Darum gehts
- Roger Federer bekommt Kritik von Billie Jean King
- Sie findet, er hätte mehr für Gleichberechtigung tun können
- Während seiner Karriere hat sich Federer immer wieder dazu geäussert
Am Wochenende wurde Roger Federer (45) für seine einzigartige Karriere geehrt und in die Hall of Fame aufgenommen. Bei der Zeremonie waren zahlreiche andere Tennis-Legenden vor Ort. Unter ihnen auch Billie Jean King (82).
Die 39-fache Grand-Slam-Siegerin (Einzel, Doppel und Mixed) hat dabei im Gegensatz zu anderen nicht nur von Federer geschwärmt – sondern auch Kritik geäussert. Gegenüber «The Racquet» sagt sie: «Ich wünschte, er würde sich stärker für die Gleichberechtigung einsetzen.» Dabei verweist King auch auf Federers Familie. So sage sie ihm immer wieder: «Du hast zwei Söhne und zwei Töchter! In deinem Haushalt herrscht Gleichberechtigung!»
King ist der Meinung, dass Federer zu Aktivzeiten seine Popularität stärker hätte nutzen und sich für mehr Gleichberechtigung – vor allem in Sachen Preisgeld – einsetzen können. Sie selber ist bezüglich Gleichberechtigung eine Vorreiterin.
Treibende Kraft bei Gründung der WTA
In den 1970er-Jahren war King die treibende Kraft bei der Gründung der unabhängigen Frauen-Tour WTA. Daneben kämpfte sie gegen die grossen Unterschiede bei den Preisgeldern und setzte sich dafür ein, dass Tennisspielerinnen finanziell gleichgestellt werden.
So wurden die US Open 1973 das erste Grand-Slam-Turnier, bei dem Frauen und Männer das gleiche Preisgeld bekommen. Inzwischen ist dies bei allen vier Majors der Fall. Auch mit ihrem Sieg im «Kampf der Geschlechter» im September 1973 gegen Bobby Riggs verhalf King dem Frauentennis zu mehr Anerkennung.
Im Gespräch mit dem Reporter von «The Racquet» wäre King womöglich noch weiter gegangen in ihrer Kritik. Doch ein Vertrauter ging dazwischen und forderte dazu auf, das Interview zu beenden. Eine weitere Aussage liess sich die US-Legende allerdings nicht nehmen. «Glauben Sie, er würde etwas tun, um am Status quo zu rütteln?», meint sie. Und fügt an: «Das will er gar nicht. Ich würde an seiner Stelle auch Geld verdienen wollen.»
«Ich bin für gleiches Preisgeld»
Kings Kritik gegenüber dem 20-fachen Grand-Slam-Champion ist allerdings nicht ganz fair. Vor zehn Jahren sagte Federer: «Ich bin für gleiches Preisgeld.» Auch als Serena Williams (44) die männlichen Spieler 2019 dazu aufforderte, sich stärker für gleiches Preisgeld einzusetzen, reagierte der Maestro. Er meinte damals, seine Bemühungen um höhere Preisgelder auf der ATP-Tour würden letztlich auch dem Frauentennis zugutekommen.
Und 2020 stellte Federer auf Twitter die rhetorische Frage: «Bin ich der Einzige, der denkt, dass jetzt die Zeit wäre, dass sich das Männer- und das Frauentennis zusammenschliessen?» Zuspruch gabs damals auch von King. Und doch ist sie nun der Meinung, Federer hätte noch mehr tun können.