Sinner-Erdbeben macht French Open zum Krimi
«Jetzt ist Zverev der Kronfavorit»

Das schier Undenkbare ist eingetreten: In Roland Garros gibts erstmals seit drei Jahren einen Grand-Slam-Sieger, der nicht Sinner oder Alcaraz heisst. Blick-Tennis-Experte Heinz Günthardt sagt: «Rund ein Dutzend reibt sich jetzt die Hände!»
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Der neue Kronfavorit: Deutschlands Hoffnung Alexander Zverev.
Foto: AFP

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Wer kann nach dem überraschenden Aus von Sinner profitieren?
  • Experte Günthardt erklärt die neue Ausgangslage an den French Open
  • Was für Zverev spricht – und was für Djokovic
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Marco PescioReporter Sport

Die French Open machen in diesem Jahr ihrem Namen alle Ehre: Durch das hochdramatische, sensationelle Out von Weltnummer eins Jannik Sinner (24) und die verletzungsbedingte Absage von Titelverteidiger Carlos Alcaraz (23) ist das Grand-Slam-Turnier tatsächlich offen wie lange nicht mehr.

Das Fehlen der absoluten Dominatoren der letzten Jahre, die seit den Australian Open 2024 sämtliche Major-Titel unter sich aufgeteilt haben, macht die Ausgangslage im Männerfeld äusserst interessant, um nicht zu sagen: verrückt. Denn gepaart mit der Auslosung, durch die viele Mitfavoriten in der unteren Tableauhälfte gelandet sind, ist die Chance für eine Final-Sensation stark gestiegen.

Fest steht, dass einer der folgenden Namen aus dem oberen Tableaubereich im Endspiel stehen wird: Flavio Cobolli (24), Felix Auger-Aliassime (25), Frances Tiafoe (28) und Matteo Berrettini (30) sind noch die bekanntesten darunter. Möglich sind aber auch Coups von Juan Manuel Cerundolo (24), Martin Landaluce (20), Francisco Comesana (25), Jaime Faria (22), Matteo Arnaldi (25), Raphael Collignon (24), Brandon Nakashima (24), Moïse Kouamé (17), Alejandro Tabilo (28), Learner Tien (20), Francisco Cerundolo (27) oder Zachary Svajda (23). Lauter Namen, die selbst die kühnsten Optimisten nicht auf dem Zettel hatten.

«Djokovic? Eine Wundertüte»

Für Blick-Tennisexperte Heinz Günthardt (67) kommt es nicht überraschend, dass darunter einige Spieler sind, die ihre Stärken eigentlich auf Hartplatz haben – und weniger auf Sand. Doch während viele in der brutalen Hitze von Paris leiden, bislang allen voran Sinner, profitieren andere davon. Günthardt erklärt: «Durch die heissen Temperaturen wird das Spiel enorm schnell, das kommt den Hartplatzspezialisten entgegen.»

Hochspannend ist die Situation auch im unteren Feld: Dort tummeln sich mit Alexander Zverev (29), Novak Djokovic (39), Casper Ruud (27), Alex de Minaur (27) oder Spaniens neuem Shootingstar Rafael Jódar (19) gleich mehrere Titelkandidaten.

Djokovic sieht die grosse Gelegenheit für seinen 25. Grand-Slam-Titel, mit dem er Mitrekordhalterin Margaret Court (83) abschütteln könnte. Doch Günthardt will festhalten: «Novak ist logischerweise wie immer alles zuzutrauen, aber er ist mittlerweile auch eine Wundertüte. Es muss schon viel stimmen, damit er durchmarschiert.»

Zugutekommen könnte dem Serben etwa, dass die Temperaturen in Paris in der zweiten Turnierwoche sinken und gar Regenschauer angesagt sind. Überhaupt könnte dies die Karten noch einmal ganz neu mischen: «Ist es kühler und sind die Plätze feuchter, wird es ein ganz anderes Turnier werden.» Die Hartplatzspezialisten beispielsweise dürfte diese Prognose nicht unbedingt freuen.

