Darum gehts
- Stan Wawrinka beendete in Basel seine ATP-Karriere
- Jiri Lehecka schlug den 41-Jährigen 7:5, 7:6
- Vor 8000 Fans bedankte er sich emotional für die Unterstützung
C’est fini. Stan Wawrinkas allerletzter Auftritt als Tennisprofi auf der ATP-Tour ist Geschichte. Im Alter von 41 Jahren und sieben Monaten ist eine herausragende, bewegte und auch von ihm selbst nie in dieser Form erträumte Karriere vorbei. Beendet wird sie vom Tschechen Jiri Lehecka, der den Altmeister aus der Romandie mit einem knappen 7:5-7:6-Erfolg in Rente schickt.
Als «Stan the Man» auf dem Center Court der St. Jakobshalle vom Platzspeaker verabschiedet wird, feiern ihn die knapp 8000 Fans in der Arena noch einmal in ohrenbetäubender Lautstärke. Und sorgen dafür, dass seine Stimme im Platzinterview schon sehr bald bricht.
Vor den Augen seines Teams und seiner Familie kämpft er mit den Tränen und sagt: «Ich bin traurig, dass es hier endet, aber auch sehr glücklich, dass ich euch habe. Danke vielmals euch und dem ganzen Publikum für die Unterstützung. Hier in der Schweiz aufzuhören, ist für mich ein idealer Abschied.»
Kicken mit der Entourage
Der dreifache Grand-Slam-Champion hat sich auf die grossen Emotionen den ganzen Tag lang vorbereitet – mit seiner ganz normalen Turnierroutine. Wie er es über zwei Jahrzehnte lang getan hatte. Der Countdown seines letzten Matchtages der Karriere sieht an diesem Dienstag in Basel so aus:
Er beginnt um 11 Uhr auf dem Center Court, mit einer letzten, richtigen Trainingseinheit. Danach gehts zurück zum Hotel Mövenpick in der Innenstadt, wo sämtliche Spieler logieren und er, genauso wie Novak Djokovic, in den Genuss einer Suite ganz oben im Turm kommt. Das Mittagessen steht an, dann Siesta im Zimmer. Und um kurz vor 17 Uhr lässt er sich vom Turniershuttle wieder in die Halle transportieren.
Zurück in der St. Jakobshalle besammelt sich – nach einem Abendessen im Dining Room des Backstage-Areals – das gesamte Wawrinka-Team im Gym. Ein kurzer Augenschein vor Ort zeigt: Sogar Konditionstrainer Pierre Paganini, der Wawrinka und auch Roger Federer über Jahre hinweg begleitet hat, ist gekommen. Genauso wie natürlich Coach Magnus Norman, Physiotherapeut Julien Reverte sowie Dario Novak, der zweite Kondi-Trainer.
Am TV-Bildschirm verfolgen sie alle gemeinsam Teile der Partie von Ben Shelton und Aleksandar Kovacevic, die direkt vor dem Wawrinka-Match stattfindet. Dann folgt das Warm-up in der Turnhalle, bei dem sämtliche Teammitglieder involviert sind. Noch um 20.30 Uhr spielt Wawrinka mit seiner Entourage locker eine Runde Fussball, ehe er 40 Minuten später bereits matchbereit in der Arena steht – und seine ATP-Dernière offiziell beginnt.
«Ich habe keine Angst»
Wiederum knapp zwei Stunden und einmal mehr ein grosser, für ihn so typischer Kampf später ist der letzte Ball von Wawrinkas Karriere geschlagen. Die Niederlage ist Tatsache, doch sie verkommt an diesem Abend mehr denn je zur Nebensache. Die Arena feiert den Waadtländer nach seiner 985. Partie auf der Männertour, als hätte er gerade seinen 17. Titel gewonnen. Jeder in der St. Jakobshalle ist sich dieses Moments bewusst: Einer der Grössten seines Sports sagt hier gerade Adieu.
Hinterher, an der Pressekonferenz um Mitternacht, der nun auch sein Manager Lawrence Frankopan beiwohnt, schliesst Wawrinka mit den Worten: «Ich habe keine Angst vor einer Leere. Es gibt so viel, auf das ich mich nun freuen kann.»