Darum gehts
- Mika Brunold (21) ist erstmals für den Davis Cup nominiert
- Baselbieter ist überrascht über fast durchwegs positives Feedback nach Outing
- Er hofft, dass er mit seiner Öffnung am Tabu auf der Tour rütteln kann
Weil Henry Bernet (19) wegen einer Fussverletzung kurzfristig passen muss, erreicht Mika Brunold (21, ATP 453) dieser Tage einen Meilenstein in seiner noch jungen Karriere: Der Baselbieter steht erstmals im Schweizer Aufgebot für den Davis Cup, wo es am Freitag und Samstag gegen Tunesien um den Anschluss an die Weltspitze geht.
Es ist eine Belohnung für die gute Entwicklung des 1,91 m grossen Rechtshänders, der im Vorjahr zweimal im Halbfinal eines Challenger-Turniers stand.
Die Nomination erfolgt zwei Monate nach seinem öffentlichen Outing auf Social Media. In Folge seines damaligen, emotionalen Beitrags verzichtete er darauf, diesen medial weiter zu kommentieren. Im Rahmen seiner Davis-Cup-Feuertaufe erklärt er nun aber gegenüber Blick, wie die Reaktionen auf den für ihn so wichtigen Schritt ausfielen. Er erzählt: «Ich war positiv überrascht. Erstens, dass es so viel auslöste. Und zweitens, dass so viel wohlwollendes Feedback darunter war.» Er habe im Vorfeld auch negative Rückmeldungen erwartet, sagt Brunold: «Aber die hielten sich absolut in Grenzen. Ich glaube, es waren nicht einmal fünf.»
Brunold ist nach dem Brasilianer Joao Lucas Reis da Silva (25, ATP 207), den er nur flüchtig kennt, erst der zweite Spieler im Männer-Profitennis, der offen zu seiner Homosexualität steht. Das Swiss-Tennis-Talent befindet sich grundsätzlich in einem Zwiespalt. In einer perfekten Welt wäre seine Homosexualität öffentlich irrelevant. Respektive: Ein Insta-Post wäre gar nicht notwendig gewesen. Gleichzeitig ist die Realität aber die, dass das Schwulsein (auch) im Tennis immer noch ein Tabuthema darstellt. Auch Brunolds Meinung nach wird heute «noch nicht genug darüber gesprochen», wie er im Rahmen seines Outings Ende November schrieb. Homosexualität wird auf Männerseite schlicht totgeschwiegen. Auch Blick-Tennisexperte Heinz Günthardt (66) vermutet, dass die Furcht vor negativen Folgen noch immer in einem Ungleichgewicht zur Grundakzeptanz in der Gesellschaft steht.
Endlich ein Rütteln am Tabu möglich?
Das hat sich seit Brunolds Outing nicht grundlegend geändert, dennoch hat der aufstrebende Reinacher nach einigen Wochen auf der Tour das Gefühl, dass am Tabu durchaus gerüttelt werden kann: «Mein Eindruck ist, dass die Tenniswelt parat ist für schwule Spieler. Ich kann in meinem Fall offen damit umgehen. Beziehungsweise: Ich stelle fest, dass es auf der Tour überhaupt kein Thema ist.» Brunold verweist aufs Frauentennis, das diesbezüglich schon weiter ist und in dem die Anzahl geouteter Spielerinnen, wenn auch nicht immer öffentlich, deutlich höher ausfällt.
Er hat die Hoffnung, dass seine Öffnung – und jene von Reis da Silva – bestenfalls einen positiven Effekt auf die Tour hat: «Es wäre schön, wenn der von uns gewählte Weg auch andere Spieler ermutigt.» Das Wichtigste aber, und das betont er bewusst, sei: «Jeder muss seinen eigenen Weg gehen und für sich selbst entscheiden, ob er damit an die Öffentlichkeit gehen möchte.» Er selbst habe ebenfalls lange darüber nachgedacht. So lange, bis er «voll fein damit» war, wie er sagt: «Für mich hat der Moment absolut gestimmt.»
Es geht darum, die 1:3-Schmach gegen Indien vom letzten September vergessen zu machen – und um den Verbleib in der Weltgruppe 1. In den Play-offs bekommt es die Schweiz in Biel am Freitag und Samstag mit Tunesien zu tun. Letztmals standen sich die beiden Nationen 1985 gegenüber, damals gewannen die Schweizer um Roland Stadler und Markus Günthardt 5:0. Diesmal ist die Affiche auf dem Papier ausgeglichener. Der bestklassierte Tunesier, Moez Echargui (ATP 142), steht im Ranking besser da als alle nominierten Schweizer. Das Heimteam greift in Biel aber mit einer stärkeren Breite an Spielermaterial an.
Es geht darum, die 1:3-Schmach gegen Indien vom letzten September vergessen zu machen – und um den Verbleib in der Weltgruppe 1. In den Play-offs bekommt es die Schweiz in Biel am Freitag und Samstag mit Tunesien zu tun. Letztmals standen sich die beiden Nationen 1985 gegenüber, damals gewannen die Schweizer um Roland Stadler und Markus Günthardt 5:0. Diesmal ist die Affiche auf dem Papier ausgeglichener. Der bestklassierte Tunesier, Moez Echargui (ATP 142), steht im Ranking besser da als alle nominierten Schweizer. Das Heimteam greift in Biel aber mit einer stärkeren Breite an Spielermaterial an.