Erinnerungen an Federer 2009

Unabhängig vom Wetter ist für Günthardt klar: «Zverev ist jetzt der Kronfavorit. Er spürt wohl deutlich mehr Druck als ein Djokovic, doch wenn die beiden im Halbfinal aufeinandertreffen sollten und Zverev sein bestes Tennis spielt, ist er aktuell besser.»

Der Deutsche, der schon in drei Grand-Slam-Endspielen stand, darunter 2024 eines in Paris (Viersatz-Niederlage gegen Alcaraz), läuft schon seine ganze Karriere der grossen Erlösung hinterher. Einst stand ihm Roland-Garros-Rekordhalter Rafael Nadal in der Sonne, dann Djokovic und schliesslich Alcaraz. Aber jetzt?

Die French-Open-Sieger in diesem Jahrhundert

2000: Gustavo Kuerten (Bra)

2001: Gustavo Kuerten

2002: Albert Costa (Sp)

2003: Juan Carlos Ferrero (Sp)

2004: Gaston Gaudio (Arg)

2005: Rafael Nadal (Sp)

2006: Rafael Nadal

2007: Rafael Nadal

2008: Rafael Nadal

2009: Roger Federer

2010: Rafael Nadal

2011: Rafael Nadal

2012: Rafael Nadal

2013: Rafael Nadal

2014: Rafael Nadal

2015: Stan Wawrinka

2016: Novak Djokovic (Srb)

2017: Rafael Nadal

2018: Rafael Nadal

2019: Rafael Nadal

2020: Rafael Nadal

2021: Novak Djokovic

2022: Rafael Nadal

2023: Novak Djokovic

2024: Carlos Alcaraz (Sp)

2025: Carlos Alcaraz

2026: ?

Roger Federer siegte 2009 in Paris, als Nadal früh scheiterte.
Getty Images

2000: Gustavo Kuerten (Bra)

2001: Gustavo Kuerten

2002: Albert Costa (Sp)

2003: Juan Carlos Ferrero (Sp)

2004: Gaston Gaudio (Arg)

2005: Rafael Nadal (Sp)

2006: Rafael Nadal

2007: Rafael Nadal

2008: Rafael Nadal

2009: Roger Federer

2010: Rafael Nadal

2011: Rafael Nadal

2012: Rafael Nadal

2013: Rafael Nadal

2014: Rafael Nadal

2015: Stan Wawrinka

2016: Novak Djokovic (Srb)

2017: Rafael Nadal

2018: Rafael Nadal

2019: Rafael Nadal

2020: Rafael Nadal

2021: Novak Djokovic

2022: Rafael Nadal

2023: Novak Djokovic

2024: Carlos Alcaraz (Sp)

2025: Carlos Alcaraz

2026: ?

Für Günthardt erinnert Zverevs Chance an jene von Roger Federer 2009, als Nadal schon im Achtelfinal ausschied und der Schweizer in Abwesenheit des grossen Favoriten den Karriere-Grand-Slam vervollständigen konnte: «Die Frage ist: Hat Zverev in Paris die Nerven wie einst Federer? Wie geht er mit dieser Chance um?» Zwar spielte Federer damals nicht um seinen ersten Grand-Slam-Triumph, «und trotzdem ist die Situation vergleichbar, weil sich das Feld öffnete».

Egal, welches Szenario am Finaltag am 7. Juni eintreffen wird: Günthardt sieht die Tatsache, dass es auf Major-Stufe erstmals seit 2023 wieder einen anderen Sieger als Alcaraz und Sinner geben wird, positiv: «Rund ein Dutzend Spieler reibt sich jetzt die Hände. Das tut dem Tennis gut. Und wer weiss: Vielleicht wird ein neuer Superstar geboren?»

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