich glaube, viele sehen nur, wie unglaublich schnell und wuchtig sie spielen, doch sie erkennen nicht die taktischen Muster ihres Spiels, welche die beiden Spieler so grossartig machen. Ich glaube, durch diese kleinen Details sind die beiden aktuell besser als alle anderen.

Ihre Freundin, US-Fussballerin Trinity Rodman (23), steht ebenfalls im Rampenlicht. Hilft das Ihrer Beziehung, weil dadurch womöglich das Verständnis füreinander grösser ist?
Ich denke schon, ja. Man kann nachvollziehen, was die andere Person gerade durchmacht oder was bei ihr gerade ansteht. All die Verpflichtungen, Medientermine, Sponsoren-Anlässe, Reisen – es gibt so vieles, was ein Profileben mit sich bringt und teilweise auch schwierig macht.

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Worin ist Ihre Freundin besser als Sie?
Sie ist wirklich gut darin, immer sich selbst zu bleiben. Sie ist immer authentisch. Ich würde von mir zwar auch behaupten, dass ich das nicht schlecht mache, aber bei ihr ist das wirklich herausragend.

Sie haben das Reisen angesprochen. Sie sind mal in Zürich, mal hier, mal dort. Was vermissen Sie aus Ihrer Heimat, wenn Sie unterwegs sind?
Mein Bett in Orlando. Und natürlich meine Freunde und meine Familie. Manchmal ist es mir zu viel, immer in Hotels zu wohnen. Gleichzeitig bin ich mir aber bewusst, wie viele Privilegien ein solches Leben mit sich bringt. Ich kann mich also nicht wirklich beschweren hier.

Werden Sie Stan Wawrinka vermissen?
Auf jeden Fall! Stan hat Legenden-Status. Er spielte in einer der härtesten Ären der Tennisgeschichte. Es ist unglaublich, dass er dennoch drei Grand-Slam-Titel einfuhr. Es ist traurig, dass er die Tour Ende Jahr verlässt. Aber ich bin froh, dass ich einige Male mit ihm auf dem Platz stehen durfte.

Zum Schluss: Ihr bester Stan-the-Man-Moment?
Da gibt es einen. Wir haben letztes Jahr in Paris zusammen trainiert. Und man muss wissen: Beim Warmmachen spielt Stan jeweils hervorragende Lobs übers Netz, die man dann smashen kann. Er hängt sich da wirklich rein. Alles, was er macht, tut er mit Hingabe. Und er sagte mir, ich wäre einer der Einzigen, die dies ebenfalls noch richtig machten. Die neuen Jungs auf der Tour würden einfach nur locker aus dem Handgelenk spielen, ohne sich gross etwas dabei zu denken. Diese Einstellung hat mir gezeigt, warum Stan so ein guter Spieler wurde. Später scherzte er: «Wenn du wieder mal ein paar gute Lobs brauchst, bin ich für dich da. Ich weiss zwar nicht, wie lange noch. Aber jetzt bin ich noch da.»

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