Darum gehts
- Stan Wawrinka (41) verabschiedet sich emotional von Wimbledon nach packendem Duell
- Berrettini schlägt Wawrinka in über vier Stunden mit 7:6, 6:7, 6:7, 6:7
- Wawrinka erhielt Standing Ovations und ein Andenken von Berrettini
Es ist ein Goodbye mit Ausrufezeichen! Stan Wawrinka (41) verabschiedet sich erhobenen Hauptes von Wimbledon. Mit Sprechchören und einer Standing Ovation auf der Tribüne – und einmal mehr mit ganz viel Kämpferherz. «Marathon-Stan» wird seinem Übernamen im über vierstündigen Schlagabtausch mit dem Italiener Matteo Berrettini (30), dem Wimbledon-Finalisten von 2021, absolut gerecht.
Die beiden liefern sich ein intensives, spannendes Duell, gestalten die Partie äusserst ausgeglichen, bis Berrettini dank seines gewaltigen Service um 22.03 Uhr Ortszeit triumphieren kann. Wawrinka verliert in seinem Abschiedsjahr seinen allerletzten Ernstkampf an der Londoner Church Road mit dem verrückten Resultat von 7:6 (9:7), 6:7 (16:18), 6:7 (7:9), 6:7 (5:7).
Knackpunkt ist das dritte der vier Tiebreaks, in dem Wawrinka seinem Gegenüber den Satz mit einem Doppelfehler quasi schenkt. Ansonsten bewegt sich die Partie auf Messers Schneide, sie hätte fast bis ganz zum Schluss genauso gut auf die Seite des dreifachen Grand-Slam-Champions kippen können. Doch Berrettinis Aufschlag ist letztlich schlicht zu gut.
«Bist du sicher?»
Wawrinka wird dennoch gefeiert, als hätte er den Krimi gerade für sich entschieden. Wimbledon zollt dem Romand mit einem warmen, kleinen Abschied Respekt. Genauso wie es Berrettini schon vor dem Spiel gemacht hatte, als er Wawrinka absichtlich als Zweiten aus den Katakomben laufen liess, damit dieser den grösseren Applaus erhält.
Als Wawrinka zum Platzinterview schreitet, tut er dies unter Tränen. Da hilft die lockere Frage, ob er nach diesem unglaublichen Auftritt im Alter von 41 Jahren tatsächlich aufhören wolle: «Bist du sicher?» Wawrinka muss lachen und meint dann: «Ich will nicht, aber ich weiss, dass es Zeit dafür ist. Ich bin so dankbar, eine Wildcard bekommen zu haben. Es ist so ein spezielles Turnier. Und dieser Support heute Abend bedeutet mir wirklich sehr viel.»
Dann meint er abschliessend, während Mutter Isabelle und Vater Wolfram auf den Rängen seinen Worten lauschen: «Ich hätte mir hier kein besseres Goodbye erträumen können.» Danach läuft er in die Kabine, wird aber rasch vom hinterhereilenden Berrettini eingeholt: Dieser hat den langen Weg auf sich genommen, um ihm sein allerletztes Wimbledon-Handtuch mitzugeben. «Als schöne Erinnerung», wie Berrettini später in seinem eigenen Platzinterview erklärte: «Er ist eine Legende – und er hat es heute noch einmal gezeigt.»