Wenn es im Juni traditionell auf Rasen geht, schlägt Belinda Bencics (29) Herz höher. Zwar verpasste sie in den letzten Wochen aufgrund einer kleinen Knöchelverletzung die Vorbereitungsturniere für Wimbledon, doch erste leichte Trainings waren schon früh möglich. Und dort war ihr Gefühl bereits hervorragend, wie sie im kürzlichen Austausch mit Blick-Experte Heinz Günthardt (67) erklärte: «Sie meinte, das Timing habe sofort gestimmt. Sie habe jeden Ball gleich in der Mitte getroffen.»
Nun, wie gut Bencic und ihrem Spiel die grüne Unterlage liegt, hat sie schon früh in ihrer Karriere gezeigt: 2015 gewann sie als erst 18-Jährige das WTA-Turnier in Eastbourne. Wimbledon wurde später zu ihrem Lieblingsturnier. Dreimal stand sie hier im Achtelfinal und stiess im Vorjahr mit einem starken Lauf bis in den Halbfinal vor. Dort scheiterte sie an einer unwiderstehlichen Iga Swiatek (25), gegen die 2025 keine einzige Spielerin nur einen Hauch einer Chance hatte. Bencic bekam im Halbfinal eine 2:6-0:6-Packung, Amanda Anisimova (24) im Endspiel sogar eine 0:6-0:6-Ohrfeige.
Trotzdem: Bencic hat schon vor einem Jahr bewiesen, dass aus ihr eine reifere, noch komplettere Spielerin geworden ist. Seit sie 2024 Mutter geworden sei, sei sie ein Stück weit gelassener und abgeklärter, sagt sie.
Mit «mehr Pepp» zum Triumph?
Mit Blick auf die Championships in dieser Saison ist sich Günthardt sicher, dass Bencic erneut eine heisse Kandidatin auf den Titel ist. Nicht in der ersten Reihe, wo etwa Titelverteidigerin Swiatek, Weltnummer 1 Aryna Sabalenka (28) oder die frühere Wimbledonsiegerin Jelena Rybakina (27) stehen, «aber gleich dahinter».
Günthardt meint: «Belinda hat alles, um Wimbledon zu gewinnen. Sie spielt definitiv gut genug Tennis dafür.» Das hängt auch mit einigen Anpassungen in den letzten Jahren zusammen: «Sie hat im Vergleich zu früher ihren Return verbessert – und sie serviert auch stärker. Der Aufschlag hat mehr Pepp. Auf Rasen wirkt sich das noch mehr aus als auf anderen Unterlagen, sie spielt dadurch viel aggressiver.»
Und das, obwohl Bencic aufgrund einer Schulterverletzung im Vorjahr ihren Aufschlag geändert hat und die Armbewegung nun quasi abkürzt. Günthardt findet, die Olympiasiegerin von 2021 habe dadurch keine Einbussen im Service erfahren. Im Gegenteil: «Sie ist stärker geworden. Trotz dieser Umstellung. Auch das zeigt, wie viel Talent sie mitbringt.»
Das Rezept für einen erneuten Traumlauf an der Londoner Church Road? Es bedarf «ganz vieler Zutaten» – und nicht alles steht in der Macht der grössten Schweizer Hoffnung, die den ersten eidgenössischen Frauen-Titel im Südwesten Londons seit Martina Hingis (45) 1997 anstrebt. «Wichtig ist zunächst, dass sie sich in den ersten Runden wieder in Fahrt spielt. Und dann wird für einen Titelgewinn aber auch entscheidend sein, mit wie viel Schwung die Topfavoritinnen am Werk sind. In Bestform gibt es ein paar, die noch besser sein können als Belinda. Ist das nicht der Fall, bewegt sie sich auf Augenhöhe», so Günthardt.
Es ist ein Kracher-Los für die Startrunde: Stan Wawrinka (41), der in seinem Abschiedsjahr eine Wildcard fürs Wimbledon-Hauptfeld erhalten hat, trifft zum Auftakt auf Matteo Berrettini (30). Der Italiener stand 2021 an der Church Road im Final, scheiterte dort erst an Novak Djokovic (39). Zuletzt stiess er an den French Open bis in den Viertelfinal vor, musste dort aber nach knapp zwei Sätzen aufgeben. Für Wimbledon ist die Affiche ein echter Glücksfall, die Partie dürfte auf einem Platz gebührender Grösse stattfinden.
