Darum gehts
- Belinda Bencic besiegt Anna Kalinskaya in Wimbledon-Krimi auf Court Nummer drei
- Nach knapp drei Stunden gewinnt sie im Match-Tiebreak 6:4, 4:6, 7:6
- Zum fünften Mal im Achtelfinal, nächste Gegnerin könnte Coco Gauff sein
Belinda Bencic und Court Nummer drei auf der Wimbledon-Anlage – das passt gut zusammen. Er ist einer ihrer Lieblingsplätze im Südwesten Londons. Auch, weil er so nahe am Spielerrestaurant liegt und man von dessen Terrasse gut aufs Feld blicken kann, was wiederum ihrer Tochter Bella die Möglichkeit gibt, ihre Mutter zu verfolgen. Schon die Zweitrundenpartie gegen Xinyu Wang (7:5, 6:0) hatte sie hier gewonnen.
Nun schlägt die Weltranglistenelfte Bencic mit Anna Kalinskaya auch die Weltnummer 20 auf Court Nummer drei – und zwar in einem veritablen Krimi mit 6:4, 4:6, 7:6 (10:6).
Zum insgesamt fünften Mal löst die Ostschweizerin damit das Achtelfinalticket an der Church Road. Allerdings bekundet Bencic in der Partie gegen die Russin ordentlich Mühe. In Satz eins verspielt sie beinahe einen 4:1-Vorsprung, ehe sie nach dem 4:4-Ausgleich doch noch den Sack zumachen kann. Und auch im zweiten Durchgang ist es eine enge Kiste und teilweise ein echter Härtetest fürs Nervenkostüm der letztjährigen Wimbledon-Halbfinalistin. Bencic kann sich nicht mehr auf ihren ersten Aufschlag verlassen und kassiert den Satzausgleich. Im dritten Satz allerdings beweist Bencic wieder mehr mentale Stärke – und tütet den Erfolg nach knapp drei Stunden im Match-Tiebreak endlich ein.
Als nächstes Gauff?
Nun droht Bencic ein echtes Monsterprogramm in Richtung ihres langersehnten Grand-Slam-Traumes bei ihrem absolut bevorzugten Turnier. Im Achtelfinal am Sonntag könnte die Amerikanerin Coco Gauff auf sie warten, mit der sie in Vergangenheit oft Probleme bekundete und eine negative Bilanz von 2:5 aufweist. In einem allfälligen Viertelfinal könnte Gauffs Landsfrau Jessica Pegula, eine der Wimbledon-Geheimfavoritinnen, die Widersacherin sein. Und im Halbfinal möglicherweise Aryna Sabalenka, die Weltranglistenerste.
Wenn man die Spielerei bis ganz zum krönenden Schluss zu Ende führen möchte, könnte im Endspiel eine der beiden früheren Wimbledon-Siegerinnen Jelena Rybakina oder Iga Swiatek auf Bencic warten. All dies rein hypothetisch natürlich. Die diesjährigen French Open haben gezeigt, wie schnell ein Favoritensterben vonstattengehen kann – genau dann ist es an Spielerinnen aus der zweiten Reihe, parat zu sein. Und zu jenen zählt Bencic definitiv, wie auch Blick-Experte Heinz Günthardt schon vor dem Turnier gesagt hatte: «Belinda hat alles, um Wimbledon zu gewinnen.»
Starke Nerven wie gegen Kalinskaya gehören mit Sicherheit zum aussichtsreichen Paket, das Bencic mitbringt. Auch wenn sie hinterher zugibt, «auf 180» gewesen zu sein.
Und übrigens: Von Abschalten vom Tennis will sie momentan gar nichts wissen: Auf die Platzinterview-Frage, ob ihr die mitgereiste Familie helfe, auf andere Gedanken zu kommen, sagt sie lachend: «Nein, aber das ist mein Fehler. Ich gehe jeweils von der Anlage ins Haus und schalte dort als Erstes direkt den Fernseher an, mache das iPad an und dann auch noch das iPhone. Ich will die ganze Zeit nur Wimbledon schauen.»