Was hinter den Kulissen bei den Swiss Indoors läuft
Tabuzone, Spezial-Menü für Djokovic und Hundefutter-Wünsche

Das Rundum-sorglos-Paket der Top-Stars an den Swiss Indoors: Was Boris Becker in Basel einst eingeführt hat, warum Rafael Nadal eine Tradition umkrempelte – und weshalb die Vorbereitungen auf Novak Djokovic besonders aufwendig waren.
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Foto: Stefan Bohrer
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Darum gehts

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Marco PescioReporter Sport

Selbst wenn man die rund 8000 Zuschauer, die sich täglich in den Gängen und auf den Tribünen der St. Jakobshalle tummeln, wegdenkt, würde es momentan in der Arena der Swiss Indoors Basel wuseln wie in einem Ameisenhaufen. Gut 600 Mitarbeitende weisen Plätze ein, stossen Catering-Wägelchen, bewirten Stände, sorgen für Sauberkeit und Sicherheit oder führen VIP-Gäste herum. Die Liste der Jobprofile beim grössten jährlich stattfindenden Sportevent der Schweiz ist ellenlang.

Rund 70 Personen haben dabei die Aufgabe gefasst, den Tennis-Stars das Leben so einfach wie möglich zu gestalten. Sie arbeiten hinter den Kulissen. Dort, wo niemand hindarf, manchmal nicht einmal die Entourage eines Spielers.

So siehts bei den Swiss Indoors in der Umkleide aus.
Foto: Stefan Bohrer

In die Players Lounge etwa ist der Zugang in den letzten Jahren eingeschränkt worden – jeder Profi darf nur noch zwei Begleitpersonen mitbringen. Der Rest muss draussen bleiben, der Ruhe in den Katakomben zuliebe.

FC Basel, Konzert oder Uno?

Den Spielern steht ein Restaurant zur Verfügung, wo dieselbe Anzahl an Personen gratis essen kann und wo auch auf alle möglichen Wünsche der Stars eingegangen wird: «Das ist definitiv nicht mehr so wie früher, als man einfach ein Menü serviert hat – heute kann der Spieler selbst auswählen», sagt Patrick Ammann, Managing Director beim ATP-500-Turnier. Als klar wurde, dass Superstar Novak Djokovic (39) nach Basel kommen würde, hatte dies auch auf die Vorbereitungen der Küchencrew grossen Einfluss. Der Serbe isst glutenfrei und hat gewisse Intoleranzen, weshalb das Angebot für ihn noch einmal angepasst werden musste.

Auch in der «Competition Zone» gibts Möglichkeiten, um sich zu entspannen.
Foto: Stefan Bohrer

Die sogenannte «Competition Zone» ist Rückzugsoase und Schlaraffenland zugleich. Hier können Stars am «Players Desk» um Tickets fragen, Schöggeli abstauben oder Freizeitpläne schmieden. Madlaina Barth, die Chefin des Turnierbüros, hat einst Andy Murray ein Uno-Kartenspiel geschenkt, weil dieser während seiner Zeit in der St. Jakobshalle so sehr den Narren daran gefressen hatte. Restaurantreservationen, FCB-Tickets oder Konzertkarten, all diese Wünsche landen auf ihrem Schreibtisch. Andre Agassi (56) besorgte sie einst sogar eine private Tour durch die Ausstellung «Faszination Körperwelten».

In der Tabuzone der Swiss Indoors gibts auch ein weiteres Snack-Buffet, einen Erholungsraum mit Eisbad und Recovery-Manschetten, Bereiche für Physiotherapie und natürlich fürs Warm-Up – in Form eines kleinen Fitnessraums.

Ins Restaurant gilt: Jeder Spieler plus zwei Begleitpersonen essen gratis.
Foto: Stefan Bohrer

Für den Transport zur Halle, zu den Trainingsmöglichkeiten in Allschwil oder zur Unterkunft steht der turniereigene Shuttleservice zur Verfügung. Auch die Chauffeure haben kuriose Geschichten zu erzählen. Zum Beispiel hatte einst die ehemalige Frau der deutschen Tennis-Legende Michael Stich (58) darum gebeten, dass ein Fahrer für sie Hundefutter einkaufen gehen sollte.

Federer wohnte noch am Rhein

Wer in Basel um den Siegercheck von umgerechnet 446’000 Franken spielt, logiert im Hotel Mövenpick, in der Nähe des Bahnhofs Basel SBB, was bei so manchem flugmüden Star sehr gut ankomme, wie Managing Director Ammann sagt.

Hier im schicken Turm in der Innenstadt gehen zwei der oberen Suiten an die zwei grössten Stars in diesem Jahr: an den am Dienstagabend abgetretenen Stan Wawrinka (41). Und natürlich an Grand-Slam-Rekordmann Djokovic. Darunter haust der gesamte Rest des Teilnehmerfelds – plus die jeweiligen Teams. Die Swiss Indoors bezahlen jedem Profi mindestens sechs Nächte im Vier-Sterne-Haus.

Früher hausten die Top-Aushängeschilder noch im Grand Hotel Les Trois Rois direkt am Rhein. Boris Becker (58) hatte dies einst eingeführt, und auch der zehnfache Turniersieger Roger Federer (45) ging dort zu seiner Zeit ein und aus. Der Rest wohnte damals im später insolvent gegangenen Swissôtel Le Plaza. Rafael Nadal (40) hingegen wollte nicht extern untergebracht sein und setzte sich dafür ein, im selben Haus einzuziehen wie seine Konkurrenten. So wohnte auch er im Le Plaza.

Päckchen-Flut fürs Hotel

Die Eröffnung des Hotel Mövenpick im Jahr 2021 war dann für die Swiss Indoors ein Glücksfall: Es ist gross genug und bringt den nötigen Komfort. «An den vollsten Tagen des Turniers gehen zwischen 150 und 170 Zimmer unseres Totalkontingents von 260 an die Swiss Indoors», sagt Lilia Haag, Reservation Managerin des Hotels, das ebenfalls versucht, voll auf die Bedürfnisse der Spieler einzugehen.

Patrick Ammann, Managing Director der Swiss Indoors, führt Blick in den Backstage-Bereich des Turniers.
Foto: Stefan Bohrer

Ernährungspläne zum Beispiel sind auch hier mit dem Restaurant abgestimmt worden. Ausserdem verzeichnet das Hotel im Vorfeld des Turniers «eine Vielzahl an ankommenden Paketen», was in der Tennisszene Standard ist, weil viele Ausrüster und Sponsoren Material, Outfits, Schläger oder Supplements an die jeweiligen Tour-Unterkünfte auf der ganzen Welt schicken.

Taylor Fritz, aktuell die Nummer 13 im ATP-Ranking, sagt auf Blick-Nachfrage: «Ich bin sehr happy mit dem Angebot in Basel.» Wichtig sind ihm vor allem zwei Dinge, wie er mit einem Schmunzeln verrät: «Gutes Essen beim Turnier – und richtig schnelles Internet zum Gamen.»

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