Normalerweise sind Wildcards für Nicht-Briten in Wimbledon sehr selten. Für Wawrinka gibts in diesem Jahr eine Ausnahme: «Das zeigt, wieviel Respekt man auch in Wimbledon vor ihm hat», so Blick-Experte Heinz Günthardt (67), «er hat nach wie vor das Niveau – und vor allem ist es eine Freude, zu sehen, mit wie viel Spass er an der Arbeit ist».
Es ist ein Kracher-Los für die Startrunde: Stan Wawrinka (41), der in seinem Abschiedsjahr eine Wildcard fürs Wimbledon-Hauptfeld erhalten hat, trifft zum Auftakt auf Matteo Berrettini (30). Der Italiener stand 2021 an der Church Road im Final, scheiterte dort erst an Novak Djokovic (39). Zuletzt stiess er an den French Open bis in den Viertelfinal vor, musste dort aber nach knapp zwei Sätzen aufgeben. Für Wimbledon ist die Affiche ein echter Glücksfall, die Partie dürfte auf einem Platz gebührender Grösse stattfinden.
Normalerweise sind Wildcards für Nicht-Briten in Wimbledon sehr selten. Für Wawrinka gibts in diesem Jahr eine Ausnahme: «Das zeigt, wieviel Respekt man auch in Wimbledon vor ihm hat», so Blick-Experte Heinz Günthardt (67), «er hat nach wie vor das Niveau – und vor allem ist es eine Freude, zu sehen, mit wie viel Spass er an der Arbeit ist».
Bencic (WTA 12) bekommt es zum Auftakt mit einer Lokalmatadorin zu tun. Gegnerin ist die erst 17-jährige Britin Mika Stojsavljevic, die auf Weltranglistenposition 276 klassiert ist und vom Turnier, wie schon im Vorjahr, eine Wildcard erhielt. Damals schied sie direkt in Runde eins aus.
Golubic hat beste Erinnerungen
Mit Viktorija Golubic (33) und Simona Waltert (25) stehen im Haupttableau zwei weitere Schweizerinnen, die für eine Überraschung sorgen wollen. Vor allem Golubic gilt als Rasenspezialistin. 2021 hatte sich die Zürcherin in Wimbledon sensationell bis in den Viertelfinal gespielt. Und vor einigen Wochen wurde sie beim WTA-250-Turnier in Nottingham – als Qualifikantin – erst im Halbfinal gestoppt. «Sie ist gut im Schuss und kann auf Rasen richtig gefährlich werden», meint Günthardt.
Und Waltert? Die Churerin, die erst einmal im Wimbledon-Hauptfeld stand, verzeichnete ihre besten Resultate bislang auf Sand. Doch das müsse nichts heissen, so Günthardt: «Auch sie hat viel Zug, sie serviert gut und ist aggressiv. Es gibt vom Spielstil her keinen Grund, weshalb sie nicht auch auf Rasen erfolgreich sein kann.»
Die Auslosung meinte es auch für beide gut: Golubic (WTA 64) bekommt es mit einer Qualifikantin zu tun. Sie trifft in Runde eins auf die Belarussin Iryna Schymanowitsch (28, WTA 216). Waltert (WTA 88) misst sich mit der Kolumbianerin Camila Osorio (24, WTA 69) mit einer Spielerin, die in der Weltrangliste nicht allzu weit von ihr entfernt ist. Allerdings könnte auf sie in der zweiten Runde die tschechische Geheimfavoritin Linda Noskova (21, WTA 10) warten.
Letztere gewann zuletzt das Rasenturnier in Berlin – und sie hat ein Stück weit eine ähnliche Vergangenheit wie Belinda Bencic. Beide trainierten einst bei Martina Hingis’ (45) Mutter Melanie Molitor (69). Und nun träumen beide vom ganz grossen Wurf in Wimbledon.
Belinda Bencic (WTA 12) – Mika Stojsavljevic (Gb, WTA 276)
Viktorija Golubic (WTA 64) – Iryna Schymanowitsch (Blr, WTA 216)
Simona Waltert (WTA 88) – Camila Osorio (Kol, WTA 69)
Stan Wawrinka (ATP 110) – Matteo Berrettini (It, ATP 49)
Belinda Bencic (WTA 12) – Mika Stojsavljevic (Gb, WTA 276)
Viktorija Golubic (WTA 64) – Iryna Schymanowitsch (Blr, WTA 216)
Simona Waltert (WTA 88) – Camila Osorio (Kol, WTA 69)
Stan Wawrinka (ATP 110) – Matteo Berrettini (It, ATP 49)