So kam es zum Stan-Abschied in Basel
Turnier-Boss Brennwald adelt Wawrinka – und schleust Djokovic ein

Swiss-Indoors-Präsident Roger Brennwald im Interview über den grossen Abschied von Stan Wawrinka in Basel, Erinnerungen an den jungen Romand – und eine Bitte von Novak Djokovic.
Kommentieren
1/10
Roger Brennwald kennt Stan Wawrinka seit über zwei Jahrzehnten.
Foto: Swiss Indoors / Markus Peter

Darum gehts

Die Zusammenfassung von Blick+-Artikeln ist unseren Nutzern mit Abo vorbehalten. Melde dich bitte an, falls du ein Abo hast.

RMS_Portrait_563.JPG
Marco PescioReporter Sport

Blick: Roger Brennwald, als Stan Wawrinka vor 23 Jahren sein erstes Spiel an den Swiss Indoors bestritt, spielten nebenan im Joggeli noch Gimenez, Rossi und Delgado gemeinsam für den FCB. Wie gut können Sie sich noch an Wawrinkas Basler Debüt erinnern?

Roger Brennwald: Gar nicht, ehrlich gesagt. (Schmunzelt. Wawrinka verlor 6:7, 6:7 gegen den Tschechen Tomas Zib, Anm. d. Red.) Aber dafür werde ich unsere erste Begegnung nie vergessen.

Wann war diese?

2003. Also im selben Jahr. Ich sass damals in Paris auf der Tribüne – und habe danach einem schüchternen, jungen Burschen gratuliert. Er hatte gerade das Juniorenturnier von Roland Garros gewonnen. Es war der Anfang eines langen gemeinsamen Wegs, auf dem wir uns stets die Treue hielten.

Es ist Wawrinkas 19. Teilnahme. Wie kam sein Abschied in Basel zustande?

Es war ein einziges Telefonat. Stan hat mich im Frühjahr angerufen und mich gefragt, was ich davon hielte, wenn er seine Tour-Dernière in Basel planen würde. Ich sagte: «Ich bin geehrt, dass du nur schon darüber nachdenkst.» Und ich meinte zu ihm: «Keine Frage. Wir sind parat und auch gewillt, eine Zeremonie auf die Beine zu stellen.»

Novak Djokovic ist seit Sonntag auch vor Ort. Wird er der Würdigung am Montagabend (18 Uhr) beiwohnen?

Ja. Als klar wurde, dass er bei uns spielen wird, ist Novak auf mich zugekommen und hat gefragt, ob er bei Stans Abschied dabei sein könne. Für mich zeigt das, welch toller, fairer Sportler Novak ist. Ich habe ihn dann in meine Loge eingeladen. Dort werden im Übrigen auch andere Sportgrössen sitzen. Martina Hingis oder Dario Cologna, zum Beispiel.

Wie haben Sie Wawrinka als Menschen und Weggefährten in den letzten zwei Jahrzehnten erlebt?

Als Lebemann. Locker und entspannt neben dem Platz – und extrem fokussiert, wenn es ernst galt. Respekt war sein oberstes Prinzip. Wenn man in seine Innenwelt eindringt, dann ist er verletzlich. Er selbst ist nie abgehoben. Und auch Neid und Missgunst scheint er nicht zu kennen. Er hat immer Haltung bewahrt bei seinen Niederlagen in Basel.

Er verlor bei den Swiss Indoors neunmal in der ersten Runde. Sein bestes Ergebnis waren zwei Halbfinals.

Natürlich gibt es da diesen kleinen Wermutstropfen, dass er in Basel nie den Final erreicht hat. Aber er hat sich hier immer sehr sportlich verhalten. Ich habe nie erlebt, dass er ausgerastet wäre. Diese vorbildliche Einstellung zeichnet ihn aus.

Er stand – auch und gerade in Basel – lange im Schatten von Roger Federer. Wie haben Sie über all die Jahre sein Standing bei den Fans wahrgenommen?

Er war ganz allgemein sehr beliebt auf der Tour. Nicht nur bei den Fans, sondern auch bei anderen Profis. Was er in der Ära der Big Four – Federer, Djokovic, Rafael Nadal und Andy Murray – erreicht hat, verdient allerhöchste Anerkennung. Dass er in Basel im Schatten von Federer stand, war bestimmt nicht immer einfach. Aber Stan war immer bei sich. Er ist stets seinen eigenen Weg gegangen. Und wir hatten immer ein gutes, unkompliziertes Verhältnis, weil wir aus demselben Holz geschnitzt sind.

Wie meinen Sie das?

Stan ist ein Welscher. Ich auch. Wir verstehen uns eigentlich blind. Mein Vater kam aus Le Locle, und so bin ich mit der welschen Kultur aufgewachsen. Ich hatte immer eine Affinität für die Romandie und die Menschen dort – das gilt auch für Stan. Wir haben eine ähnliche Mentalität.

Was sagst du dazu?
Liebe Leserin, Lieber Leser
Der Kommentarbereich von Blick+-Artikeln ist unseren Nutzern mit Abo vorbehalten. Melde dich bitte an, falls du ein Abo hast. Noch kein Blick+-Abo? Finde unsere Angebote hier:
Hast du bereits ein Abo?
Heiss diskutiert
    Meistgelesen